Ausblick auf 2024  So geht es bei den großen Emder Dauerbaustellen weiter

Heiko Müller
|
Von Heiko Müller
| 12.01.2024 11:14 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 7 Minuten
Die Emderinnen und Emder werden noch einige Zeit mit einigen Dauerbaustellen in der Stadt leben müssen. Foto: S. Sauer/dpa
Die Emderinnen und Emder werden noch einige Zeit mit einigen Dauerbaustellen in der Stadt leben müssen. Foto: S. Sauer/dpa
Artikel teilen:

Das Festspielhaus am Wall, das Freibad Borssum und die Trogstrecke könnten bald fertig werden. Der Oberbürgermeister äußert sich zum Stand der Dinge und dazu, was schon absehbar ist.

Emden - Das Freibad Borssum, das Festspielhaus am Wall und die Trogstrecke: Falls alles nach Plan läuft und nichts mehr dazwischen kommt, verspricht das neue Jahr für Emden einige Neuerungen und große Ereignisse. Denn: Zumindest zwei von mehreren Dauerbaustellen der Stadt, die seit langem für Aufregung sorgen und reichlich Gesprächsstoff liefern, sollen in der ersten Jahreshälfte abgeschlossen werden. Das hat Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) jetzt in einem Ausblick auf 2024 gegenüber dieser Zeitung angekündigt. Ein Überblick zum Stand der Dinge:

Der Umbau des ehemaligen Neuen Theaters zum Festspielhaus am Wall biegt auf die Zielgerade ein. Foto: J. Doden/Archiv
Der Umbau des ehemaligen Neuen Theaters zum Festspielhaus am Wall biegt auf die Zielgerade ein. Foto: J. Doden/Archiv

Festspielhaus am Wall

Der im Sommer 2021 begonnene Umbau des ehemaligen Neuen Theaters zum modernen Festspielhaus am Wall soll nach mehreren Verzögerungen im kommenden Frühjahr abgeschlossen werden. Einen genauen Termin für die Eröffnung der neuen Kultur- und Kongressstätte gibt es bislang aber noch nicht.

Nach eigenen Angaben hatte sich Kruithoff kurz vor Weihnachten noch einmal selbst ein Bild von dem aktuellen Fortgang der Arbeiten gemacht. Dabei sei ihm die Bedeutung des millionenschweren Projekts erneut bewusst geworden. „Darauf können wir uns richtig freuen und das ist etwas, was in der Region einzigartig ist“, so der Verwaltungschef. Vergleichbares gebe es in Leer oder Aurich nicht.

Kongresse sollen auch Innenstadt beleben

Der Oberbürgermeister erhofft sich von der neuen Kultur- Kongressstätte auch Impulse für die Innenstadt und das Gastgewerbe. Denn der Kongress-Tourismus werde deutlich zunehmen. Es sei nämlich auch ein erklärtes Ziel, das Haus nicht nur für Kulturveranstaltungen, sondern „möglichst vielfältig“ zu nutzen. „Das werden wir auch spüren“, glaubt der Rathaus-Chef.

Es gibt aber einen Wermutstropfen: Der Vorplatz des Festspielhauses könne vorerst nicht so, wie geplant, neu gestaltet werden. Die Außenanlagen würden zunächst nur „angehübscht“ werden können. „Der große Wurf ist erst einmal nicht möglich“, so Kruithoff. Grund sei, dass der Bund das von ihm gemeinsam mit den Ländern im Jahr 2017 aufgelegte Städtebauförderprogramm „Zukunft Stadtgrün“ mittlerweile ausgelaufen ist und deshalb keine Zuschüsse für neue Projekte des Programms „Grünes Band“ in Emden mehr fließen. „Wir müssen deshalb schauen, was sich an anderen Möglichkeiten ergibt, um das perspektivisch schön zu machen“, so der OB. Das sei aber „nichts Kurzfristiges, sondern eine eher mittelfristige Sache“.

Bis Badegäste im Freibad ins kühle Nass springen können oder sich im Gras sonnen können, wird es wohl noch etwas dauern. Foto: Hanssen/Archiv
Bis Badegäste im Freibad ins kühle Nass springen können oder sich im Gras sonnen können, wird es wohl noch etwas dauern. Foto: Hanssen/Archiv

Freibad Borssum

Bei der Sanierung des Freibades in Borssum zeichnet sich nach zweijähriger Bauzeit ebenfalls ein Ende ab, obwohl einige Fachleute aus dem Bäderbau und anderen Branchen der Bauwirtschaft daran noch nicht so recht glauben mögen. Der Oberbürgermeister nannte im Gespräch mit dieser Zeitung einen konkreten Termin, an dem das Bad nach etwa siebenjähriger Pause wieder eröffnet werden soll, und zwar an Pfingsten - dieses Jahres wohlgemerkt. Dieses Fest ist am 18. und 19. Mai.

Er sei „überzeugt davon, dass dieser Termin erreicht wird“, sagte Kruithoff. Er lässt sich aber zugleich noch ein Hintertürchen offen: „Am Ende weiß man natürlich nie, was einem noch blüht und was noch passiert.“ Pleiten, Pech und Pannen gab es bei diesem Projekt ebenso wie bei anderen Dauerbaustellen zur Genüge. Das Freibad war 2017 aufgrund erheblicher Sicherheitsmängel geschlossen worden. Im Oktober des gleichen Jahres war man noch optimistisch gewesen, dass 2018 wieder geschwommen werden kann.

Sanierung begann vor zwei Jahren

Nach langen Diskussionen und mehreren Verschiebungen wurde tatsächlich aber erst im Februar 2022 mit der Sanierung begonnen. Ursprünglich waren mal 2019 und 2020 auch als Beginn im Gespräch gewesen. Ebenso war mal der Juni 2022 als Fertigstellungstermin angedacht worden. Nach dem Beginn der Arbeiten war der Termin der Wiederöffnung mehrmals verschoben worden. Zuletzt war der Mai 2022 genannt worden.

Die Kosten für das Projekt belaufen sich mittlerweile auf etwa vier Millionen Euro. Der Stadtrat hatte zuletzt im März 2023 einen „Nachschlag“ von 400.000 Euro unter anderem für eine neue Filteranlage bewilligt. Ursprünglich hatte die Stadt rund 3,3 Millionen Euro für das Vorhaben veranschlagt. Insgesamt etwa 1,5 Millionen Euro fließen als Zuschüsse vom Bund. Berlin bewilligte die Fördermittel in zwei Chargen, die erste im Jahr 2019, die nächste zwei Jahre später.

Dem Oberbürgermeister, der selbst aus dem Stadtteil Borssum stammt, wird nachgesagt, dass ihm das Freibad besonders am Herzen liegt. In der Vergangenheit hatte Kruithoff aber wiederholt darauf hingewiesen, dass die Entscheidung zur Sanierung vor seinem Amtsantritt im November 2019 vom Rat der Stadt getroffen worden sei. Dennoch sei er „überzeugt von der Idee eines Freibades in diesem Stadtteil“. Mit der Förderung des Bundes sei „die letzte Chance“ ergriffen worden, die Sanierung in Angriff zu nehmen.

Auf der Trogstrecke geht es für Kraftfahrzeuge vorerst noch im Schneckentempo voran. Foto: H. Müller/Archiv
Auf der Trogstrecke geht es für Kraftfahrzeuge vorerst noch im Schneckentempo voran. Foto: H. Müller/Archiv

Trogstrecke

Wann die Trogstrecke fertig wird, ist gegenwärtig noch nicht bekannt. Nach wie vor können Kraftfahrer sie nur im Schneckentempo passieren. Auf einem Viertel dieses insgesamt etwa 400 Meter langen Abschnitts der Emder Südumgehung sei inzwischen die neue Betondecke mit der Drainage aufgebracht worden. Die von der Stadt beteiligten Planungsbüros könnten deshalb aufgrund der Erfahrungen damit abschätzen, wie viel Zeit für die übrige Strecke noch benötigt wird. Dieser Zeitplan liege aber noch nicht vor, sagte der Oberbürgermeister.

Die Verantwortlichen des städtischen Bau- und Entsorgungsbetriebs (BEE) und die von ihnen beauftragen Experten hatten sich Ende 2021 bei der Sanierung des Troges für ein neues Verfahren entschieden, das so bislang noch nie erprobt worden ist. Damit war im Juni des vergangenen Jahres begonnen worden.

Verfahren wurde bislang noch nicht erprobt

Die jetzt gewählte Methode weicht von allen bekannten Regeln der Straßenbaukunst ab und gilt deshalb durchaus als experimentell. Bislang gibt es keine öffentlichen Aussagen darüber, ob es tatsächlich auch funktioniert. „Am Ende gibt es keine Garantie dafür, dass es die nächsten 30 Jahre hält“, sagte der OB. Trotz allen Pfusches während des Baus habe der alte Trog aber immerhin etwa 40 Jahre lang seinen Dienst getan.

Die neue Fahrbahn wird aus Beton gebaut. Dabei soll quasi mit eindringenden Grundwasser gearbeitet werden und nicht mehr dagegen gekämpft werden. Denn unter der Betondecke wird auf der gesamten Fläche eine wellenförmige Drainageschicht in Form von speziellen Matten eingebaut, mit denen sich das Wasser kontrolliert ableiten lässt.

Projekt ist begleitet von Pech und Pannen

Zuvor hatten sich alle Versuche, die Betonschalen und die Zwischennähte des Trogs abzudichten, als unzureichend erwiesen. Die Sanierung war deshalb von Anfang an von Pleiten und Pech begleitet. Zuletzt hatte im Sommer 2022 eine frisch aufgetragene Asphaltdecke Blasen geworfen, weil sich selbst durch einzelne Wassertröpfchen darunter Hohlräume im Asphalt bildeten. Sie dehnten sich bei Sonnenlicht und Wärme aus.

Die Gesamtkosten des Projektes kletterten in der Zwischenzeit auf 8,1 Millionen Euro. Das sind gut drei Millionen mehr als ursprünglich kalkuliert.

Zuschütten ist für den OB keine Option

Dem immer wieder formulierten Vorschlag, den Trog doch zuschütten und einzuebnen, erteilte der Oberbürgermeister erneut eine Absage. Das sei zum einen schon wegen des Eisenbahnkreuzungsgesetzes nicht möglich. Auf der anderen Seite schließt er nicht aus, dass die über den Trog führende Bahnverbindung in den Hafen in Zukunft an Bedeutung gewinnt.

Neue Potenziale im Hafen könnten sich beispielsweise nach Fertigstellung der Friesland-Umgehung ergeben. Hinzu komme, dass die Deutsche Bahn die Gleise des Rangierbahnhofs verlängern will, um dort auch Langzüge aufnehmen zu können. „Von daher ist es schon gut, dass man die Bahnlinie über den Trog in den Hafen erhält. Im Übrigen würde das Zuschütten des Troges kostenmäßig „auch nicht günstig“ sein.

Ähnliche Artikel