Berlin „Schuh des Manitu, Teil 2“: Muss das wirklich sein?
Brauchen wir wirklich noch eine Manitu-Klamotte von Bully Herbig? Warum nicht? Im Idealfall wird „Das Kanu des Manitu“ ein spannender Kommentar auf unsere Debatte zur Grenze des Sagbaren und auf den Blick in die eigene Vergangenheit.
Die Winnetou-Debatte im vorletzten Sommer hat Bully Herbig gründlich den Spaß verdorben. Auf einer Interview-Tour wollte er damals vor allem über seinen neuen Film reden – und die Journalisten vor allem über den alten. Auch ich habe ihn getroffen und um jedes einzelne Wort mit ihm gerungen.
Lesen Sie hier unser Winnetou-Interview mit Bully Herbig.
Logisch. Schließlich stand sein liebstes Kind zur Disposition. Mit fast 12 Millionen Zuschauern ist „Der Schuh des Manitu“ (2001) Herbigs größter Erfolg. Er gilt sogar als erfolgreichster deutscher Film überhaupt – aber das wohl nur, weil die offizielle Zählung beim „Otto“-Film (1985) noch die ostdeutschen Zuschauer ausklammert. Schon der Hinweis, dass sein Rekord vielleicht gar keiner ist, irritiert Bully Herbig. Wie viel schlimmer muss es sich anfühlen, dass seine Witze – einst die lustigsten aller Zeiten – auf einmal nicht mehr komisch sein sollen!
Herbigs Manitu parodiert schließlich nicht nur die Karl-May-Filme der 60er. Er bedient auch all die Stereotype, die heute zu Recht Anstoß erregen. Nicht nur im Indianerbild. Auch Schwule würde man kaum mehr so klamottig inszenieren wie Herbig zur Jahrtausendwende.
„Ich liebe diesen Film noch immer und er ist gut so, wie er ist“, sagte Herbig im Interview. Zugleich bestand er darauf – auch das zu Recht –, den Film als Produkt seiner Zeit zu begreifen: „Humor verändert sich aber. Natürlich würde ich den Film heute nicht mehr ganz genau so machen, wie vor 20 Jahren.“ Damit hätte er es bewenden lassen können. Herbig aber kündigt jetzt eine Fortsetzung an. Im „Kanu des Manitu“ wird er also der ganzen Nation vorführen, wie genau er es denn nun hält mit dem Balanceakt zwischen Kalauer und Correctness.
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Das macht die Komödie spannender als jeden Thriller: Wenn Bully Herbig sein Projekt ernst nimmt, muss er nicht nur alte Filme kommentieren – sondern auch die gegenwärtige Debatte um Sprachtabus. Dieses Wagnis in der aufgeheizten Stimmung verdient Respekt.
Kriegt er es klug und versöhnlich hin? Wird’s eher trotzig? Warten wir’s ab! Im besten Fall gelingen ein paar gute Witze, die allen den Spiegel vorhalten – auch Bully Herbig selbst, dem TV-Nostalgiker, der Karl May, Wickie und Hui Buh bis heute die Treue hält. Auch wenn man über Winnetou, Wikinger und sicher auch über weinende Schlossgespenster längst anders denkt als in Herbigs schon lang vergangener Kindheit.