Alternative zum digitalen Kaminfeuer So erobern ostfriesische Kühe die deutschen Hotelzimmer
Statt auf digitale Flammen sollen Gäste künftig zum Beispiel in Hotels auf eine Kuhweide blicken – Ostfriesland pur also. Dahinter steckt eine charmante und originelle Marketing-Idee.
Ostfriesland - Leises Knistern und züngelnde Flammen: Videos romantischer Kaminfeuer sind längst zum Trend in Hotels, Bars und vielen Wohnzimmern geworden. Sie sollen Behaglichkeit und Entspannung vermitteln. Doch kreative Köpfe aus Ostfriesland wollen die digitalen Kaminfeuer jetzt erlöschen lassen. Stattdessen sollen ostfriesische Kühe die deutschen Bildschirme erobern. Dahinter steckt eine charmante und originelle Marketing-Idee, die den Tourismus in der Region fördern soll.
Statt auf lodernde Flammen sollen Gäste künftig in Hotels, Ferienwohnungen, Bars, Lounges und zu Hause auf eine Kuhweide blicken - Ostfriesland pur also. Länger als eine Stunde lang oder auch in der Endlosschleife können sie Schwarzbunte beim friedlichen Grasen, beim Dösen oder bei „Kontrollgängen“ über das satte und saftige Grün begleiten. „Das ist unsere ostfriesische Antwort auf die digitalen Kaminfeuer“, schreibt die Geschäftsführerin der Ostfriesland Tourismus GmbH (OTG), Imke Wemken. Die Kuhweide sei „mindestens genauso herzerwärmend“ wie knisterndes Feuer.
Vor den Kühen gab es einen Sonnenuntergang
Aus ihrem Unternehmen kommt das Video. Die Idee entwickelte die Gesellschaft laut OTG-Sprecherin Wiebke Leverenz gemeinsam mit der Auricher Digitalagentur „m01n“, die den Film produzierte. Im vergangenen Jahr hatte die Tourismus-Gesellschaft schon einen Versuchsballon mit einem Kaminfeuer-Ersatz gestartet. Das erste Video zeigt einen Sonnenuntergang im Holter Hammrich bei Rhauderfehn.
Leverenz ist selbst begeistert von dem neuesten „ostfriesischen Kaminfeuer“. Die Kuhweide sei „Idylle pur“. Es passiere „zwar nicht viel, aber doch so viel“. Das wirke „sehr beruhigend“, sagt sie.
Werbekampagne fürs Video startet jetzt
Die Touristiker wollen jetzt gezielt für den Einsatz des Kuhweiden-Video werben. „Dabei sind wir aber noch am Anfang“, so die OTG-Sprecherin. Der Film soll über das Netzwerk der Gesellschaft unter anderem Hotels und anderen Unterkünften zur Verfügung gestellt werden. Die Betreiber können den Film entweder über die Videoplattform Youtube im Netz abrufen oder per Mail als Datei anfordern. Aber auch im privaten Wohnzimmer lasse sich das Video einsetzen. Es eigne sich beispielsweise gut für einen Spieleabend, empfiehlt Leverenz.
Gedreht wurde das Kuhweiden-Video im vergangenen Sommer auf einer Weide der Landwirtsfamilie Hinrichs an der Bundesstraße 72 zwischen Hesel und Bagband. „Das freut mich, dass meine Kühe die Welt bereisen“, sagt Landwirt Steffen Hinrichs. Er selbst könne seinen Kühen stundenlang zugucken.
Der Landwirt könnte stundenlang zugucken
Gemeinsam mit seiner Frau Christa sowie den beiden älteren der drei 22, 20 und 14 Jahren alten Töchter bewirtschaftet Steffen Hinrichs einen Milchviehbetrieb mit 100 Milchkühen und weiblicher Nachzucht auf 100 Hektar. Davon sind 45 Hektar Weideland. Auch eine Milchtankstelle gehört zum Betrieb.
Die Familie Hinrichs hält die traditionelle Weidetierhaltung aufrecht und nimmt am Weidemilch-Programm teil. Um die Zertifizierung zu bekommen, müssen die Tiere an mindestens 120 Tagen im Jahr draußen sein - und mindestens sechs Stunden pro Tag. Außerdem müssen sie auch im Winter ausreichend Bewegungsfreiheit haben und sie dürfen nur Gentechnik-freies Zusatz-Futter bekommen. „Bei uns sind die Kühe zwischen Frühjahr und Herbst etwa 180 Tage lang draußen“, sagt Steffen Hinrichs.
Der 52-Jährige, dessen Frau und Töchter pflegen auch ein besonders inniges Verhältnis zu den Kühen. „Wir sehen die Kuh als Individuum, nicht als Wirtschaftsfaktor“, sagt Steffen Hinrichs. Er kennt auch alle Namen seiner Tiere, „obwohl es bei 100 manchmal schon etwas schwierig wird“. Und er weiß, dass jede Kuh einen eigenen Charakter hat.
Steffens hat sich auch schon nebenbei von dem Video seiner Kühe „berieseln“ lassen: „Dann weiß man auch wieder, wofür man 70 Stunden pro Woche arbeitet und warum man diesen Beruf liebt.“ Beim Anblick der natürlichen Ausgeglichenheit der Kühe freue er sich auch schon wieder auf das Frühjahr und den Sommer. Dann kann er die Tiere auch wieder „live“ auf der Weide bewundern - und nicht nur auf dem Bildschirm.