Liebe in Ostfriesland  Die Krankheit steht ihnen nicht im Weg – eine ostfriesische Liebesgeschichte

Rieke Heinig
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Von Rieke Heinig
| 05.01.2024 18:06 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Matthias Sperlich und Tina Bohlen haben von ihrer Liebesgeschichte erzählt. Foto: Heinig
Matthias Sperlich und Tina Bohlen haben von ihrer Liebesgeschichte erzählt. Foto: Heinig
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Ihre Geschichte beginnt wie bei so vielen: im Internet. Tina Bohlen und Matthias Sperlich aus Uplengen lernten sich online kennen – und lieben. Ihre schweren Krankheiten standen dabei nicht im Weg.

Uplengen - Am häufigsten lernten sich Paare in Deutschland über gemeinsame Freunde oder das Internet kennen. Das jedenfalls geht aus einer Statista-Umfrage von 2023 hervor. Demnach hätten rund 24 Prozent der Befragten ihren Partner durch den Freundeskreis kennengelernt. Ebenfalls rund 24 Prozent der Umfrage-Teilnehmer hätten angegeben, „ihre Partnersuche über das Internet oder eine Dating-App erfolgreich beendet zu haben“. Auf diese Weise haben sich auch Tina Bohlen und Matthias Sperlich aus Uplengen Anfang 2023 kennengelernt, wie sie im Gespräch mit dieser Zeitung erzählen. Die beiden sind damit Teil einer unregelmäßig erscheinenden Serie dieser Zeitung. Trotz der kurzen Zeit sind sich beide sicher: Sie haben den Partner fürs Leben gefunden. Denn: Beide haben in der Vergangenheit schwere Diagnosen erhalten – und unterstützen sich nun im Alltag so gut es nur geht. Aber von Anfang.

Die Liebesgeschichte von Tina Bohlen und Matthias Sperlich begann – wie so oft – mit einem einfachen „Hallo“. Den Anfang machte Sperlich mit einem Beitrag in einer Facebook-Gruppe, wie er verrät. Es dauerte nicht lange, da antwortete Bohlen auf diesen Post. „Mein erster Gedanke war: ,Oh wie schön, jemand aus Ostfriesland‘.“ Daraufhin schrieb Sperlich ihr eine private Nachricht. „Ich fand einfach, dass sie freundlich aussieht“, erinnert er sich. Schnell entstand ein reger Wechsel an Nachrichten – und ein Gefühl von Vertrautheit. „Deshalb habe ich ihr sehr schnell von meiner Krankheit erzählt“, sagt Sperlich. Der 46-Jährige litt vor einigen Jahren an Darmkrebs, wäre daran fast gestorben. „Er wurde erst sehr spät erkannt. Inzwischen bin ich frei von Krebs, gehe aber regelmäßig zur Nachsorge“, sagt er.

Gegenseitiges Verständnis

Die Nachwirkungen seien noch heute spürbar: „Ich habe eine große Narbe und ein Stoma“, verrät er. Ein Stoma ist ein künstlicher Darmausgang. „Viele Menschen haben mich deshalb in der Vergangenheit abgelehnt“, sagt er. Nicht aber Tina Bohlen. „Ich habe seine Nachricht gelesen und ihm meinen großen Respekt ausgesprochen, weil er gleich mit offenen Karten gespielt hat. Gestört hat mich diese neue Information aber nicht. Ich würde mich als sehr offenen Menschen beschreiben“, sagt die 39-Jährige.

Bohlen selbst leide seit 2019 unter den Folgen eines Arbeitsunfalls. „Ich bin körperlich und geistig nicht mehr belastbar und wurde in der Reha als erwerbsunfähig eingestuft. Das hat zuerst mein Leben zerstört, mein Job war mein Hobby“, so die Uplengenerin. „Dafür hatte dann wiederum Matthias Verständnis und hilft mir inzwischen im Alltag sehr“, sagt sie lächelnd.

Eine besondere Verbindung

Auf viele Nachrichten und Videoanrufe folgte das erste Treffen bei einem Italiener in Westerstede. „Da haben wir endgültig gemerkt, dass da mehr ist“, so Bohlen. Im Juni zog das Paar schließlich zusammen. „Wir ergänzen uns sehr gut, körperlich und seelisch. Was ich wegen meiner Krankheit nicht schaffe, übernimmt Matthias – und andersherum“, sagt Bohlen.

„Es ist befreiend, wie normal Tina und ihre Kinder mit mir umgehen“, beschreibt Sperlich die Partnerschaft. „Tina sieht über die Einschränkungen hinweg“, sagt er. Obwohl sich die beiden erst seit einem Jahr kennen, ist sich das Paar einig: Es fühle sich an, als seien sie schon ein Leben lang zusammen. „Wir haben eine ganz besondere Verbindung. Und das wird auch so bleiben“, ist sich Tina Bohlen sicher.

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