Personalnot im Rheiderland Kindergarten kann Betreuung nicht immer garantieren
Berufstätige sind auf eine Betreuung ihrer Kinder angewiesen. Viele Kindergärten und Krippen können das aber nicht immer garantieren. Für Probleme sorgen nicht nur krankheitsbedingte Ausfälle.
Rheiderland - Erzieherinnen und Heilerziehungspflegerinnen waren noch nie so gefragt wie jetzt. In den Kommunen entstehen immer mehr Krippen und Kindergärten, die Fachkräfte dafür zu bekommen, wird für die Betreiber der Einrichtungen allerdings immer mehr zur Herausforderung. Auch im Rheiderland.
Zeitweise Personalnot in Jemgum
Die Personalnot sei so groß gewesen, dass zeitweise zwei Krippengruppen zu einer zusammengelegt werden oder die Betreuungszeiten verkürzt werden mussten. „Wir haben es auch schon gehabt, dass wir einen Tag lang gar keine Betreuung anbieten konnten.“ Die personellen Engpässe würden nicht nur entstehen, wenn Mitarbeiter wegen Krankheit ausfallen. Es kommt laut Joachim Bugiel, Geschäftsführer des Freundeskreises Kindergarten Niederrheiderland, auch vor, dass Beschäftigte kündigen, weil sie einen Arbeitsplatz gefunden haben, der näher am Wohnort gelegen ist oder besser vergütet wird.
Besondere Probleme gibt es, wenn Mitarbeiterinnen schwanger werden. „Kürzlich sind uns dadurch von einem auf den anderen Tag zwei Vollzeitkräfte ausgefallen“, berichtet Bugiel. In solchen Fällen könne die Kinderbetreuung nicht immer sichergestellt werden. „Das ist bitter, aber wir können uns ja von heut auf morgen kein Personal aus den Rippen schneiden.“ Für Berufstätige, die darauf angewiesen sind, dass ihre Kinder zu verbindlichen Zeiten betreut werden, sind solche Ausfälle ein Problem. „Oft springen Oma und Opa ein, aber die wohnen ja auch nicht immer vor Ort.“
Mitarbeiter zu finden, sei nicht einfach. „Per Zeitungsannonce Mitarbeiter zu suchen, braucht man heute gar nicht mehr zu versuchen. Das läuft alles nur noch über Vitamin B“, sagt Joachim Bugiel. Der Verein betreibt die Kindergärten und Krippen in der Gemeinde Jemgum und zählt dort mit 32 Beschäftigten zu den größeren Arbeitgebern. Die Bezahlung spiele durchaus eine Rolle. „Wir sind dem öffentlichen Dienst angeschlossen und bezahlen nach Tarif.“ Die Mitarbeiter würden dadurch etwa 70 bis 80 Euro mehr verdienen als beispielsweise bei kirchlichen Trägern. „Derzeit sind wir personell zum Glück wieder ganz gut aufgestellt.“
Hoffnung auf einen beschleunigten Zuwachs an Fachkräften setzt Joachim Bugiel in ein neu aufgelegtes Ausbildungsprogramm. „An der BBS in Leer können Bewerber innerhalb von eineinhalb Jahren eine Ausbildung zum Sozialassistenten machen.“
Wie ist die Situation in Bunde?
“Die Gewinnung von sozialpädagogischen Fachpersonal stellt auch die Gemeinde Bunde immer wieder vor großen Herausforderungen“, sagt Bürgermeister Uwe Sap. Insbesondere gelte dies für die Einstellung von sozialpädagogischem Fachpersonal mit einer integrativen Zusatzausbildung. Einschränkungen gebe es laut Sap aber nicht. „Derzeit können alle Kinder, für die ein Integrationsbedarf besteht, in einer Integrationsgruppe betreut werden.“ Am Kita-Standort Bunde bestehen drei Integrationsgruppen und in Dollart und Wymeer wurde nach seinen Worten jeweils eine Integrationsgruppe eingerichtet. Die Einrichtung von Tagespflegestellen ist im niedersächsischen Kindertagesstättengesetz (NKitTaG) verankert und somit ein Bestandteil, den Bedarf an Betreuungsplätzen für Kinder bis zur Einschulung sicherstellen zu können.
Wie läuft‘s in Weener?
Aufgrund des Fachkräftemangels im Bereich des Sozial- und Erziehungsdienstes ist die Personalsituation in den Kindertagesstätten der Stadt Weener ebenfalls angespannt.„Es gibt immer wieder punktuell und zeitlich begrenzt Engpässe in verschiedenen Einrichtungen, wenn Personal kurzfristig ausfällt. Es ist schwierig, im Laufe des Kindergartenjahres freiwerdende Stellen wieder zu besetzen“, berichtet Bürgermeister Heiko Abbas. Teilweise müssten Stellenausschreibungen mehrfach wiederholt werden. Aktuell seien immer noch ein paar Stellen vakant. „Eine Kompensation erfolgte durch die Einstellung von Ergänzungskräften, so dass das Angebot – einschließlich der Integrationsgruppen – aufrechterhalten werden kann“, so der Bürgermeister.
Die Stadt Weener versuche, vor allem durch attraktive Arbeitsbedingungen, geeignete Fachkräfte zu gewinnen. „Hierzu zählen unbefristete Beschäftigungsverhältnisse sowie Maßnahmen zur Gesundheitsförderung (Hansefit) und die Möglichkeit zur Inanspruchnahme von Fahrradleasing.“