Baumfällaktion in St. Georgiwold Ärger über Kahlschlag am Swartwolder Kolk
Am Swartwolder Kolk in Weener laufen derzeit Landschaftspflegearbeiten. Wiesenbrüter sollen davon profitieren. Jagdpächter Hero Schulte dagegen fürchtet, dass der Effekt der Abholzaktion ausbleibt.
St. Georgiwold - Am Swartwolder Kolk in St. Georgiwold herrscht dichtes Schneetreiben. Ein Bagger mit Greifarm reißt in den Nähe des Ufers einen Baum aus dem Boden und hievt ihn in einen Anhänger. Die Firma Koenen hat mit den landschaftspflegerischen Arbeiten an dem Gewässer begonnen.
Jagdpächter und Landwirt Hero Schulte beobachtet das Treiben. „Das war so nicht vereinbart“, sagt Schulte. Er ist sauer über die Arbeiten und erhebt Vorwürfe gegen den Nabu und den Landkreis Leer. Entgegen der Kompromissvereinbarung, lediglich die Gehölze rund um die Beobachtungshütte am Kolk freizuschneiden, sollen dort nach seinen Worten offenbar noch viel mehr Bäume verschwinden.
Küken von Wiesenbrütern besser schützen
Die Maßnahme soll dem Wiesenvogelschutz dienen. Die Ökologische Nabu-Station Leer (ÖNSL) hat die Maßnahmen vorbereitet und ausgeschrieben. Bäume und Büsche am Kolk sollen verschwinden. Sie sind ein Hotspot für die Feinde der Wiesenvögel. Daher sollen Krähen und Greifvögeln die Ansitzmöglichkeiten genommen werden, um Küken und Gelege von Wiesenbrütern wie Uferschnepfe, Kiebitz und Austernfischer besser zu schützen. Verschwinden sollen auch die Röhrichtflächen, damit dort Füchse und Marder, ebenfalls Fressfeinde der Wiesenbrüter, keine Deckung finden.
Der Landkreis Leer hatte im vergangenen Jahr die „Lokale Gebietskooperation Rheiderland“ eingerichtet. Landwirte, Naturschützer und Jäger stimmen sich hier darüber ab, wo und wie besonders kritische Stellen im Schutzgebiet, wo Küken und Gelege von Wiesenbrütern wegen der Landschaftsstrukturen leichte Beute für Prädatoren wie Fuchs & Co. sind, entschärft werden können. Die ÖNSL soll in den kommenden Jahren Daten auswerten, um die Bruterfolge im Vogelschutzgebiet im Rheiderland zu dokumentieren.
Plan: Für jeden gefällten Baum zwei neue pflanzen
„Diese Maßnahmen sind mit dem Natur- und Klimaschutz nicht vereinbar“, hält Schulte, der der Gebietskooperation nicht angehört, entgegen. Nach den Worten des Jägers würden die Greifvögel vor Ort genügend andere Ansitzmöglichkeiten finden: beispielsweise Weidezaunpfähle, die Beobachtungshütte und den Baumbestand am Middelweg. „Dieser Kahlschlag, der hier am Kolk veranstaltet wird, ist völlig ineffektiv“, sagt Schulte. Für jeden Baum, der gefällt werde, werde er dort zwei neue anpflanzen.
„Ich habe den Landkreis aufgefordert, den Fehler unverzüglich zu korrigieren und zu veranlassen, dass die Bäume dort stehenbleiben“, berichtet Schulte. Das Vogelschutzgebiet sei insgesamt 8000 Hektar groß. „Es steht in keinem Verhältnis, dass diese Maßnahme in diesem kleinen Biotop entscheidend für den Erfolg von Bodenbrütern sein soll.“ Eine Reaktion habe er bislang vom Landkreis nicht erhalten.
Landkreis: „Ein Kahlschlag wurde nicht durchgeführt“
Auf Nachfrage teilt der Landkreis Leer mit, dass „zwischen der Naturschutzbehörde des Landkreises, der Ökologischen Station und der begleitenden Arbeitsgruppe kleinflächige Maßnahmen abgestimmt“ wurden. „Alles mit Einverständnis der Eigentümerin der Fläche, der Stadt Weener. Ein Kahlschlag wird nicht durchgeführt“, so Sprecher Jens Gerdes.
Die Maßnahmen hätten am 17. und 18. Januar stattgefunden und seien, „bis auf Aufräumarbeiten“, für diese Saison abgeschlossen. Die Berichterstattung in den Medien und die Reaktionen darauf in Form von Leserbriefen hätten gezeigt, „dass es zu den Maßnahmen sehr verschiedene Ansichten gibt.“ Wo Naturschutz „von Anfang an auf Widerstände stößt“, müsse abgewogen werden, wie viel Einsatz man für die gut gemeinten Versuche der dringend nötigen Erhöhung der Biodiversität geben wolle, so Gerdes.