Leitung unter Wasser  Wiesmoorer seit einem Monat ohne Telefon und Internet

Nicole Böning
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Von Nicole Böning
| 10.01.2024 12:35 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Internet und Mobilfunkempfang waren in Mullberg schon immer schlecht. Im Dezember ist in einigen Haushalten auch noch das Telefon ausgefallen. Symbolfoto: Pixabay
Internet und Mobilfunkempfang waren in Mullberg schon immer schlecht. Im Dezember ist in einigen Haushalten auch noch das Telefon ausgefallen. Symbolfoto: Pixabay
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Kunden der Telekom sind in Mullberg seit mehr als einen Monat von der Welt abgeschnitten. Erste Störungen traten am 6. Dezember auf. Wann es für die Betroffenen eine Lösung gibt, steht in den Sternen.

Wiesmoor - Eine Woche ohne Internet? Als Karin P. (alle Betroffenen möchten namentlich nicht genannt werden) aus Mullberg am Freitag in der Zeitung von dem Problem in der Siedlung Theelacht in Norden las, meldete sie sich spontan in der Redaktion. Die Theelachter müssen seit dem 28. Dezember wegen eines Leitungsschadens ohne das neue schnelle Internet auskommen. „Die haben kein Internet, bei uns im Spechtweg sind seit dem 20. Dezember das Internet und das Telefon tot“, sagt Karin P.

Was das für den Wiesmoorer Ortsteil bedeutet, merkt, wer Karin P. erreichen will. Denn auch über das Mobiltelefon ist es schwierig. Wer sie sprechen möchte, schreibt eine Nachricht über WhatsApp. Dann ruft sie zurück. Der Mobilfunk-Empfang ist bei ihr im Spechtweg so schlecht, dass sie zum Telefonieren das Haus verlassen muss. Auch die lange Zeit in der Warteschlange der Störungsstelle ihres Telefon- und Internetanbieters Telekom hat sie zitternd draußen gestanden. Immer, wenn sie sich drinnen aufwärmen wollte, brach das Gespräch ab.

Mobilfunkempfang nur draußen

Das macht deutlich, warum vielen Mullbergern das Festnetztelefon noch so wichtig ist. „Gerade über Weihnachten möchte man doch erreichbar sein und auch selbst einmal jemanden anrufen“, sagt Karin P. – und dabei nicht immer in der Kälte oder im Regen stehen. Über eine Woche ohne Internet kann P. nur lachen. Für die Mullbergerin geht es bereits in die dritte Woche ohne Telefon und Internet. „Dabei hat die Störungsstelle anfangs noch gesagt, dass der Schaden bis zum 22. Dezember behoben ist“, sagt sie.

„Die Ursache der Störung ist ein beschädigtes Kabel“, heißt es zu dem Problem in Mullberg aus der Pressestelle der Telekom – und weiter: „Leider werden derzeit infolge der aktuellen Wetterlage (Hochwasser, Dauerregen, Frost und Schnee) die Reparaturen an unseren Kabeln erheblich erschwert. Schadensorte sind zum Teil nicht begehbar oder können nicht angefahren werden, um die beschädigten Kabel zu reparieren.“ Das seien die Gründe, warum die Entstörung mehr Zeit als üblich in Anspruch nimmt.

Reparatur verzögert sich

Inzwischen steht auch der vor Weihnachten genannte neue Termin, der 17. Januar, auf wackeligen Beinen. Wegen der Witterung könne man keinen genauen Termin nennen, heißt es aus der Pressestelle des Unternehmens. Wann Karin P. wieder im Warmen telefonieren kann, steht also in den Sternen. Dabei hatte P. noch Glück. Andere Telekom-Kunden aus Mullberg sind schon seit dem 6. Dezember ohne Telefon und Internet – also länger als einen Monat.

Dazu zählen zum Beispiel die Anlieger des Klosterwegs. „Wir können seit dem 6. Dezember nicht mehr telefonieren, bei den Schwiegereltern nebenan hat es einen Tag später angefangen“, sagt Petra B., die mit Mann und Kindern hier wohnt und beruflich darauf angewiesen ist, telefonisch erreichbar zu sein. Beim Internet hat Familie B. allerdings weniger Probleme als die Nachbarn. Da das leitungsgebundene Internet so schlecht ist, dass man es kaum nutzen kann, haben sie auf Funk umgestellt. „Das ist allerdings so teuer, dass es wirklich nur für die Schule genutzt wird“, sagt K. Streaming-Dienste wie Netflix kennen ihre Kinder deshalb nur von Freunden.

Schnelles Internet lässt auf sich warten

Hoffnung auf Besserung gibt die Aussicht auf schnelles Internet, das der Landkreis Aurich sogar bis nach Mullberg verlegen will. Als Petra B. das letzte Mal bei Vodafone angefragt hat, die für den Landkreis das Glasfasernetz betreiben werden, erhielt sie aber keine guten Nachrichten: „Ende 2024 bis Mitte 2025 sollen wir hier in Mullberg schnelles Internet bekommen“, sagt B. Vorher wird es wohl nichts werden. Mit erwachsenen Kindern, die für die Schule aufs Internet angewiesen sind, ist das eine schwierige Situation.

Wie viele Mullberger vom aktuellen Schaden betroffen sind, ist noch nicht bekannt. Erfasst werden nur Haushalte, die eine Störung melden, so die Pressestelle. Wie viele genau das inzwischen sind, dazu gibt die Pressestelle keine Zahlen heraus. Ob über die Grenzen Mullbergs weitere Haushalte betroffen sind, ist ebenfalls unbekannt. Stichproben haben ergeben, dass es sich bei den Betroffenen ausschließlich um Telekom-Kunden handelt.

Zahl der Betroffenen nicht bekannt

Bisher sind Telefon- und Internet-Ausfälle im Spechtweg, im Klosterweg und in der Bentstreeker Straße bekannt. In der Bentstreeker Straße bringt der Ausfall auch einen landwirtschaftlichen Betrieb in Bedrängnis. „Das Internet ist hier eh schon so schlecht, dass Landwirte schwer nach den geltenden Anforderungen arbeiten können“, sagt Gerda W. „Wir müssen zum Beispiel Viehmeldungen online durchführen, da warten wir jetzt immer, bis das Funknetz einmal stabil ist.“

„Wir tun alles, um unsere Kundinnen und Kunden wieder möglichst schnell ans Netz zu bringen. Wir stehen mit ihnen in Kontakt und helfen ihnen. Wir haben verschiedene Ersatzlösungen zur Überbrückung angeboten, damit sie für die Dauer des Festnetzausfalls weiterhin telefonisch erreichbar sind, weiter ins Internet können und vor allem im Notfall Hilfe holen können“, heißt es aus der Pressestelle. Das bestätigt Gerda W. „Uns wurde erzählt, dass es Übergangslösungen gibt“, sagt sie. „Ein konkretes Angebot haben wir bisher aber noch nicht erhalten.“

Wasser beschädigt die Leitung

Keiner der Betroffenen, mit denen diese Zeitung gesprochen hat, erhielt bisher ein Schreiben der Telekom. Auch einen Kontakt außer des eigenen Anrufs bei der Störungsstelle habe es mit dem Unternehmen bisher nicht gegeben, sagen alle. Und das, obwohl einige Haushalte seit mehr als einen Monat nicht mehr surfen oder telefonieren können. „Dass so etwas in der heutigen Zeit überhaupt noch möglich ist?“, wundert sich Karin P., die den Fall ans Licht gebracht hat.

Immerhin gibt es eine Erklärung für das Phänomen, dass die Anschlüsse zeitversetzt ausgefallen sind. „In Wiesmoor wurde unser Kabel vermutlich durch eindringendes Wasser beschädigt. Oftmals entstehen Kabelfehler durch Wasser erst mit großem zeitlichen Abstand erst nach Tagen oder manchmal sogar erst nach Wochen“, so die Pressestelle. Vielleicht werden sich also bald noch weitere Haushalte bei der Störungsstelle melden.

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