Kult-Kommentator Norbert Ockenga  Ostfriese ist Deutschlands Motorsport-Stimme

| | 05.01.2024 10:52 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Norbert Ockenga aus Spetzerfehn ist seit 25 Jahren Chefkommentator bei Eurosport für Motorsport-Events. Foto: Ortgies
Norbert Ockenga aus Spetzerfehn ist seit 25 Jahren Chefkommentator bei Eurosport für Motorsport-Events. Foto: Ortgies
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Jeder Motorsportfan in Deutschland kennt Norbert Ockenga aus Spetzerfehn. Seit 25 Jahren kommentiert der 52-Jährige für Eurosport und startet mit der Rallye Dakar gleich mit einem Höhepunkt ins Jahr.

Spetzerfehn - Für Norbert Ockenga aus Spetzerfehn beginnt jedes Jahr direkt mit einem Highlight: der Rallye Dakar. Der 52-Jährige fährt bei der an diesem Freitag beginnenden Rennserie, die als bedeutendste Langstrecken- und Wüstenrallye der Welt gilt, zwar selbst nicht mit. Er nimmt für den deutschsprachigen Raum aber eine ganz wichtige Rolle ein – und diese liebt er. Ockenga sorgt als Kommentator dafür, dass die rund 800.000 deutschen Zuschauer der Rallye Dakar beim Sender Eurosport bestmöglich über das Geschehen vor Ort informiert werden – mehr noch.

„Ich will, dass sich die Zuschauer mitgenommen fühlen und einen Eindruck bekommen, wie faszinierend und verrückt diese Rennserie ist“, sagt Norbert Ockenga. „Da fahren Autos, Motorräder und Lastwagen bei 40 Grad in eine Wüste, die nicht für sowas geeignet ist – ohne vorgegebene Strecke. Mit klarem Verstand würde man das eigentlich niemals machen“, schildert der Ostfriese, der von vielen in der Szene sogar als die „Stimme des Motorsports in Deutschland“ bezeichnet wird.

Sebastian Vettel als Jugendlicher getroffen

Als diese wurde er vor ein paar Jahren auch von Norbert Vettel – dem Vater vom mehrfachen Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel – bei einer Begegnung am Rande eines Rennens in Hockenheim genannt. „Das war schon ganz schön zu hören“, erinnert sich der Ostfriese, ehe er ausführt, wie lange er die Familie Vettel bereits kennt: „Sebastian hatte ich erstmals getroffen, als er 2006 als noch Jugendlicher in der Formel 3 und Formel Renault unterwegs war. Eine Sache ist ganz amüsant: Die Eltern von Seb heißen genauso wie meine Frau und ich: Norbert und Heike.“

Für die Familie Vettel war Norbert Ockenga schon damals ein Begriff, nicht umgekehrt. Der in Westerende Kirchloog (Gemeinde Ihlow) aufgewachsene Journalist ist seit 1998 als Motorsport-Kommentator bei Eurosport tätig – also seit 25 Jahren. Norbert Ockenga ist mit der Zeit als „Kult-Kommentator“ und mit seinem extremen Fachwissen selbst zu einem kleinen Star in der Szene geworden. „Im Fahrerlager werde ich ab und zu tatsächlich gefragt, ob man mit mir ein Bild machen könne. Auch ein Passkontrolleur am Flughafen in Frankfurt hatte sich mal vergewissert, ob ich ‚der‘ Norbert Ockenga sei.“

Norbert Ockenga sitzt nahezu täglich mit Mikrofon vor dem Rechner. Der Spetzerfehner kommentiert nicht nur Rennen, sondern hat auch einen Motorsport-Podcast und eine eigene Fachzeitschrift. Fotos: Ortgies, Privat (2)
Norbert Ockenga sitzt nahezu täglich mit Mikrofon vor dem Rechner. Der Spetzerfehner kommentiert nicht nur Rennen, sondern hat auch einen Motorsport-Podcast und eine eigene Fachzeitschrift. Fotos: Ortgies, Privat (2)

Mit Fachzeitschrift und Podcast Marktführer

In seiner Heimat ist er dagegen vergleichsweise unbekannt. „Ostfriesland ist kein Motorsport-Gebiet. Die Bedingungen sind hier einfach zu schlecht, um dem Motorsport wirklich erfolgreich nachzugehen. Entsprechend kommen von hier auch keine Fahrer, die für eine gewisse Strahlkraft sorgen könnten“, sagt Ockenga, der so etwas wie ein journalistischer Motorsport-Tausendsassa ist. Er ist nicht nur Kommentator bei Eurosport, sondern ist auch unter die Podcaster gegangen und schreibt selbst zudem gerne – unter anderem für den „kicker“, aber mittlerweile vor allem für seine eigene Fachzeitschrift „Pitwalk“. Mit dieser und dem Podcast „Pitcast“ ist er jeweils Marktführer.

„Pitwalk ist praktisch das Baby meiner Frau und mir. Wir haben den Verlag selbst gegründet. Wir wollten ein Premium-Produkt für Motorsportfans schaffen, quasi das, was ‚Elf Freunde‘ für Fußballfans ist“, erzählt Norbert Ockenga. Das gelang – und das als Zwei-Personen-Betrieb: Norbert Ockenga kümmert sich um den Inhalt, seine Frau Heike Kleene übernimmt Vieles in der Verwaltung und Organisation. „Für das Layout und Co. haben wir einen externen Grafiker“, sagt Ockenga, der auch auf seiner Internetseite pitwalk.de einiges veröffentlicht.

Ein Foto aus dem Jahr 2006: Norbert Ockenga (links) traf den Formel 1-Weltmeister von 1992, Nigel Mansell, zum Interview am Frühstückstisch.
Ein Foto aus dem Jahr 2006: Norbert Ockenga (links) traf den Formel 1-Weltmeister von 1992, Nigel Mansell, zum Interview am Frühstückstisch.

Rund 150 Einsätze im Jahr für Eurosport

Während der Rally Dakar erscheint vom „Pitcast“ täglich eine neue Folge. Die Rallye Dakar wird zwischen dem 5. und 17. Januar in Saudi-Arabien ausgetragen. Täglich kommentiert Ockenga das Geschehen für Eurosport – ein bis zweimal für eine Stunde. An diesem Freitag strahlt es Eurosport2 zwischen 21 Uhr bis 22 Uhr aus, Eurosport1 von 23.30 bis 0.30 Uhr.

Rund 150 Einsätze im Jahr hat Norbert Ockenga für Eurosport. Es sind aber schon weniger geworden. Einige Jahre lang hatte er nahezu alle von Eurosport übertragenen Motorsport-Events kommentiert, mittlerweile liegt sein Schwerpunkt auf der Rallye Dakar und der Speedway-WM.

In Halbemond als Egon Müller siegte

Der 52-Jährige wollte als Jugendlicher einst auch Rennfahrer werden. „Ich war 1983 in Halbemond dabei, als Egon Müller als bislang einziger Deutscher Speedway-Weltmeister geworden war. Das hat meine Begeisterung für den Motorsport geweckt. Meinen Traum, Rennfahrer zu werden, habe ich schnell verworfen – verwerfen müssen. Ich hatte kapiert, dass ich schon viel zu alt gewesen bin, um mit dem Fahren anzufangen.“ In ihm reifte der Wunsch, Motorsport-Journalist zu werden. Schon während seiner Abi-Zeit schrieb er erste Artikel – das waren Theaterkritiken, Berichte über Kaninchenausstellungen, aber auch über Rennen in Norddeutschland.

Norbert Ockenga (rechts) ist bei Eurosport Kommentator. Als seinen „Co“ hatte er schon viele Gäste, unter anderem „Tatort“-Schauspieler und Hobbyrennfahrer Richy Müller.
Norbert Ockenga (rechts) ist bei Eurosport Kommentator. Als seinen „Co“ hatte er schon viele Gäste, unter anderem „Tatort“-Schauspieler und Hobbyrennfahrer Richy Müller.

Während seiner Ausbildung in einer Steuerkanzlei bot sich Norbert Ockenga die Möglichkeit, bei den Vereinigten Motor-Verlagen Stuttgart ein Volontariat zu machen – also eine journalistische Ausbildung. Diese Chance ergriff Ockenga. Von da an berichtete er nicht nur über nationale Motorsport-Veranstaltungen, sondern über die Königsklasse: die Formel 1. „Auf 20 Fahrer kommen 400 Journalisten. Da muss man sich erstmal durchsetzen.“ Zwischen 1994 bis 2009 war Ockenga regelmäßig bei F1-Rennen auf der ganzen Welt vor Ort. In dieser Zeit lernte er alle „Großen“ der Szene kennen – Michael Schumacher, Nigel Mansell und Co. „Von den aktuellen Fahrern kenne ich nur noch Lewis Hamilton recht gut. Max Verstappens Vater Jos, früher selbst F1-Fahrer, ist ein guter Bekannter von mir.“

Beim eigenen Sporttreiben – Ockenga probierte sich im Fußball, Handball und Boßeln aus – sei ihm „eigentlich egal gewesen, ob wir gewinnen oder verlieren“, sagt er. „Meinen Ehrgeiz habe ich dafür im Journalismus entdeckt. Ich wollte und will immer die beste Geschichte haben.“

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