132-facher Missbrauch Stieftochter missbraucht – Freundinnen des Opfers sagen aus
Ein Wilhelmshavener soll seine Stieftochter 132 Mal missbraucht haben. Bisher streitet er die Vorwürfe ab, Zeuginnen belasten ihn nun vor Gericht.
Aurich - Ein aktuell 55-jähriger Wilhelmshavener soll seine Stieftochter im Alter von neun bis zwölf Jahren 132 Mal missbraucht haben. Die Taten sollen sich im häuslichen Umfeld in Wittmund zugetragen haben, während die Mutter zur Arbeit war. Einmal soll er sich an einer damaligen Freundin der Stieftochter vergangen haben. Beim Prozessauftakt vor einer Woche bestritt der Angeklagte die Vorwürfe, die im Tatzeitraum zwischen März 2007 und Oktober 2010 vorgefallen sein sollen.
Bei der Fortsetzung der Verhandlung am Freitag, 26. Januar 2024, vor dem Auricher Landgericht wurde die Stieftochter unter Ausschluss der Öffentlichkeit vernommen, weil Details aus ihrem höchstpersönlichen Lebensbereich zur Sprache kamen.
Opfer vertraute sich Freundin an
Drei weitere Zeuginnen wurden gehört. Unter ihnen war eine 26-Jährige aus Wiesmoor, die seit der Grundschulzeit ihre beste Freundin ist. Eigentlich war sie nur mitgekommen, um der Geschädigten „den Rücken zu stärken“, wie sie sagte. Sie habe ihr zuvor geholfen, sich anwaltlichen Beistand und Hilfe bei der Opferhilfe Weißer Ring zu holen.
Die Wiesmoorerin wusste von den Vorfällen. Bei einer Hochzeit habe das Opfer damals mit ihr zusammen das Babysitting übernommen. Man habe sich nachts lange unterhalten: „Da hat sie gesagt, dass sie sexuell missbraucht worden sei.“ Nachher hätten sie nie wieder darüber gesprochen – „ich durfte es auch nicht weitererzählen“. Ein „bisschen was“ habe sie von den Taten erfahren, aber sie könne es nicht mehr wiedergeben.
„Komische Situationen“ mit dem Angeklagten
Der Vorsitzende Richter Bastian Witte fragte nach, in welchem Zusammenhang das erzählt worden sein. „Ich hatte keine schöne Kindheit“, sagte die Zeugin. Ihr gewalttätiger Vater habe ihr beim Autofahren einmal so seltsam die Hand auf den Schenkel gelegt. Das sei mit 15 oder 16 Jahren gewesen – „ich war zu der Zeit in psychologischer Behandlung“.
Den Angeklagten kennt die Wiesmoorerin gut. „Wir waren sehr oft da“, meinte sie. Die Frage von Witte nach „komischen Situationen“ bejahte sie. Es habe viele gegeben. Der Angeklagte könne gut lügen, er habe sie beispielsweise einmal über ein Fake-Profil bei Facebook unter falschem Namen kontaktiert. Außerdem: „Man durfte dort Alkohol trinken. Wenn man zu viel hatte, war er der erste, der getröstet hat.“
„Wir mussten uns auf seinen Schoß setzen“
Eine 25-jährige Wittmunderin, Grundschulfreundin der Geschädigten, sagte über den Angeklagten: „Ich mochte ihn noch nie so gerne. Je älter ich wurde, desto mehr fand ich ihn ekelig.“ Einmal habe er sie beide in den Computer-Raum gerufen. „Wir mussten uns auf seinen Schoß setzen. Er zeigte uns Bilder von zwei wenig bekleideten Mädchen, etwa zehnjährig, und machte mit dem Cursor kreisende Bewegungen in ihrem Brust- und Intimbereich.“ Sie sei rausgegangen.
„Ich habe mich als Kind schon unwohl gefühlt. Er kam ziemlich nah, wenn er mit einem gesprochen hat“, äußerte ihre 27-jährige Schwester, die nach ihr zur Aussage gebeten wurde. Als Aufsichtsperson bei den Naturrangern habe sich der Angeklagte immer „ganz nah bei den Mädchen“ aufgehalten. Dem widersprach der Beschuldigte über seinen Verteidiger Michael Schmidt. „Mein Mandant sagt, Kontakt zu den Mädchen durfte damals nur von den Frauen hergestellt werden“, erklärte der Anwalt.
Der Prozess wird am 9. Februar um 9 Uhr in 116 mit weiteren Zeugen und möglicherweise dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft fortgesetzt.