Osnabrück  Auf leisen Sohlen: Ehrenamtler stärken unsere Gesellschaft in schwieriger Zeit

Thomas Ludwig
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Von Thomas Ludwig
| 09.01.2024 15:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Lagebesprechung am Schutzwall aus Sandsäcken: Ehrenamtliche Helfer der Feuerwehr beim Hochwassereinsatz. Foto: dpa/Philipp Schulze
Lagebesprechung am Schutzwall aus Sandsäcken: Ehrenamtliche Helfer der Feuerwehr beim Hochwassereinsatz. Foto: dpa/Philipp Schulze
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Politische Scharfmacher machen uns weiß, das Land drifte auseinander. Dabei setzen sich Millionen Menschen für das Gegenteil ein. Sie wissen: Unsere Gesellschaft braucht weniger Krawall und mehr Miteinander.

Für die einen ist das ehrenamtliche Engagement von Millionen Menschen im Land lediglich ein Ausdruck des um sich greifenden Staatsversagens; sie sorgten schließlich unentgeltlich für das, was staatliche Institutionen nicht hinbekommen, zum Beispiel die Versorgung von Armen durch die Tafeln.

Die anderen sehen es positiver, das Ehrenamt als ein Beispiel gelebter gesellschaftlicher Solidarität jenseits kapitalistischer Kosten-Nutzen-Rechnungen; materieller Gewinn sei eben nicht alles. Beides stimmt.

Wie wichtig ehrenamtliche Tätigkeiten sind, hat sich einmal mehr beim aktuellen Hochwasser im Norden gezeigt. Ohne die fleißigen Hände der Mitstreiter des Technischen Hilfswerks, der Freiwilligen Feuerwehren und anderer Organisationen hätte die Lage vermutlich noch ganz andere katastrophale Folgen nach sich gezogen. Was für ein intaktes Gemeinwesen von herausragender Bedeutung ist, kommt völlig unspektakulär daher.

Dass Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nun einmal mehr jene ehrenamtlichen Helfer ausgezeichnet hat, die sich mit besonderer Tatkraft oder ungewöhnlichen Ideen hervorgetan haben, ist also uneingeschränkt zu begrüßen; wer wollte da das Haar in der Suppe suchen. Die Ehrung durch das Staatsoberhaupt im Schloss Bellvue ist ein symbolischer Dank an all jene im Land, die ihren Mitmenschen freie Zeit, Empathie und oft in einem langen Leben erworbene Erfahrung schenken. 

Von der Selbsthilfe für Trauernde über Schwimmkurse für muslimische Frauen bis zur Heimat- und Denkmalpflege, dem klassischen Fußballverein und vielem, vielem mehr – das ehrenamtliche Engagement ist ein Gewinn. Und das nicht nur für jene, denen die Tätigkeit zugute kommt, sondern auch für die, die sie ausüben.

Denn das freiwillige Engagement stiftet Sinn und kann jedem Einzelnen das Gefühl vermitteln, gebraucht zu werden. In Zeiten, in denen immer mehr Menschen unter Vereinsamung leiden, ist das nicht hoch genug zu bewerten.

Natürlich darf sich ein Staat aber nicht darauf verlassen, dass selbstlose Ehrenamtliche ursprünglich ihm zugedachte Aufgaben übernehmen. Leider drängt sich heute immer häufiger der gegenteilige Eindruck auf, beispielsweise bei der Integration von Geflüchteten. Das ist keine gute Entwicklung. Da wirkt ein warmer Händedruck staatlicher oder kommunaler Repräsentanten dann plötzlich nicht mehr wie ein ehrlicher Dank von Herzen, sondern deplatziert.

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