Luftqualität in Ostfriesland Stickstoffdioxid-Belastung hat sich in einem Tag verdoppelt
Am Donnerstag hat sich die Luftqualität in Ostfriesland schlagartig von „gut“ zu „mäßig“ verschlechtert. Wir haben mit einem Experten über die Gründe dafür gesprochen.
Ostfriesland - In Ostfriesland herrscht in aller Regel ziemlich gute Luft – das belegen auch die üblicherweise stündlich erhobenen Daten des Umweltbundesamts. Doch am Donnerstag, 11. Januar, sprang der Luftqualitätsindex aus dem grünen Bereich in die Kategorie „mäßig“. Die Belastung unserer Luft mit Stickstoffdioxid (NO2) verdoppelte sich innerhalb eines Tages. Lag der Wert in der Nacht zum Donnerstag noch bei 23 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft, waren es in der Nacht zu Freitag höchstens 61 Mikrogramm. Woran lag das?
Dr. Andreas Hainsch arbeitet beim Staatlichen Gewerbeaufsichtsamt Hildesheim und ist dort Leiter des Lufthygienischen Überwachungssystems Niedersachsen (LÜN). Das LNÜ überwacht mehrmals täglich alle im Land eingerichteten Messstationen – darunter auch die ostfriesische Station in Emden. „Die zuletzt in Emden gemessenen Werte sind zwar nicht dramatisch hoch, aber durchaus auffällig“, sagt er. Der Anstieg in den „mäßigen“ Bereich der Skala sei interessant. Für eine Einschätzung zu den Ursachen hat er sich Mess- und Wetterdaten angeschaut.
Hängt die Luftverschmutzung den Trecker-Motoren zusammen?
„Es ist erkennbar, dass wir in Emden zuletzt einen nur ganz leichten Wind aus nördlicher Richtung hatten“, sagt Hainsch. Das habe dazu geführt, dass sich die Abgase des Verkehrs aus der Emder Innenstadt langsam an die Stationen heranbewegten und sich dort ansammelten. „Wir haben einfach eine Wetterlage, in der sich die Luft nicht so gut durchmischt“, sagt der LÜN-Experte.
Könnte die Ansammlung von Stickstoffdioxid in der Emder Luft mit den Bauern-Protesten zusammenhängen – insbesondere mit den vielen laufenden Trecker-Motoren am Montag? „Die Ursache so konkret zu benennen, wäre reine Spekulation“, sagt Hainsch. Er halte es aber für eher unwahrscheinlich, dass Abgabe von Montag sich bis Donnerstag in der Luft gehalten hätten.
Das sind die Grenzwerte
Das Immissionsschutzgesetz sieht Grenzwerte für die Luftbelastung mit Stickstoffdioxid vor: So dürfen 200 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft nicht öfter als 18-mal im Kalenderjahr überschritten werden. Als schädlich für die menschliche Gesundheit werden als Jahresdurchschnitt 40 Mikrogramm, als schädlich für die Ökosysteme 30 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft angesehen.
Am Donnerstag schrieb das Umweltbundesamt zur Belastung in Ostfriesland: „Kurzfristige nachteilige Auswirkungen auf die Gesundheit sind unwahrscheinlich.“ Allerdings könnten negative Effekte durch Luftschadstoffkombinationen und „bei langfristiger Einwirkung des Einzelstoffes“ nicht ausgeschlossen werden. Zusätzliche Reize, zum Beispiel ausgelöst durch Pollenflug, könnten die Wirkung der Luftschadstoffe verstärken, sodass Effekte bei empfindlichen Personengruppen, etwa Asthmatikern, wahrscheinlicher würden.
So sah es in den vergangenen 100 Tagen aus
Die gute Nachricht: Seit Freitagmorgen hat die Stickstoffdioxid-Konzentration in Ostfriesland wieder abgenommen und zeitweise „sehr gute“ Werte im Maßstab des Umweltbundesamtes erreicht. Andere erhobene Werte wie die der Belastung mit Feinstaub und Ozon lagen auch in den vergangenen Tagen stets im „guten“ oder „sehr guten“ Bereich.
Dem Umweltbundesamt zufolge lag die Luftqualität insgesamt in den vergangenen 100 Tagen in Ostfriesland an 61 Tagen im „sehr guten“, an 38 Tagen im „guten“ und nur an einem Tag im „mäßigen“ Bereich.