„Rock-Opa“ aus Emden feiert Geburtstag  Wenn es ohne Trommelstöcke und Gehstock nicht mehr geht

Heiko Müller
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Von Heiko Müller
| 15.01.2024 07:56 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Auch mit 75 kein bisschen leiser: Emmo Doden ist immer noch ein Vollblutmusiker. Foto: Privat
Auch mit 75 kein bisschen leiser: Emmo Doden ist immer noch ein Vollblutmusiker. Foto: Privat
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Emmo Doden ist ein Musikerurgestein. Der Schlagzeuger gehörte in den 1960er Jahren zu den Mitbegründern der Emder Szene. An diesem Montag wird der „Schmied von Borssum“ 75 Jahre alt.

Emden - Seinen Gehstock legt er gelegentlich schon mal aus der Hand, seine Drumsticks aber nicht: Emmo Doden trommelt immer noch, was das Zeug hält. Er ist kaum zu bremsen, wenn es um Beat, Rock oder Blues geht und er hinter seiner „Bude“ sitzt. Der Schlagzeuger ist ein Urgestein der Emder Rockmusikszene und wirbelt mit den Trommelstöcken wie eh und je. An diesem Montag, 15. Januar 2024, wird er 75 Jahre alt.

„Ich werde trommeln, so lange ich die Sticks noch halten kann“, sagt der Mann, der vor mehr als sechs Jahrzehnten zu den Mitbegründern der Emder Beat- und Rockszene gehörte, dort schon als Legende gilt, aber immer noch mitmischt. Notfalls werde er eben nur mit den Füßen auf der großen Trommel (Bass Drum) weiterspielen, wenn es anders nicht mehr gehe, sagt Doden im Gespräch mit dieser Zeitung.

Er spielte auch schon mit Otto Waalkes

Der Musiker aus Leidenschaft hat die Emder Rockmusikszene über Jahrzehnte mitgeprägt, war aber auch außerhalb Ostfrieslands als Schlagzeuger erfolgreich. Als 15-Jähriger hatte Doden seine erste Band mit dem Namen „Robots“ formiert. Zu dieser Zeit gab es auch gemeinsame Auftritte mit Otto Waalkes, noch bevor dessen große Karriere als Komiker und Schauspieler begann.

Weitere Stationen von Emmo Doden waren unter anderem die Gruppen „The Odds“ und „The Scouts“. In der Hardrock-Band „Erdgas“ spielte der Emder erstmals mit dem aus Ihrhove (Gemeinde Westoverledingen) stammenden Bassisten Carl „Calli“ Buskohl zusammen. Der Sohn eines Viehhändlers machte später als Carl Carlton Karriere, begleitete unter anderem Peter Maffay und Udo Lindenberg und ist heute auch solo unterwegs.

Carlton holte ihn zu den „Emsland Hillbillies“

Carlton holte Doden auch zu den „Emsland Hillbillies“ des Aschendorfer Country-Musikers Hermann Lammers Meyer. Mit dieser Country-Band bereiste Doden unter anderem auch die USA. In seiner Heimatstadt Emden gehörte Doden vor etwa 50 Jahren zur Gründungsformation der Emder Gruppe „Backstage“ um Akki Meinen, die als Oldie-Band bis heute einen klangvollen Namen in der Region hat.

In Aktion: Emmo Doden, der „Schmied von Borssum“, an seinem Schlagzeug. Foto: Grensemann/Archiv
In Aktion: Emmo Doden, der „Schmied von Borssum“, an seinem Schlagzeug. Foto: Grensemann/Archiv

Der Jubilar wohnt seit langem in einem Hochhaus im Emder Stadtteil Borssum und nennt sich gern auch „der Schmied von Borssum“. Seine langjährige Lebenspartnerin Ilona Adler starb im Dezember 2021 - ein Schicksalsschlag für den Musiker. Mittlerweile hat Doden eine neue Frau an seiner Seite. „Verheiratet bin ich aber mit meiner Mucke“, sagte er einmal.

Dodens Outfit ist mitunter schrill

Der gelernte Speditionskaufmann, der ein paar Semester Schlagzeug in Groningen studierte, hat sein Leben lang Musik gemacht und größtenteils davon gelebt - „mehr schlecht als recht“, räumt Doden ein. Auch auf Kreuzfahrtschiffen saß er schon hinter dem Schlagzeug, um Geld zu verdienen. Seine schmale Rente bezieht er über die Künstlersozialkasse. Nebenbei verdient er sich noch etwas mit Schlagzeugunterricht.

Seine Haare sind zwar lichter und schlohweiß geworden, aber Doden trägt sie immer noch lang. Auch im Alter schlüpft der Emder bevorzugt in hautenge Leggins und Westernstiefel. Auf Außenstehende wirkt der Musiker deshalb bisweilen etwas schrill.

Neues Trio mit alten Freunden

Seit knapp einem Jahr arbeitet Doden an seinem jüngsten musikalischen Projekt. Dabei sind zwei langjährige Wegbegleiter und Musikerkollegen. Der Gitarrist und Bassist James van Hove, selbst ein Urgestein der Emder Rockmusikszene, und der Gitarrist Matthias „Maddy“ Fischer, der aus Rhauderfehn stammt und heute in Rastede lebt.

Die Musiker bilden zusammen das Trio Van Hove-Fischer-Doden, das sich vor allem Klassikern der Rockmusik und dem Bluesrock verschrieben hat. Demnächst will es sein Debüt auf einer Emder Bühne geben.

Die Hoffnung auf eine junge Emder Szene

James ten Hove spielte die Gitarre in vielen Emder Bands, die schon vor Jahrzehnten in den Räumen von ehemaligen Emder Luftschutzbunker probten. Inzwischen ist er wieder auf die Bassgitarre umgestiegen. Der 62-Jährige examinierte Krankenpfleger, der später freiberuflich als vereidigter Ladungs- und Gütersachverständiger tätig war, führte früher auch das Musikgeschäft „Never Mind Music“ und ein eigenes Tonstudio in Emden. Seit Jahrzehnten verbindet ihn eine enge Freundschaft mit Emmo Doden.

Er ist seit einigen Jahrzehnten an der Seite des Geburtstagskindes. Der Gitarrist und Bassist James van Hove ist selbst ein Urgestein der Emder Rockmusikszene. Foto: Privat
Er ist seit einigen Jahrzehnten an der Seite des Geburtstagskindes. Der Gitarrist und Bassist James van Hove ist selbst ein Urgestein der Emder Rockmusikszene. Foto: Privat

„Es hat sich viel verändert“, sagen van Hove und Doden unisono, wenn sie auf die junge Musikszene von heute in den Emder Bunkern blicken. Alles sei „komplett anders als noch vor 30 Jahren. Während der Corona-Pandemie sei zwar viel kaputt gegangen und die Szene sei nicht mehr ganz so vielfältig. Aber es wachse eine komplett junge Szene nach. „Langsam entwickelt sich wieder etwas“, meinen die beiden Musiker-Urgesteine.

Entscheidend sei, so sagen beide, dass es Spaß machen müsse, Musik zu machen: „Das muss aus dem Herzen kommen“. Bei Geburtstagskind Emmo Doden ist das immer so geblieben. Sein Wunsch: „Möge mir ‚the Lord‘ (Anmerkung der Redaktion: gemeint ist Gott) noch viele laute Jahre schenken.“

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