Lutz Günsel im Interview „Nur ein OHV-Spieler in konstanter Topform“
An Wochenende startet Handball-Drittligist OHV Aurich in die Rückrunde. Der Geschäftsführer spricht über sein Zwischenfazit und über eine mögliche Verlängerung mit Trainer Alvarez.
Aurich - Der OHV Aurich ist in der bisherigen Spielzeit mit 13:17-Punkten noch deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Geschäftsführer Lutz Günsel fällt eine Zwischenbilanz und lässt auch durchblicken, wie es mit Trainer Pedro Alvarez weitergehen könnte.
Wie fällt Ihr Zwischenfazit kurz vor dem Start der Rückrunde an diesem Wochenende in Spenge aus?
Günsel: Wir sind erstmal zufrieden, dass wir uns durch zwei Siege im Dezember so ein bisschen von der Abstiegszone entfernen konnten. Aber gar keine Frage, von unserem Saisonziel Platz vier sind wir noch ganz weit entfernt. Vielleicht war es ein bisschen überschätzt, wobei ich nach wie vor davon überzeugt bin, dass wir wesentlich mehr Potenzial haben. Das spiegelt sich auch in den Ergebnissen wider. Gegen den verlustpunktfreien Spitzenreiter Hildesheim zum Beispiel haben wir nur mit einem Tor verloren. Teilweise haben wir gegen starke Gegner gewonnen und gegen schwache verloren, es fehlt einfach an der Konstanz.
Worin sehen Sie die Gründe?
Günsel: Die sechs Neuverpflichtungen und auch Trainer Pedro Alvarez, der ja auch erst im zweiten Jahr hier ist, brauchen einfach ihre Eingewöhnungszeit. Wir haben noch nie so viele Nationalitäten in der Auricher Mannschaft gehabt, da müssen wir ein wenig geduldig sein. Das wird sich noch verbessern. Aber deswegen sind wir momentan nur Mittelmaß. Ich bin da aber guter Dinge.
Bei nur sechs Punkten Vorsprung auf den direkten 15. Abstiegsplatz richtet sich der Blick aktuell aber eher nach unten, oder?
Günsel: Wir müssen nach wie vor aufpassen und hart arbeiten. Aber ich denke, dass wir mit dem Abstieg nichts zu tun haben werden. Ich schaue eher nach oben und hoffe, dass wir mehr Kontinuität in den Leistungen zeigen und am Ende einen Platz im gesicherten Mittelfeld belegen können, mit einem Auge nach oben. Auch Platz vier ist von den Punkten her noch machbar, dann müsste aber sehr viel zusammenpassen.
Sie haben es vorhin schon angesprochen. Einige Neuzugänge benötigen noch ein wenig Eingewöhnungszeit. Erhalten Sie diese Zeit auch?
Günsel: Sie bekommen auf jeden Fall die Zeit. Mit Rostyslav Polishchuk haben wir ja auch noch eine sehr späte Verpflichtung getätigt. Nach diesem Transfer haben wir auch mit Pedro zusammengesessen und auf den Kader geschaut und festgestellt: Das ist schon eine enorme Qualität, aber es muss auch alles zusammenpassen. Zwischen den verschiedenen Varianten fehlt noch die Abstimmung. Das dauert, damit hätte ich nicht unbedingt gerechnet, aber es ist halt so.
Wenn Sie die Neuzugänge genauer betrachten. Wie zufrieden sind Sie mit den bisherigen Leistungen?
Günsel: Alle waren ja zwei Tage im Probetraining hier, wir haben sie uns genau angesehen. Wir sind nach wie vor der Meinung, dass sie super zu uns passen. Rostyslav Polishchuk spielt eine super Saison, eine absolute Verstärkung; Marcell Hegyi kommt aus der Oberliga, macht es ganz ordentlich, hat natürlich noch Entwicklungspotenzial; Balázs Molnár ebenso, da Jorit Reshöft so eingeschlagen hat, bekommt er momentan noch recht wenig Spielanteile, er kann sich noch steigern. Ryuga Fujita auf Außen ist eine absolute Alternative zu Josip Crnic, hat in den letzten Monaten richtig gute Spiele gemacht. Jorit Reshöft hat stark begonnen, in den letzten Spielen einige Hängepartien gehabt, das müssen wir den jungen Leuten aber auch eingestehen. Unter dem Strich haben wir die absolut richtigen Leute verpflichtet.
Auch bei den routinierten Spielern des alten Kaders gab es in der Hinrunde ja Höhen und Tiefen?
Günsel: Völlig richtig. Alle Spieler zeigen mal top Leistungen und schwächeln dann auch wieder, das ist auch bei unseren Routinierten so. Ausnehmen möchte ich davon Torhüter Eddy Kuksa, der als einziger konstant in Topform gespielt hat. Wenn man dann solche Königspositionen mit solchen Spielern besetzt hat und die dann nicht so hundertprozentig funktionieren wie wir das von den Jahren zuvor kennen, dann steht man da, wo wir jetzt stehen.
Der Vertrag mit Trainer Pedro Alvarez geht noch bis zum Sommer. Wie ist Stand der Dinge, möchten Sie mit ihm verlängern?
Günsel: Wir werden uns jetzt in Kürze mit ihm zusammensetzen. Pedro ist ein Trainer, den wir uns lange angeschaut haben. Er macht in allen seinen Bereichen aus meiner Sicht einen super Job, ich habe noch nie einen Coach erlebt, der es auf eine solche Art und Weise macht, er kümmert sich mit um die Jugend, macht Sondertraining für die Talente. Wir sind zufrieden mit ihm, das ist gar keine Frage. Jetzt müssen wir ausloten, was er möchte und dann werden wir eine Entscheidung treffen. Das ist wie mit jedem Spieler.
Auch dort dürften ja bald die nächsten Gespräche anstehen. Wie ist aktuelle Vertragslage?
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Beim OHV Aurich wird es internationaler – insgesamt vier Abgänge
Kuksa als starker Rückhalt und Reshöft als Top-Torschütze
So startet der OHV Aurich in die neue Saison
Günsel: Eddy Kuksa und Evgeny Vorontsov haben noch Verträge für die nächste Saison, und dann gibt es noch vier Spieler mit Option, nämlich bei Kai Ebeling, Kevin Wendlandt, Balázs Molnár und Marcell Hegyi, alle anderen Verträge laufen im Grunde aus. Deswegen müssen Jörg Schmeding und ich in den nächsten Wochen zahlreiche Gespräche führen und einen guten Job machen. Das ist jetzt aber auch nichts Besonderes, das kennen wir auch aus den Vorjahren. Da es auch für uns beide immer mehr wird, suchen wir momentan eine Verstärkung für die Geschäftsführung der OHS.
Wie zufrieden sind Sie mit der bisherigen Zuschauerresonanz?
Günsel: Momentan haben wir einen Schnitt so um die 700 Zuschauer. Seit Corona sind wir auf dem steigenden Ast. Das ein oder andere Spiel hätte schon ein bisschen besser besucht sein können. Mit dem Experiment, auf den Samstagabend zu gehen, sind wir nicht so ganz zufrieden. Um die Uhrzeit haben wir nicht mehr so viel Konkurrenz, da hätten wir uns schon einige Zuschauer mehr gewünscht. Aber klar, es hängt natürlich auch mit der sportlichen Leistung zusammen, wenn wir oben mitmischen, kommen auch 150 bis 200 Zuschauer mehr. Gegen Wilhelmshaven werden wir die Halle noch einmal so richtig voll haben.