Köln Kurios: Ein deutscher Sieg könnte auch Kroatien helfen
Ein komplizierter Modus in der Olympia-Qualifikation sorgt für ein absurdes Szenario. Doch Coach Alfred Gislason warnt vor dem Gegner.
Manchmal ist auch Reden Gold. Nach dem dürftigen Auftritt im zweiten Hauptrundenspiel gegen Österreich (22:22) verzichtete Bundestrainer Alfred Gislason in der Vorbereitung auf das Spiel gegen Ungarn auf das Training. Stattdessen wurden in Einzelgesprächen und mit voller Mannschaft die Fehler der Fast-Blamage detailliert analysiert. Angeschrien habe man sich dabei zwar nicht, sagte Rückraumspieler Kai Häfner. „Aber es fielen schon ein paar deutliche Worte.“
Und Häfner berichtete von einer sehr emotionalen Ansprache Gislasons am Vormittag vor dem Ungarn-Spiel. Den Inhalt verschwieg er, doch die Worte des Trainers verfehlten ihre Wirkung nicht. Gegen die Magyaren zeigte die DHB-Auswahl ein ganz anderes Gesicht, bezwang den WM-Achten nach großem Kampf deutlich mit 35:28 und kann nun das Halbfinale bei der Heim-EM wieder aus eigener Kraft erreichen, weil Frankreich zuvor mit dem 33:28-Sieg gegen Österreich die nötige Schützenhilfe geleistet hatte. „Vor zwei Tagen hieß es noch, wir können kein Handball spielen, jetzt werden wir wieder gefeiert. Aber so ist nun einmal der Sport“, meinte Häfner.
Den Weg vom Himmel wieder zurück in die Hölle wollen sich die Deutschen freilich ersparen. „Wir haben die einzigartige, einmalige Möglichkeit, beim Heimturnier ins Halbfinale einzuziehen“, sagte Kapitän Johannes Golla. Dafür muss ein Sieg im abschließenden Spiel der Hauptrunde gegen Kroatien am Mittwoch (20.30 Uhr/ARD und Dyn) her. Auf dem Papier keine unmögliche Aufgabe.
Das mit vielen Stars wie Domagoj Duvnjak (THW Kiel), Igor Karacic (Industria Kielce) oder Luka Cindric (Dinamo Bukarest) gespickte Team startete zwar famos in die EM und deklassierte die hoch gehandelten Spanier zum Auftakt mit 39:29. Doch danach zeigte die Leistungskurve ständig nach unten, auch weil die Kroaten im weiteren Turnierverlauf immer wieder Ausfälle verkraften mussten. In der Hauptrunde warten Trainer Goran Perkovac und seine Spieler immer noch auf den ersten Sieg. Alles spricht für den EM-Gastgeber, der im Halbfinale am Freitag dann auf den Weltmeister und Topfavoriten Dänemark treffen würde.
Kurios: Mit Blick auf die noch nicht gesicherte Teilnahme an der Olympia-Qualifikation im Frühjahr könnte Kroatien aufgrund des komplizierten Reglements sogar von einer eigenen Niederlage profitieren. „Diese Konstellation wirkt absurd“, sagte DHB-Vorstand Axel Krohmer und versicherte: „Es ist in keiner Weise denkbar, dass wir es lockerer angehen, weil wir davon ausgehen, dass die Kroaten verlieren wollen.“
Und auch Gislason warnte vor einem „sehr gefährlichen Spiel. Für uns geht es um alles. Die Kroaten können es nicht mehr ins Halbfinale schaffen, aber sie haben wie wir eine relativ junge Mannschaft mit drei, vier sehr abgezockten älteren Spielern, die alle Weltklasse sind. Wie ich sie kenne, werden sie durchziehen.“
Und damit seine Mannschaft optimal vorbereitet in das Spiel geht, bat der Coach sein Team am Dienstag auch wieder zum Training. Geredet wurde ja schon genug.