Langen Wenn der Krebs ein Leben zerstört: Die Diagnose von Melanie S.
Echte Freundschaft hält ewig. Bettina Hoffmann weiß das, spürt das. Melanie wohnt in ihrem Herzen. Gemeinsam haben die beiden in ihrer Jugend Handball gespielt, viel geredet, noch mehr gelacht. Doch ihre beste Freundin lächelt nicht mehr.
Das Wohnzimmer von Bettina Hoffmann im Stadtteil Lagen in Geestland ist in ein warmes Halbdunkel getaucht. Vor wenigen Stunden noch hat die heute 58-jährige mit Melanie S. (ihr Nachname soll nicht veröffentlicht werden) ausführlich telefoniert. Wie so oft. Die beiden sind in ständigem Kontakt – Zeitverschiebung hin, Zeitverschiebung her. Ihre Herzensfreundin aus Jugendtagen lebt in Kanada, der Krebs hat ihr Leben zerstört.
Dabei fing alles hoffnungsvoll an. Nach der Mittleren Reife ist Melanie „rüber“ nach Kanada, hat dort als Au-pair eine tolle Zeit erlebt. „Sie hat dieses Land schon immer geliebt“, erzählt Weggefährtin Hoffmann, die heute als promovierte Berufspädagogin für Technik am Schulzentrum Carl von Ossietzky in Bremerhaven unterrichtet.
Melanie traute sich zuerst nicht, in Kanada zu bleiben, wollte in der Heimat erst einmal eine Ausbildung absolvieren. Gesagt, getan: Melanie lernte Bürokauffrau. Doch glücklich sei ihre Freundin nicht gewesen in der Heimat. „Es war ihr hier alles zu eng“, sagt Hoffmann. Und so hat Melanie ihren Mut zusammengenommen und ist vor 18 Jahren ausgewandert – eine alleinerziehende junge Frau mit einem kleinen Kind. „Sie hatte einen Traum.“
Der Weg führte die geliebte Freundin in einen Ort bei Toronto, wo sie beruflich schrittweise Fuß fasste. Melanie studierte Logistik, später erwarb sie Häuser, um diese zu modernisieren. „Sie wollte sich ein neues, gutes und solides Leben aufbauen“, sagt Hoffmann.
2019 dann die bittere Wende. Diagnose: Brustkrebs. „Seitdem sind die Jahre ein ständiger Kampf gegen den Krebs und die daraus resultierenden körperlichen Beeinträchtigungen“, erzählt ihre Langener Freundin und blickt traurig auf Fotos aus vergangenen Tagen. Sie zeigen eine junge fröhliche Frau mit lockigen blonden Haaren. „Melanie hat stets eine besondere Fröhlichkeit und Dynamik ausgestrahlt“, erinnert sich Hoffmann. Davon sei heute nicht mehr viel übrig.
Chemotherapie, Operationen, Bestrahlungen und Hauttransplantationen haben tiefe körperliche und seelische Spuren hinterlassen – das „neue Leben“ liegt in Trümmern. Zwischenzeitlich verlor Melanie ihre Arbeitsstelle, weil sie nicht mehr Vollzeit arbeiten konnte. Während der Krebstherapie habe sie von ihren Ersparnissen gelebt, ihren Sohn im Studium unterstützt und den Alltag so gut wie möglich gemeistert.
„Ihrer Krankheit hat sie immer wieder tapfer den Kampf angesagt, sich nie von ihr in die Knie zwingen lassen“, sagt Bettina Hoffmann. Heute sei Melanies Kraft erschöpft, die Rücklagen seien aufgebraucht. „Ihr Haus musste sie verkaufen.“ Kosten für Medikamente und Therapien erleichtern ihr Leben nicht. „Das kanadische Gesundheitssystem ist anders als bei uns in Deutschland“, weiß Hoffmann.
Viele Erinnerungen bestimmen an diesem Winterabend das Gespräch, zu dem auch Heiko Lehn gekommen ist. Er wohnt ebenfalls in Langen, ist bis zu seiner Pensionierung Ende Januar noch als Lehrer an der Johann-Gutenberg-Schule in Leherheide tätig. Lehn hat Melanie in ihrer Jugend beim Handball als Trainer betreut, hat die Verbindung nie abgebrochen. „Halb links im Rückraum war sie sehr erfolgreich“, sagt er und lächelt. Es habe Spaß gemacht, mit Melanie zu arbeiten.
Doch die sportlichen Qualitäten sind es nicht allein, die Heiko Lehn jetzt dazu veranlassen, gemeinsam mit Bettina Hoffmann um finanzielle Hilfe für die gebürtige Langenerin zu bitten. „Melanie ist eine der liebenswertesten, uneigennützigsten und hilfsbereitesten Menschen, die ich je kennengelernt habe“, erzählt der 64-Jährige. Egal zu welcher Zeit – sie sei immer für einen dagewesen. „Jetzt ist sie aber diejenige, die Hilfe benötigt, um wieder auf die Beine zu kommen und den Krebs endgültig zu besiegen.“
Die beiden Langener haben über die Internetplattform GoFundMe eine Spendenkampagne ins Leben gerufen. Interessenten können hier einen Betrag ihrer Wahl via der im Internet üblichen Bezahlverfahren überweisen. Über GoFundMe wurde schon vielen geholfen – beispielsweise Birgitt Schneider aus Ringstedt, die ihrem Schafbock Berthold auf diese Weise eine neue Beinprothese finanziert hat.
Bettina Hoffmann und Heiko Lehn hoffen, dass sich möglichst viele Bürger finden, damit auch über Melanie eine solche Erfolgsgeschichte erzählt werden kann. „Es gibt Zeiten, da benötigt jeder eine helfende Hand, einen Engel oder ein Wunder.“
Wer Melanie unterstützen will, kann sich entweder direkt auf der Homepage von GoFundMe informieren oder die beiden Initiatoren anschreiben.
Der digitale Briefkasten von Bettina Hoffmann hat die Adresse tin307@yahoo.com, der von Heiko Lehn ist erreichbar unter heikomariolehn@aol.com.
Dieser Artikel erschien zuerst in der Nordsee-Zeitung in Bremerhaven.