EM-Auftakt in Düsseldorf Millionen-Publikum sieht jubelnde Larrelter Handball-Familie
Während der Eröffnungsfeier der Handball-EM war Familie Stomberg im ZDF zu sehen. Die Rekordkulisse von mehr als 53.000 Zuschauern begeisterte viele Ostfriesen und sorgte für Gänsehaut-Momente.
Düsseldorf - Die Handys der Familie Stomberg standen nicht mehr still. Arbeitskollegen, Sportkameraden und Freunde meldeten sich am Mittwochabend, nachdem die ostfriesische Familie während der Eröffnungsfeier der Handball-Europameisterschaft groß im ZDF-Fernsehen zu sehen war. Nach den Dankesworten des EHF-Präsidenten Michael Wiederer schwenkte die Kamera ins Publikum und zeigte die applaudierenden Stombergs – mit Mutter Ute, die jubelnd einen Fanschal des Heimatvereins SV SF Larrelt hochhielt.
Diesen TV-Moment bekam ein Millionen-Publikum mit: 7,6 Millionen Menschen verfolgten am Mittwochabend im ZDF den überzeugenden 27:14-Sieg der DHB-Auswahl gegen die Schweiz. Das bescherte dem Sender die Top-Einschaltquote des Tages und einen Marktanteil von 28,8 Prozent.
Karten für die elfte Reihe
Der spontane „TV-Auftritt“ der Stombergs dauerte nur wenige Sekunden, danach wurde der EHF-Präsident wieder eingeblendet. „Wir hatten unsere Larrelt-Schals einfach mal so mitgenommen – man weiß ja nie“, sagte Sebastian Stomberg und lächelte. Die Familie hatte für das Deutschland-Spiel Karten nahe des Spielfelds ergattern können. „Wir saßen in der elften Reihe. Etwa drei Meter neben uns liefen die Spieler ein“, sagte er. Und so erlebte Sebastian Stomberg mit seiner Ehefrau Silvia, seiner Mutter Ute, seiner Schwester Saskia und seinem Bruder Steffen einen unvergesslichen Abend mit einer TV-Szene für die Ewigkeit. „Die Atmosphäre im Düsseldorfer Fußballstadion war einfach der Wahnsinn“, berichtete Sebastian Stomberg, der – wie er selbst sagt – in einer handballverrückten Familie groß geworden ist und für die Sportfreunde Larrelt in der Regionsliga auf Torejagd geht.
Unter den 53.586 Zuschauern, die für eine Rekordkulisse sorgten, waren neben den Stombergs viele weitere Ostfriesen. So waren aus Emden auch Jens Doden und seine Tochter Annalena in die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt gereist. „Das war ein echter Gänsehaut-Moment, als die Nationalhymne gespielt wurde“, sagte Jens Doden, der für unsere Zeitung nebenberuflich als Fotograf arbeitet. Als er die Merkur-Spiel-Arena betreten hatte, kamen bei ihm Erinnerungen hoch. „Kickers Emden hatte zu Drittliga-Zeiten in dem Stadion gespielt und ich war damals als Fotograf im Einsatz“, berichtete Doden. Ein Handballspiel in dieser riesen Arena war für ihn etwas ganz Besonderes: „Das war ein Super-Erlebnis“, sagte er.
Mit Uwe Schwenker im Fahrstuhl
Der Emder hatte seiner Tochter das Ticket für den EM-Auftakt zu Weihnachten geschenkt. An die zwei Eintrittskarten war er über eine Bekannte gekommen, die die Tickets zum Verkauf angeboten hatte. So war die Freude bei der 17-jährigen Annalena, die selbst begeisterte Handballerin ist und sowohl bei den Damen der Sportfreunde Larrelt als auch bei den A-Juniorinnen des MTV Aurich spielt, am Heiligen Abend riesig. „Das war wirklich mega cool“, sagte sie.
Das Vater-Tochter-Gespann übernachtete in Düsseldorf in einem Hilton-Hotel – und das zu einem fairen Preis, wie Jens Doden verriet. Dort hatte auch Uwe Schwenker, ehemaliger Handball-Nationalspieler, einstiger THW-Kiel-Manager und seit 2014 Präsident des Ligaverbandes der Handball-Bundesliga, eingecheckt. „Er ist mir im Fahrstuhl und beim Frühstück begegnet. Ich habe ihn aber nicht angesprochen, schließlich war er privat da“, sagte Jens Doden.
„Eine ganz andere Hausnummer“
Der Emder und seine Tochter fuhren Donnerstagvormittag nach dem Frühstück zurück nach Ostfriesland – genau wie Merle Schneider und ihre Familie. Die ehemalige Handballerin des mittlerweile aufgelösten SC Ihrhove 07 – der Verein hatte sich vergangenes Jahr auf eine Verschmelzung mit dem SV Sprint Westoverledingen geeinigt – war mit ihrem Lebensgefährten Tido Poppinga, ihrer gemeinsamen sechs Monate alten Tochter sowie mit ihren Eltern nach Düsseldorf gereist. „Das Spiel war eine tolle Erfahrung“, sagte Schneider. „Und durch die einmalige Kulisse in der Arena war das eine ganz andere Hausnummer.“ Schneider und ihr Partner Tido Poppinga, der die Handballsparte bei TuRa Marienhafe leitet, waren zuletzt auch bei der Handball-WM in Polen sowie bei der Europameisterschaft in der Slowakei live bei den Spielen der DHB-Auswahl dabei. „Die Hallen waren jeweils aber nicht so voll besetzt“, blickte Schneider zurück.
Der Düsseldorf-Trip war aber nicht nur wegen der Zuschauermasse für die beiden Ostfriesen außergewöhnlich, sondern auch wegen der wundervollen Umstände: Schneiders Eltern waren nämlich extra mitgefahren, um am Abend auf die kleine Tochter des Handball-Paares aufzupassen. „Es hat alles wunderbar geklappt“, sagte Schneider, die mit Poppinga in Aurich lebt und mittlerweile bei den Damen von Eintracht Ihlow trainiert.
Nach der starken Leistung des DHB-Teams um den überragenden Torhüter Andreas Wolff traut Schneider dem deutschen Team einiges zu: „Nachdem, was ich am Mittwoch gesehen habe, sollte es das Team auf jeden Fall bis ins Halbfinale schaffen.“