Flucht aus der Türkei Weniger Asylbewerber kommen im Landkreis Leer an
Wie ist die Situation zum Jahresbeginn bei Geflüchteten und Asylbewerbern? Der Landkreis Leer nennt Zahlen. Bei Integrationskursen gibt es eine Warteliste.
Leer - Im neuen Jahr werden dem Landkreis Leer weniger Asylbewerber zugeteilt als zuvor. Dabei gibt die zentrale Landesaufnahmebehörde eine feste Zahl an Menschen vor, die vor Ort aufgenommen werden müssen. Die aktuelle Wohnraumlage nennt der Landkreis „angespannt, aber noch lösbar“.
Den Angaben zufolge leben derzeit 1222 Asylbewerber im Landkreis Leer. Im Herbst 2023 habe das Land noch angekündigt, dass wöchentlich 37 Asylbewerber aufgenommen werden sollen. „Diese Zahl wird aber nicht immer erreicht“, so Landkreissprecherin Maike Kuch. Wie sie nun mitteilt, wurde diese Zahl Anfang Januar auf 26 gesenkt. Für die Unterbringung sind die Städte und Gemeinden zuständig.
Viele Asylbewerber aus der Türkei
Die meisten Asylbewerber stammen laut Landkreis aktuell aus der Türkei, dann folgen Syrien, Irak und Afghanistan. Nicht für alle endet das Asylverfahren positiv: „In den meisten Fällen reisen die Personen nach der Ablehnung des Asylantrags freiwillig aus“, so Kuch. Das seien 18 Personen im Jahr 2023 gewesen. Neun weitere abgelehnte Asylbewerber wurden abgeschoben. Sie kamen aus Georgien, Moldau und Kolumbien.
Außerdem leben aktuell 1858 Geflüchtete aus der Ukraine im Landkreis Leer. Im September waren es noch 1911 Ukrainerinnen und Ukrainer. „Insgesamt sind bis Herbst rund 2800 Geflüchtete aus der Ukraine in den Landkreis Leer gekommen“, teilt Kuch dazu mit. Etliche hätten den Landkreis wieder verlassen. Im Jahr 2023 waren es noch 986 Geflüchtete (ohne Ukraine), die hauptsächlich aus dem Irak, der Türkei, aus Syrien, Kolumbien oder Côte d’Ivoire kamen.
Ukraine in Sprachkursen in der Mehrheit
Menschen, die vor dem Kriegsgeschehen die Ukraine verlassen und nach Deutschland kommen, müssen keinen Antrag auf Asyl stellen. Sie fallen im Landkreis Leer direkt in die Zuständigkeit des Jobcenters Zentrum für Arbeit. Für sie ist die Aufnahme in eine Berufstätigkeit schneller und meistens einfacher als für Asylbewerber. Allerdings müssen sie Sprachkenntnisse vorweisen.
In den Integrationskursen der Volkshochschule Leer stellen Menschen aus der Ukraine rund zwei Drittel der Teilnehmer. Die Kapazitäten seien begrenzt, hieß es vorige Woche bei einem Pressegespräch der Volkshochschule. Laut Fachbereichsleiterin Marion Weber laufen zurzeit 13 Integrationskurse mit rund 260 Teilnehmenden, die Sprache und Orientierung vermitteln sollen. Die Voraussetzung ist eine Berechtigung oder Verpflichtung, zum Beispiel durch die Ausländerbehörde.
Viele müssen noch schreiben lernen
Die Zielgruppe sind nicht nur Geflüchtete, bei denen ein dauerhafter Aufenthalt in Deutschland zu erwarten ist, sondern zum Beispiel auch EU-Bürgerinnen und -Bürger. Am Ende eines solchen Kurses stehen ein Test in Deutsch sowie der Test „Leben in Deutschland“. Neben den Integrationskursen gibt es weitere Angebote bei der Volkshochschule wie Berufssprachkurse oder Sprachkurse, die auf Alphabetisierung (Lesen und Schreiben) abzielen.
Weil mehr Geflüchtete, Asylbewerber oder EU-Bürger an den Angeboten teilnehmen wollen, stehen laut Marion Weber zurzeit 195 Personen auf den Wartelisten – bei etwa der Hälfte geht es um Alphabetisierung. In diesen Kursen werden auch Menschen unterrichtet, die eine andere Schriftsprache erlernt haben. Wie Weber sagt, gibt es eine große Gruppe von Teilnehmern, die zwar keine Anerkennung als Asylbewerber haben, aber für die eine Duldung ausgesprochen wurde.
Einbürgerungstest mit 33 Fragen
Die Volkshochschule führt im Landkreis Leer überdies die Einbürgerungstests für Menschen durch, die einen deutschen Pass erlangen wollen. In einer Stunde Testzeit müssen sie 33 Fragen über staatsbürgerliches Grundwissen sowie über die Werte und Grundsätze der Verfassung beantworten. Mindestens 17 Fragen müssen richtig beantwortet werden. An diesen Tests haben im vergangenen Jahr 344 Personen teilgenommen, so Weber.
Teilnehmer in den Alphabetisierungskursen sind jedoch nicht immer nur Ausländer. Nach Angaben der Volkshochschule gibt es viele Einheimische, die aus verschiedenen Gründen in ihrer Schulzeit nicht ausreichend Lesen und Schreiben gelernt haben. Oftmals hangeln sie sich über viele Jahre hinweg durch, denn zugeben zu müssen, dass man nicht Lesen kann, ist vielfach mit Scham behaftet. Während die Volkshochschule Fördermittel vom Land für Integrations- und Sprachkurse für Geflüchtete und Asylbewerber erhält, gibt es für Deutsche, die Lesen und Schreiben erlernen, keine gesonderte Förderung.