Hafen in Emden Autoumschlag schafft locker die Millionengrenze
Fast 1,3 Millionen Fahrzeuge wurden 2023 über den Emder Hafen umgeschlagen. Trotz aller Widrigkeiten, die es auch in Emden gibt.
Emden - Die Zeiten, in denen der Autoumschlag im Emder Hafen unter den Auswirkungen von Corona und Ukraine-Krieg gelitten hat, sind offensichtlich endgültig vorbei. Gradmesser hierfür ist die Anzahl der verladenen Autos, die per Schiff ex- oder importiert worden sind. Und die bewegt sich wieder deutlich über die magische Millionengrenze, wie Manfred de Vries, Geschäftsführer von Autoport, für das abgelaufene Jahr 2023 bilanziert. „Uns fehlten nur 5000 Fahrzeuge, um die 1,3 Millionen zu erreichen“, sagte de Vries dieser Zeitung. „Aber zum Ende des Jahres hatten wir eben noch etwas Pech mit dem Sturm.“
Der Schaden, der beim Hochdrücken durch heftige Orkanböen eines der Verladeschiffe kurz vor Weihnachten auf die Kaimauer an der Emspier entstanden war, sei aber schnell behoben worden. Und die bereits eingeladenen Autos seien sicher und fest gezurrt gewesen, sodass an der Ware zumindest kein Schaden entstanden sei. Allerdings konnten andere Schiffe nicht mehr planmäßig den Emder Hafen anlaufen, sodass sich am Ende des Jahres die Gesamtbilanz auf genau 1.295.009 Fahrzeuge „beschränkt“.
Masterplan, Fahrrinnenvertiefung und Klappbrücke
Damit ist allerdings auch locker das angestrebte Ziel erreicht worden, das de Vries für das Jahr 2023 nach herben Rückschlägen in den Vorjahren vorgegeben hatte. Zum Vergleich: 2021 gab es mit 981.520 Fahrzeugen einen deutlichen Knick in der Bilanz. Und auch 2020 war die Millionengrenze mit 1.062.000 Fahrzeugen gerade soeben überschritten worden. Ursache waren Materialknappheit bei der Fahrzeugherstellung, insbesondere der Mangel an Halbleitern, zurückzuführen auf Pandemie und Ukraine-Krieg. 2022 war das Ergebnis mit 1.104.922 Fahrzeugen wieder im Plus. 2023 kamen nochmals 16,4 Prozent on top, die die Autoport GmbH, unter deren Dach die Unternehmen Anker Schifffahrt, EVAG und VW-Konzernlogistik firmieren, erreicht hat.
Und es könnten noch mehr Fahrzeuge sein, wenn die Infrastruktur in Emden entsprechend verbessert werden würde, wie de Vries nicht müde ist, zu betonen. „Wir sind ein trimodaler Hub“, sagt der Autoport-Chef. „Per Autobahn sind wir schon gut angebunden, per See und Schiene könnte es besser sein.“ Dazu müsse endlich die Fahrrinnenanpassung erfolgen, so de Vries. Auch die unsichere Eisenbahnklappbrücke bleibe ein entsprechendes Thema. „Wir freuen uns aber über die Zusage des Lückenschlusses im Masterplan Ems. Und auf Sicht brauchen wir auch noch eine weitere Pier.“
Fast zwei Schiffe am Tag in Emden
Der Emder Hafen ist für den Autoumschlag der drittwichtigste in Europa. Wenn man die belgischen Häfen Antwerpen und Zeebrügge zusammenfasst, stehen diese auf Platz 1, danach folgen Bremerhaven und Emden. Beinahe zwei Schiffe am Tag werden in Emden mit Autos beladen oder entladen, insgesamt 610 Schiffe machten 2023 im Hafen von Emden fest (Vorjahr 544). Davon pendeln neun Schiffe für Autoport in Charter nach Nordamerika und Mexiko. Zwei weitere nach Spanien und Portugal. Andere Schiffe fahren Emden im Linienverkehr an etwa auf der Route nach Frankreich, Italien, in die Türkei, nach Japan und Taiwan sowie aus Südafrika.
Frankreich und Italien seien im vergangenen Jahr dazugekommen, da der Transport per Schiff besser gelinge als über den Landweg, so de Vries. Von den eigenen Charter-Schiffen sind oder sollen nun die meisten auf umweltfreundlicheres LNG umgerüstet werden, eine Schiffstaufe dazu wird noch in diesem Frühhjahr erwartet. Und die beiden Spanien-Schiffe würden ohnehin schon alternativ mit „Frittenfett“ betrieben.
Der Export macht das Rennen
Per Bahn kamen im vergangenen Jahr 151.000 Waggons mit Fahrzeugen nach Emden (3,5 Prozent weniger als 2022). Per Lkw wurden 43.000 Fahrzeuge geliefert oder abtransportiert (3000 mehr als im Vorjahr).
Und wieder mehr Elektro-Autos
Einen Zuwachs von 4,7 Prozent gab es beim Import auf gesamt 359.503 Autos. Daran haben 126.000 Polos und Amaroks aus Südafrika den Löwenanteil, einem Plus von 50 Prozent. Aus der Volkswagen-Familie halten beim Gesamtumschlag Fahrzeuge von VW mit 37 Prozent den größten Anteil, danach folgen: 34 Prozent Audi, zehn Prozent Porsche, acht Prozent Skoda, sieben Prozent VW Nutzfahrzeuge und drei Prozent Seat. 9000 Bentleys, 4000 Lamborghinis und 4000 Mercedes vervollständigen die Bilanz für 2023. Auch hat sich der Anteil von E-Fahrzeugen erhöht. Es waren mit 456.500 Elektro- und Hybrid-Autos 25 Prozent mehr als im Vorjahr. Insgesamt liegt der Prozentsatz von E-Autos 2023 bei 35,2 Prozent aller in Emden umgeschlagenen Fahrzeuge.