Medikamenten-Mangel Auch in Ostfriesland ist Penicillin für Kinder knapp
Erneut gibt es bundesweit zu wenig Arzneimittel für Kinder. Diesmal fehlt es ausgerechnet an Penicillin. Warum das gefährlich werden könnte , erklärt Landes-Apotheker Groeneveld aus Norden.
Berlin/Ostfriesland - Bundesweit beklagen die Kinder- und Jugendärzte erneut Engpässe bei der Versorgung mit Medikamenten. Vor allem Penicillin ist derzeit knapp. „Das ist deshalb so gefährlich, weil Penicillin das beste Antibiotikum gegen Streptokokken-Infektionen ist“, erklärte Michael Hubmann, Präsident des Bundesverbands der Kinder- und Jugendärzte, bereits den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Die Lage ist auch in Ostfriesland ernst, wie Berend Groeneveld, Vorstandsvorsitzender des Landesapothekerverbandes (LVA) Niedersachsen, aus eigener Erfahrung weiß. „Wir haben wirklich Schwierigkeiten, Penicillin für Kinder zu bekommen“, sagt der Inhaber Rats-Apotheke in Norden.
Das Potenzial für die Hersteller, ihre Wirkstoffe an andere Länder zu verkaufen, sei nochmal deutlich gestiegen. Deutschland falle mit seiner geringen Vergütung für Medikamente weiter hinten runter. Eine Preisanpassung habe es bisher nur bei Fiebersäften für Kinder gegeben. Deshalb gebe es dort „im Moment – toi, toi, toi“ keinen Mangel, betont Groeneveld. In anderen Bereichen und bei anderen Wirkstoffen sei alles so knapp wie gehabt.
Nur eine verdünnte Wirkung
Ein Kommentar von Petra Herterich
Homöopathie ist eine Glaubensfrage. Wissenschaftlich belegt ist ihre Wirkung nämlich nicht – und deshalb sollten Globuli auch nicht länger von den Krankenkassen finanziert werden. Zumal es am Ende die Bürger sind, die für diese homöopathischen Dosen zahlen. Einen Placeboeffekt kann man auch mit einem einfachen Bonbon erreichen – wenn man es entsprechend verpackt und wortreich überreicht. Insofern ist der Vorstoß von Gesundheitsminister Karl Lauterbach sicher richtig. Allerdings muss man auch feststellen: Im Gesundheitsbereich gibt es wirklich Wichtigeres zu tun, als Globuli rauszufegen. Und großartige Einsparungen darf man von der Maßnahme auch nicht erwarten, gibt sogar Lauterbach zu. Die gesetzlichen Kassen gaben 2021 für homöopathische Mittel rund 7 Millionen Euro aus, für anthroposophische Arzneimittel knapp 15 Millionen. Insofern kommt die Finanzkraft der geplanten Einsparung auch eher als Globuli daher – als ziemlich verdünnter Wirkstoff. Viel wichtiger wäre es, wenn sich der Gesundheitsminister um die Beschaffung der wirklichen wirksamen und dringend benötigten Arzneimittel kümmern würde. Schon im vergangenen Winter mangelte es an zahlreichen Medikamenten – und jetzt ist es wieder so. Selbst das lebensrettende Penicillin fehlt. Das ist doch wohl das eigentliche Problem.
Es gibt keinen adäquaten Ersatz
Durch die starke Konzentration auf den Preisdruck gebe es in Deutschland einfach nicht mehr genug Hersteller zur Auswahl, so dass es schnell zu Engpässen komme. „Penicillin ist eines der ältesten und best-verträglichen Antibiotika mit einer großen Wirkungsbreite. Deshalb ist es auch schwierig, dafür einen adäquaten Ersatz zu finden“, erklärt Groeneveld.
Für Erwachsene gebe es immer noch Engpässe bei den Herz- und Blutdruck-Medikamenten. „Die sind nach wie vor oft nicht lieferbar“, so Groeneveld. Seine Bilanz: „Außer bei den Fiebersäften hat sich die Lage nicht entspannt.“
Kritik an Lauterbachs „Scheindiskussion“
Deshalb ist für Groeneveld die Ankündigung von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD), die Finanzierung von Globuli und anderen homöopathischen Behandlungen durch gesetzliche Krankenkassen zu streichen, auch „nur eine Scheindiskussion, um von den anderen Problemen abzulenken“. Bereits seit Jahren werde darüber gesprochen, ob Homöopathie von den Kassen bezahlt werden soll. Bisher können Kassen solche Mittel noch als zusätzliche Leistung anbieten und damit für sich werben.
Wissenschaftlicher Konsens ist, dass für homöopathische Behandlungen keine Wirkung nachgewiesen ist, die über den Placebo-Effekt hinausgeht. Lauterbach beziffert die geschätzten Einsparungen durch den geplanten Schritt auf 20 bis 50 Millionen Euro pro Jahr.
Mit Material von DPA