Frauenpower gegen Extremismus Riesiges Interesse an den Omas gegen Rechts in Leer
200 Omas und Opas setzen gemeinsam ein Zeichen gegen Rechts und gründen in Leer eine neue Regionalgruppe. Die Initiatorinnen sind vom Zuspruch überwältigt.
Leer - Eine lange Schlange zieht sich vom Eingang über drei Absätze durch das Treppenhaus bis ins Zollhaus-Café in Leer. Oben mussten schon bald weitere Stühle herbeigeholt werden, weil die Sitzplätze nicht ausreichten: Fast 200 Frauen – aber auch viele Männer – sind zur Gründung einer neuen Gruppe der Omas gegen Rechts gekommen. Sie wollen mitmachen beim Einsatz gegen Fremdenfeindlichkeit und Hetze, sich stark machen für eine tolerante und demokratische Gesellschaft.
Mechtilde Schratz und Birgit Baasner haben zu dem Treffen aufgerufen. Sie sind völlig überwältigt von dem Zuspruch. Ursprünglich war ein Raum im DGB-Haus in Leer vorgesehen, weil sie mit vielleicht zehn Teilnehmerinnen gerechnet hatten. „Letzte Woche zeichnete sich ab, dass es vielleicht 20 werden. Da waren wir happy“, sagt Schratz, „doch seit Sonntag ahnten wir, dass es mehr als 50 sein könnten“. DGB-Sekretär Oliver Hublitz half dabei, einen größeren Raum zu finden, und der Gewerkschaftsbund übernimmt auch die Kosten für das Zollhaus-Café.
Es gibt die Omas in ganz Deutschland
Nun ist der Raum voll und Mechtilde Schratz greift zum Mikrofon. Vor dem Rechtsextremismus in Deutschland könne man die Augen nach den Berichten über das Geheimtreffen in Potsdam nicht mehr verschließen. „Wir Omas gegen Rechts stehen für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, für die Vielfalt der Kulturen ein“, ruft Schratz und bekommt dafür Applaus. Mehr als 100 Regionalgruppen gebe es in Deutschland – seit Dienstagabend gibt es noch eine mehr.
Gegründet wurde Omas gegen Rechts 2017 von Monika Salzer in Österreich, seit 2018 gibt es die Omas auch in Deutschland mit mittlerweile mehr als 15.000 Mitgliedern. In Ostfriesland gibt es die Initiative seit 2020 ebenfalls: Aus der Gruppe Emden-Aurich sind Hilde Pitters und Ann-Dorothee Wiegers im Zollhaus dabei, Birgit Hasselberg vertritt die Gruppe aus Wittmund/Friesland. Pitters berichtet, wie die Arbeit in Emden läuft, wo rund 25 Aktive sich regelmäßig treffen.
Schon am Sonnabend bei Aktion dabei
Die Anwesenden sind nicht nur zum Zuhören da – sie haben viele Fragen. Es wird danach gefragt, ob Geld benötigt wird. Auf das Angebot, es könne ein kleiner Beitrag gesammelt wird, reagiert Schratz jedoch zurückhaltend. „Wie nehmen nur Geld, wenn zuvor etwas angeschafft wurde“, sagt sie. Damit meint sie zum Beispiel die Buttons oder Westen mit dem Schriftzug Omas gegen Rechts, die bei Demonstrationen getragen werden können, um die Gruppe sichtbar zu machen.
Schon am kommenden Sonnabend, 27. Januar 2024, gibt es dazu Gelegenheit, denn die Emder Gruppe lädt dazu ein, sich an einer Kundgebung vor dem Alten Rathaus zu beteiligen. Um 13 Uhr geht es dort los. Am gleichen Tag ist auch eine Aktion in Papenburg, eine Frau regt dazu an, dass Teilnehmende aus dem südlichen Landkreis Leer vielleicht eher dort an der Kundgebung „Gemeinsam stark gegen Faschismus“ teilnehmen. Diese beginnt um 14 Uhr auf dem Kirchenvorplatz St. Antonius.
Nächstes Treffen steht schon fest
Aber wie geht es mit der Gruppe weiter, will ein Mann wissen. Seit Beginn der Versammlung kreisen Listen, auf denen man eine E-Mail-Adresse eintragen kann. Doch die ist nach fast einer Stunde noch gar nicht überall angekommen. „Wir brauchen ein Organisationsteam, um das nächste Treffen vorzubereiten“, sagt Schratz. Tatsächlich melden sich dafür noch am selben Abend rund zehn Frauen und Männer.
Wie viele sich in die Mailempfängerlisten eingetragen haben, oder mit einer E-Mail an omasgegenrechts.leer@outlook.com ihr Interesse an einer Einladung zum nächsten Treffen bekundet haben, weiß Mechtilde Schratz auch am Tag danach noch nicht. Zum Durchzählen sei sie noch nicht gekommen, aber es seien mindestens 30 bis 40 Mails nach dem ersten Treffen eingegangen. Der Termin steht bereits fest, es ist der 20. Februar 2024, um 18 Uhr. Ob erneut das Zollhaus genutzt werden kann, ist noch offen.
Die Arbeit läuft basisdemokratisch
Bei dem nächsten Termin sollen laut Schratz Arbeitsgruppen gegründet werden, in denen einzelne Themen bearbeitet werden können. „Wir brauchen Schilder für die Kundgebungen“, nennt sie als Beispiel, oder es könnten sich Mitglieder um den Aufbau von Kanälen der neuen Gruppe in sozialen Medien kümmern. Aber was genau es sein wird, das sollen die Beteiligten selbst festlegen. „Wir sind kein Verein oder Partei“, bekräftigt Schratz, die Arbeit solle basisdemokratisch funktionieren: „Daran werden wir Schritt für Schritt arbeiten.“
Klar sei aber bereits, dass sich die Omas gegen Rechts in Leer an einem Bündnis verschiedener Kirchen- und Parteigruppierungen unter dem Dach des DGB beteiligen sollen, sagt sie. Von denen sei klar, dass sie dasselbe Ziel haben wie die Omas: Sich gegen rechtspopulistische und rechtsextreme Strömungen, gegen Ausgrenzung von Menschen mit Migrationshintergrund, Rassismus, Antisemitismus, Islamfeindlichkeit und Verschwörungsideologien zu stellen. Wer dabei mitmachen und seine Ideen einbringen wolle, sei dazu willkommen. „Es gibt nur eine Voraussetzung: Man muss gegen Rechts sein“, sagt Schratz.