Gemeinde auf grünem Kurs So will Uplengen mit den Ideen aus der Bevölkerung klimaneutral werden
Uplengen muss bis 2040 klimaneutral werden. Bürger und Experten haben gemeinsam ausgelotet, ob und wie das gehen kann – die Potenziale sind groß.
Uplengen - Die Gemeinde Uplengen will klimafreundlich werden – und die Bürgerinnen und Bürger machen mit. Knapp 50 Menschen hatten sich am Donnerstagabend, 11. Januar 2024, im Remelser Rathaus versammelt, um gemeinsam erste Ideen zu sammeln. Denn: Uplengen soll in diesem Jahr ein Klimaschutzkonzept bekommen.
„Das Klima bewegt und betrifft alle. Wir haben von der Niedersächsischen Regierung die Vorgabe, bis 2040 klimaneutral zu werden“, erklärte der Uplengener Klimaschutzmanager Dr. Johannes Fuchs. „Um herauszuarbeiten, welche Maßnahmen für unsere Gemeinde machbar und sinnvoll sind, brauchen wir Ihre Ideen“, betonte er gegenüber den Anwesenden. Unterstützend hatte die Gemeinde das Bremer Planungsbüro Beks Energieeffizienz beauftragt. Dessen Aufgabe war es zunächst, herauszuarbeiten, wo Uplengen aktuell beim Klimaschutz steht und welche Potenziale es dort gibt, den CO2-Ausstoß und Energieverbrauch nachhaltig zu senken.
Womit wird in Uplengen am meisten Energie verbraucht? Es ist wohl wenig überraschend: „Am meisten Endenergie wird in Uplengen von privaten Haushalten und vom Verkehrssektor verbraucht“, erklärte Beks-Projektingenieurin Gyde Thomsen. Die Haushalte machten in der Gesamtbilanz 43 Prozent aus, der Verkehr 42 Prozent. Das habe eine Aufstellung aus den Jahren 2019 bis 2021 ergeben. Entsprechend viel Treibhausgas werde in diesen Bereichen freigesetzt. „Im Verkehrssektor trägt die Autobahn 28 im Gemeindegebiet zur hohen CO2-Bilanz bei“, ergänzte Thomsen.
Werden diese Sektoren noch einmal in einzelne Bereiche aufgeteilt, wird deutlich, dass Energie in Uplengen besonders in Form von Wärme verbraucht werde, so Thomsen. Ganze 47 Prozent seien aufs Heizen zurückzuführen. Dichtauf liege der Verkehr (42 Prozent), der Stromverbrauch mache lediglich 11 Prozent aus.
„Der ökologische Fußabdruck pro Kopf liegt in Uplengen über dem Bundesdurchschnitt“, sagte Thomsen. Durchschnittlich verbrauche ein Mensch in Deutschland nach Angaben des Umweltbundesamts 10,5 Tonnen CO2 im Jahr. „In Uplengen sind es nach unseren Berechnungen acht Tonnen. Da sind aber Faktoren wie Ernährung und sonstiger Konsum noch gar nicht mit eingerechnet. Nimmt man die dazu, sind es mehr als 10,5 Tonnen“, so die Ingenieurin.
Wo kann Energie eingespart werden? Um bis 2024 klimaneutral zu werden, müsse also einiges geschehen, erklärt die Projektingenieurin. Die gute Nachricht: „Es gibt in Uplengen großes Einsparpotenzial“, so Thomsen. So könnte der Energieverbrauch der Privathaushalte um mehr als 50 Prozent gesenkt werden, wenn alte Gebäude in der Gemeinde energetisch saniert würden. „Im Verkehrssektor könnten durch Maßnahmen auf Bundesebene – besonders Elektrifizierung und Effizienzsteigerung – sogar 65 Prozent eingespart werden“, erklärte Thomsen. Weiterer Hoffnungsschimmer in Uplengen: die erneuerbaren Energien. „Windenergie-Anlagen produzieren pro Hektar sehr viel Energie“, sagte Thomsen. Für diese gebe es in Uplengen 333,54 Hektar potenzielle Flächen. Außerdem seien die Möglichkeiten der Photovoltaik-Anlagen und der Solarthermie aktuell noch lange nicht ausgeschöpft.
Kann Uplengen überhaupt bis 2040 klimaneutral werden? „Unsere Berechnungen ergeben, dass Klimaneutralität in Uplengen in der vorgegebenen Zeit möglich ist. Das ist lange nicht in jeder Kommune der Fall“, fasste die Beks-Projektleiterin Kornelia Gerwien-Siegel zusammen. Dafür seien allerdings große Anstrengungen notwendig, „insbesondere in den Handlungsfeldern Wärmeversorgung, energetische Gebäudesanierung und im Sektor Verkehr“, betonte sie.
Welche Klimaschutzmaßnahmen wünschen sich die Uplengener?
Bei den Anwesenden wurde deutlich, dass sie sich Klimaschutz-Maßnahmen wünschen, die realistisch sind – und mitunter schnell umgesetzt werden können. Mehrfach genannt wurden beispielsweise ein reduziertes Tempo im Ortskern und bessere Fahrradwege. „Das sind gute Ideen. Da sind wir dran“, sagte der Uplengener Bürgermeister Heinz Trauernicht.
Wie geht es weiter? Das Klimaschutzkonzept in Uplengen soll einmal aus kurz-, mittel- und langfristigen Zielen bestehen, sagte Klimamanager Fuchs. Diese werden in drei weiteren Workshops mithilfe der Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde ausgearbeitet. „Ich würde mich freuen, wenn noch mehr junge Menschen dazu kommen. Die betrifft es ja besonders“, betonte er.
Die kommenden Workshops finden, je ab 18 Uhr, am 15. Februar, 14. März und 11. April 2024 im Sitzungssaal des Rathauses statt. Um Anmeldung per Mail an klimawandel@uplengen.de wird gebeten. Ideen und Maßnahmenvorschläge können zudem bis zum 19. April 2024 an die Mail-Adresse geschickt oder persönlich im Rathaus in einer Sammelbox abgegeben werden. Die Ergebnisse werden voraussichtlich am 8. August 2024, 18 Uhr, vorgestellt. „Dann soll es möglichst schnell an die Umsetzung gehen“, sagte Fuchs.