Offenburg Tochter von Wolfgang Schäuble erinnert an die letzten Tage mit „Papa“
Die Tochter von Wolfgang Schäuble hat in einer ergreifenden Ansprache Abschied von ihrem geliebten „Papilein“ genommen. Bei der öffentlichen Trauerfeier berichtete sie von den letzten Tagen des Politikers.
Schon vor Weihnachten habe CDU-Politiker Wolfgang Schäuble sein Lebensende nahen sehen, dennoch habe er gescherzt, er sei noch stark genug, um „ein, zwei weltpolitische Probleme zu lösen“. Dies berichtete seine Tochter, ARD-Programmdirektorin Christine Strobl, beim Trauergottesdienst am Freitag in Offenburg. Ex-Bundestagspräsident Schäuble war am 2. Weihnachtstag mit 81 Jahren gestorben. Er hatte Krebs, gab seine Familie dann erst bekannt.
Angst vor dem Sterben habe er nicht gehabt, führte seine Tochter aus. Er wäre mit sich im Reinen. Die 52-Jährige würdigte den Einsatz ihrer Mutter Ingeborg Schäuble, die „über 50 Jahre ihr Leben unserer Familie gewidmet“ habe. Sie zog die vier Kinder auf, während der langjährige Berufspolitiker in Bonn und Berlin deutsche Geschichte mitschrieb. Seit dem Attentat vor 33 Jahren habe sich die heute 80-Jährige aufopfernd um ihren Mann gesorgt. Im Sommer hatte sie sich bei einem Unfall schwer verletzt, sodass dem an Krebs erkrankten Schäuble diesmal die Pflegerrolle zukam.
„Im Dezember hat er den Wettkampf um die Nummer eins auf der Sorgenliste wieder aktiv aufgenommen und sich zweimal für eine Woche in Heilbronn ins Krankenhaus begeben“, sagte Strobl. Dazwischen habe er die letzte Sitzungswoche in Berlin absolviert und an seinem Buch gearbeitet.
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In der Woche vor Weihnachten sei die Familie zu Schäuble ins Krankenhaus gerufen worden, weil sich sein Zustand verschlechterte. Sie habe mit ihm telefoniert: „Er erklärte mir ermattet, es sei kalt, er könne einfach nicht mehr.“ Dennoch verließ er das Krankenhaus, um mit der Familie Weihnachten zu feiern. „Er habe mit Mama telefoniert, die ihm gesagt habe, dass sie ohne ihn nicht leben könne – und dann sei ja klar, dass er nicht sterben könne.“
Am 24. Dezember hätten die Ärzte seinen Gesundheitszustand als ausweglos betitelt. Schäuble habe dann „seine Kräfte gezielt eingeteilt“ für den Gottesdienst und das traditionelle Reh-Essen mit der Familie. Dort habe er sich für die Begleitung beim Leben und Sterben bedankt und seinen letzten Wunsch geäußert:
Dies werden sie beherzigen, versprach Strobl. Mit Blick auf den Sarg schloss sie ihre Rede: „Es ist alles gut – es ist nur ein merkwürdiger Gedanke, dass du nicht mehr da bist.“