Als Frau in der Feuerwehr Teamgeist über alles – Tanja de Freese in Spitzenamt der Feuerwehr
Die Hatshauserin wurde als erste Frau in das Präsidium des Ostfriesischen Feuerwehrverbands gewählt. Für sie war es ein langer Weg dahin.
Hatshausen - Bei der Wahl kam es drauf an: Es waren nur Männer anwesend, Tanja de Freese war die einzige Frau. Aber dann hoben alle für sie die Hand: So wurde die 41-Jährige aus Hatshausen zur Vizepräsidentin des Feuerwehrverbands Ostfriesland gewählt. Sie ist die erste Frau, die überhaupt dem Präsidium angehört. „Ich bin seit 26 Jahren in der Feuerwehr, aber noch nie war ich vor einer Wahl so aufgeregt“, sagt sie.
Dabei war sie die einzige Kandidatin für das Amt, „und es waren ja auch die Männer, die mich vorgeschlagen haben“, erzählt sie. Es ist hauptsächlich eine repräsentative Aufgabe, für die de Freese nun schon mehrere Termine bei anderen Feuerwehren wahrgenommen hat. „Dabei lerne ich neue Leute kennen und bin unterwegs, das finde ich sehr schön“, sagt sie. Es falle durchaus auf, wenn eine Frau als Vizepräsidentin begrüßt werde.
Frauen werden im Dienst akzeptiert
Das ist ihr ganz recht: „Jetzt sind wir wirklich sichtbar.“ Denn obwohl es kaum noch eine Freiwillige Feuerwehr in Ostfriesland gebe, der keine Frauen angehören, setzt sie sich besonders für die weiblichen Mitglieder im aktiven Dienst ein. Im Feuerwehrverband ist sie keine Unbekannte, denn sie ist Sprecherin des Arbeitskreises „Frauen in der Feuerwehr“ im Feuerwehrverband Ostfriesland. Seit 21 Jahren ist Tanja de Freese Kreisfrauensprecherin der Feuerwehren im Landkreis Leer und stellvertretende Kreisverbandsvorsitzende.
Vieles sei bereits erreicht worden, im Dienst werden Frauen akzeptiert. Trotzdem sei ein von de Freese organisierter Workshop Technik nur für weibliche Feuerwehrmitglieder im vergangenen Jahr sehr gut angekommen. Die Arbeit mit Atemschutz, eine Wasserrettung und anderes konnte dort trainiert werden. „Bei den Übungen in der eigenen Wehr kommen Frauen vielleicht nicht so zum Zuge wie sie gerne wollen“, sagt de Freese.
Motivation ist die große Kameradschaft
Dabei sei der Umgang mit Frauen in den Wehren ganz normal geworden. „Aber der Umgangston kann im Einsatz schon mal rauer werden“, sagt de Freese. Für Frauen werde da keine Ausnahme gemacht, das müsse man aushalten können. Als Motivation, in eine Feuerwehr einzutreten, nennt sie trotzdem als erstes die Kameradschaft, das Gefühl, zusammenzugehören und sich gegenseitig zu unterstützen. In einer Zeit, in der Menschen zu Individuen werden und Egoismus sich ausbreitet, sei es in einer Feuerwehr genau anders herum.
„Ich kenne so viele Menschen, wenn ich ein Problem bekomme – egal, wo das ist – kann ich über Kameraden überall schnell Hilfe finden“, sagt Tanja de Freese. Das seien Werte, die in den Feuerwehren gelebt werden. Der Wille, anderen zu helfen, sei der zweite Grund, warum sie in den aktiven Dienst gegangen ist. Obwohl sie aus einer „Feuerwehrfamilie“ kommt (ihr Vater Theodor de Freese war viele Jahre lang Kreisbrandmeister in Leer), sei das damals nicht selbstverständlich gewesen.
Ähnlichkeiten mit Frauenfußball
Anfangs musste sie noch Dinge akzeptieren, die heute anders geregelt werden. Es habe keine eigene Umkleide für Frauen gegeben. „Wir haben uns zusammen umgezogen, da hat sich keiner was bei gedacht“, sagt sie. Das sei jedoch Vergangenheit, die Feuerwehrhäuser seien inzwischen entsprechend eingerichtet. Landesweit liegt der Anteil von Frauen in den Feuerwehren bei 15 Prozent.
Die Rolle von Frauen in den Wehren vergleicht de Freese mit dem Frauenfußball. Anfangs vielleicht sogar belächelt, habe es über 30 Jahre gedauert, bis der Sport so anerkannt ist wie bei Männern. „Die Spiele werden ja erst seit wenigen Jahren im Fernsehen gezeigt“, sagt de Freese. Die Namen der Spielerinnen seien lange Zeit nicht so bekannt gewesen wie die von Spielern.
Manches wird noch dauern
So ähnlich sei es in den Feuerwehren. Ihre Wahl zur Vizepräsidentin sei somit ähnlich wie die Berufung von Bibiana Steinhaus als Schiedsrichterin Spiele in der Männer-Bundesliga geleitet hat. „Das hat sie jahrelang gemacht, bis sie bei Weltmeisterschaften Schiri war“, so de Freese – das habe dann erneut für Aufsehen gesorgt.
Ihr Amt sei eine repräsentative Aufgabe. „Bis wir eine Gemeindebrandmeisterin oder erst recht eine Kreisbrandmeisterin bekommen, wird es vermutlich noch Jahre dauern“, sagt de Freese. Noch seien in den Führungslehrgängen überwiegend Männer vertreten. Der zeitliche Aufwand und die Verantwortung seien für Gemeindebrandmeister immens hoch, das könne sie sich als selbstständige Unternehmerin persönlich nicht vorstellen. Aber dass eines Tages eine Frau ein Kommando übernimmt, das werde bestimmt so kommen.