Nach Gegenwind anderer Fraktionen FDP befürchtet Rückzug von Lidl in Wolthusen
Macht der Rat der Stadt Emden die Neubaupläne des Discounters madig? Die Liberalen sehen schon jetzt einen herben Imageverlust für die Stadt.
Emden - Die Neubaupläne von Lidl in Wolthusen könnten womöglich platzen, der Discounter sich sogar gänzlich aus dem Emder Stadtteil zurückziehen. Diese These stellte jetzt die FDP-Fraktion auf. FDP-Ratsherr Alexander von Gliszinsky erklärte, dass es aufgrund „politischer Uneinigkeiten im Emder Rat“ nun zu „eklatanten Verzögerungen“ bei den Neubauplänen kommt. „Wir befürchten, dass diese gesamte überflüssige Diskussion letztlich dazu führen könnte, dass sich die Firma Lidl von dem Plan verabschieden könnte.“
Ganz von der Hand zu weisen ist der Einwand Gliszinskys nicht. Schon bei der Erstvorstellung im Emder Rat über die Pläne des Discounters auf der grünen Wiese im Dezember 2021 hatte die Verwaltung auf diese drohende Konsequenz hingewiesen, wenn der Rat kein grünes Licht für die weiteren Planungsschritte gebe. Lidl selbst sehe keine Erweiterungsoption auf dem bestehenden Gelände an der Folkmar-Allena-Straße. Lidl-Immobilien hatte deshalb das 2,7 Hektar große Gelände an der Uphuser Straße bereits erworben.
Keine Mehrheit in der Bevölkerung?
Der alte Lidl-Markt soll zugunsten von Wohnbebauung abgerissen werden. Auf dem neuen Areal sollen neben einer moderneren und größeren Lidl-Filiale auch Wohnhäuser entstehen. Dem Naturschutz soll Rechnung getragen werden, indem ein Grünstreifen für das Biotop entlang des Ems-Jade-Kanals unberührt bleibt. Die entsprechenden Umweltverträglichkeitsstudien und weitere Verfahrensschritte laufen aktuell noch im Hintergrund.
Gegen diese Pläne formiert sich allerdings zunehmend Widerstand. Grüne und CDU hatten sogleich ihre Bedenken angemeldet, die CDU zuletzt ihre Kritik nochmals erneuert und die Grünen feat. Urmel ihre ablehnende Haltung bestärkt. Auch die Wählergemeinschaft GfE hat sich inzwischen gegen den Umzug der Filiale in dem Stadtteil ausgesprochen. Tenor der Kritik: Neue Flächenversiegelung, kein ausreichender Schutz der Wiesenweidenfläche und der in der Nähe beheimateten Wasserschildkröten und Eisvögel. Unisono sehen die ablehnenden Parteien keine Mehrheit in der Bevölkerung für die Lidl-Pläne und sorgen deshalb für Gegenwind.
„Lähmende und phrasenhafte Argumente“
Das wiederum sorgt jetzt für harsche Kritik seitens der Liberalen. „Weder den dort lebenden Menschen, die mit den Dingen des Alltags versorgt werden müssen, noch dem Ansehen der Stadt Emden bei potenziellen Investoren“ sei mit der ablehnenden Haltung geholfen. „Statt einen Investor mit offenen Armen zu empfangen, der dort eine der modernsten Filialen im Nordwesten und somit einen energetisch den höchsten Anforderungen entsprechenden Bau errichten möchte, lähmen CDU, Grüne und GfE mit ihren phrasenhaften Argumenten die Pläne des Investors und somit die positive Entwicklung des Stadtteils Wolthusen“, so Gliszinsky.
Und anders als die Kritiker, die durch die Vergrößerung der Lidl-Filiale ein höheres Verkehrsaufkommen befürchten, sehen die Liberalen mit einer neuen, wohnortnahen Filiale positive Aspekte für das Klima. „Ferner ist es ökologisch besser, wenn man mit dem Rad zum Lidl um die Ecke fährt statt mit dem Auto in weiter entfernte Einkaufscenter“, teilt Gliszinsky mit. „Genau das aber wird die Folge sein. Daher appellieren wir an die Fraktionen von SPD und ,Die Fraktion‘: lasst uns gemeinsam mehrheitlich einem Antrag zum Lidl-Neubau in Wolthusen zustimmen - zum Wohle der Menschen in Wolthusen, zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes und zum Ansehen des Wirtschaftsstandorts Emden.“
Ob die Liberalen damit eine Mehrheit im Rat findet? Lidl selbst hatte gegenüber dieser Zeitung bekräftigt, die Pläne weiter vorantreiben zu wollen, von einem drohenden Rückzug aus dem Stadtteil war bisher keine direkte Rede. Eine Unternehmenssprecherin hatte angedeutet, dass es Mitte dieses Jahres Neues zu dem Bauvorhaben gäbe. Auch seitens der Stadt hieß es, dass man nach wie vor davon ausgehe, dass sich die „Planungen beim Investor in der Konkretisierung“ befänden. Sobald weitere für die Verfahrensschritte erforderlichen Gutachten vorlägen, würde das Thema erneut öffentlich im Stadtentwicklungsausschuss behandelt. Dann können sich auch sämtliche Ratsfraktionen entsprechend positionieren.