Zwei Männer schwer verletzt  Mann mit Dönerhalter in Emden angegriffen – Polizei nennt weitere Details

Mona Hanssen
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Von Mona Hanssen
| 25.01.2024 13:25 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Polizei wurde am frühen Sonntagmorgen wegen einer „riesigen Schlägerei“ am Neuen Markt alamiert. Vor Ort wurde klar: Zwei Männer waren aneinander geraten. Symbolfoto: Pixabay
Die Polizei wurde am frühen Sonntagmorgen wegen einer „riesigen Schlägerei“ am Neuen Markt alamiert. Vor Ort wurde klar: Zwei Männer waren aneinander geraten. Symbolfoto: Pixabay
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Bei einem Streit am frühen Sonntagmorgen wurden zwei Männer am Neuen Markt in Emden schwer verletzt. Ein Dönerhalter wurde zur Waffe, ein Mann musste notoperiert werden. Jetzt gibt es mehr Details.

Emden - Als eine „wilde Geschichte“ bezeichnet Polizeisprecherin Svenia Temmen die Auseinandersetzung auf dem Neuen Markt in Emden am frühen Sonntagmorgen, 21. Januar 2024. In den Polizeimeldungen am folgenden Montag, Dienstag und Mittwoch war der Streit, bei dem zwei Männer schwer verletzt wurden, nicht erwähnt worden. Diese Zeitung hatte, nach einem Hinweis aus der Bevölkerung, am Mittwochnachmittag bei der Polizeiinspektion Leer/Emden nachgehakt und mit dem Dienstschichtleiter gesprochen.

Am Donnerstag konnten wir Pressesprecherin Temmen erreichen, die mehr Details nennen konnte. Demnach habe sich gegen 5 Uhr am Sonntagmorgen eine größere Gruppe an Menschen auf dem Neuen Markt in Emden gebildet. Aus deren Mitte gingen zwei Männer – ein 34-jähriger Emder und ein 28-Jähriger aus Aurich – aufeinander los. Weil der Polizei eine „riesige Schlägerei“ gemeldet wurde, waren vier Streifenwagen aus Emden mit acht Polizeibeamtinnen und -beamten ausgerückt. Außerdem wurde Verstärkung aus Aurich und Leer angefordert, so Temmen. Wie viele Kolleginnen und Kollegen aus den Nachbarkommunen kamen, konnte sie nicht sagen.

Mann mit Stichwunde musste operiert werden

Als die Polizei auf dem Neuen Markt eintraf, hätten die Männer noch gerangelt. Temmen spricht von einem hohen Aggressionspotenzial, das in der Runde geherrscht habe. Alkohol sei im Spiel gewesen. Der jüngere Mann aus Aurich hatte eine Kopfverletzung. Sie war offenbar von dem älteren Kontrahenten aus Emden mit einem Dönerhalter verursacht worden. Woher er den Dönerhalter hatte, ist unklar. Und: Was genau man sich darunter vorstellen kann, konnte Svenia Temmen nicht sagen. Nur so viel: Es soll eben kein Dönerspieß als Waffe genutzt worden sein, sondern ein Dönerhalter. Googelt man den Begriff, dann werden einem meist Vorrichtungen aus Metall gezeigt, in denen gefüllte Dönertaschen nebeneinander aufgereiht werden können. Es könnte aber auch eine Vorrichtung sein, an der der Dönerspieß befestigt ist.

Am Neuen Markt – hier in der Silvesternacht – gab es früher häufig Schlägereien und Polizeieinsätze. Nach dem Anbringen der Video-Überwachung (im Foto links sind die Kameras zu sehen) wurde das aber deutlich weniger. Foto: Hanssen/Archiv
Am Neuen Markt – hier in der Silvesternacht – gab es früher häufig Schlägereien und Polizeieinsätze. Nach dem Anbringen der Video-Überwachung (im Foto links sind die Kameras zu sehen) wurde das aber deutlich weniger. Foto: Hanssen/Archiv

Der 34-jährige Emder hatte eine Stichverletzung in der Seite, erklärt Svenia Temmen. Wie diese verursacht wurde, ist noch unklar. „Vor Ort konnte uns keiner erklären, wie die Verletzung zustande gekommen ist“, sagt sie. Beide Männer kamen ins Krankenhaus. Dort wurde festgestellt, dass der Mann mit der Stichverletzung doch schwerer verletzt war, als zunächst gedacht. Er musste operiert werden, sagt die Polizeisprecherin.

Keiner der Beteiligten will was sagen

Insgesamt sei die Polizeiarbeit sehr dadurch erschwert, dass keiner der Beteiligten oder Anwesenden etwas zum Geschehen sagen wollte. Der Grund des Streits, der genaue Ablauf, die Art der Waffen: alles offenbar noch unklar. Auf die Frage hin, ob die Videokameras, die auf dem Neuen Markt installiert sind, Aufschluss geben können, erklärt Temmen, dass die zuständige Kollegin sicher alle zur Verfügung stehenden Mittel für ihre Arbeit verwende. Die Ermittlungen wegen gefährlicher Körperverletzung liefen noch. Zeugen werden gebeten, sich zu melden unter Telefon 04921/8910.

Warum erst auf Nachfrage dieser Zeitung am Mittwoch von dem Vorfall berichtet wurde, erklärt Svenia Temmen so: Wäre es zu dem Streit in der Nachmittags- oder Abendzeit gekommen, wäre es öffentlichkeitswirksam gewesen und sie hätte am Folgetag wahrscheinlich darüber berichtet. Das Interesse der Bevölkerung wäre groß gewesen, anders als bei dem Streit um 5 Uhr morgens am Sonntag. Auch wenn Außenstehende involviert gewesen wären, hätte der Fall eher in den Polizeimeldungen gestanden, meint sie. Sie erklärt, dass die Sachlage bei dem Vorfall außerdem so undurchschaubar sei und man immer noch nicht wisse, was genau eigentlich dahinter steckt, dass sie zunächst gar nicht gewusst hätte, wie sie das in einer Meldung formulieren sollte.

Lage am Neuen Markt insgesamt deutlich verbessert

Trotz des aktuellen Vorfalls betont Svenia Temmen: Am Neuen Markt sei insgesamt nicht viel los für die Polizei. Der Platz hatte vor Jahren einen sehr schlechten Ruf, die Gewalt häufte sich insbesondere an den Wochenenden. Durch die sogenannte Sicherheitspartnerschaft von Polizei, Stadt sowie Betreibern von Clubs, Diskotheken und anderen Lokalen am Neuen Markt seit 2016, die seit 2017 eingesetzte Video-Überwachung und die City-Streife habe es deutlich weniger Gewalt am Neuen Markt gegeben, wird von allen Beteiligten betont.

Die alljährliche Polizeistatistik bestätigt das. Svenia Temmen räumt ein, dass es im vergangenen Jahr eine ungünstige Häufung von Kriminalfällen in Emden gegeben hatte – das Van-Ameren-Bad wurde Opfer von Brandstiftung, ein Mann hantierte mit einem Messer in der Fußgängerzone, ein Ehepaar wurde in der Innenstadt von einem Mann schwer verletzt –, in Emden sei insgesamt aber „nicht viel los“.

Objektiv habe sich die Sicherheitslage anhand der Kriminalstatistik in Emden nicht verschlechtert, erklärte auch der langjährige Emder Polizeichef Arno Peper im November 2023. Das subjektive Sicherheitsgefühl habe sich zu der Zeit aber in Emden geändert, sagte auch Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) im vergangenen Jahr. Daran wolle man arbeiten, betonte er im September.

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