Hochwasser in der Region  THW-Experte will sich den Vorsprung nicht nehmen lassen

Stephanie Schuurman
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Von Stephanie Schuurman
| 04.01.2024 14:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Schotten dicht machen: Thomas Schlunck (rechts) mit einem Kollegen im Außeneinsatz. Foto: privat
Schotten dicht machen: Thomas Schlunck (rechts) mit einem Kollegen im Außeneinsatz. Foto: privat
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Thomas Schlunck aus Emden ist ein weltweit gefragter Hochwasserschutz-Experte. Jetzt kämpft er in Oldenburg gegen die Wassermassen.

Oldenburg/Emden - Seit Weihnachten ist der Emder Hochwasserexperte des Technischen Hilfswerks, Thomas Schlunck, im Einsatz in Oldenburg. Er beschreibt die Hochwasser-Situation an der Hunte als weiterhin angespannt, aber nicht als aussichtslos. „Wir sind bisher immer vor der Lage“, sagt Schlunck. „Heißt: Wir sind sehr gut aufgestellt, können die Entwicklung frühzeitig erkennen und wollen uns diesen Vorsprung auch nicht nehmen lassen.“

Thomas Schlunck an der Hunte in Oldenburg. Foto: privat
Thomas Schlunck an der Hunte in Oldenburg. Foto: privat

Allerdings stehe noch sehr viel Wasser vor der Stadt. Mittels Hochleistungspumpen aus den Niederlanden werde das Wasser aus der Hunte über den Stau in Oldenburg Richtung Weser abgeführt. „Das sind Mega-Pumpen, viel stärker noch als die des THW“, erklärt Schlunck. 4,5 Kubikmeter Wasser pumpen diese Geräte pro Sekunde. Und davon gibt es vor Ort auch noch Pumpen in Bereitschaft für den Fall, dass erneut Pumpen am Stau ausfallen könnten, so Schlunck.

Bis mindestens Montag im Einsatz

Während der Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) steigende Pegel an den Unterläufen der Flüsse – also auch auf der Hunte – vorhersagt, sprach Schlunck am Mittwochabend, 3. Januar 2024, von eher sinkenden Pegelständen. „Die Pegel sind jetzt nicht mehr so hoch.“ Allerdings betonte auch er, dass sich das mit Blick auf die Wettervorhersage schnell wieder ändern könne. Es bleibe die Sorge vor einer zweiten Flutwelle. Und noch stärker als die Sorge davor, dass die Hunte über die Deichkante schwappen könnte, sei eben, dass die Deiche nach der langen Hochwasserlage derart aufgeweicht sind, dass sie brechen.

So werden die Big-Packs mit Sand in Oldenburg verteilt: Die Bundespolizei unterstützt das THW mit Hubschraubern bei der Deichverteidigung. Foto: privat
So werden die Big-Packs mit Sand in Oldenburg verteilt: Die Bundespolizei unterstützt das THW mit Hubschraubern bei der Deichverteidigung. Foto: privat

„Wir treffen einfach alle möglichen Vorbereitungen“, sagte Schlunck. Notdeiche seien bereits angelegt oder in Arbeit. 24-Stunden-Patrouillen kontrollieren engmaschig die 36 Kilometer Deichlinien. Und der Zenit sei noch längst nicht überschritten. „Bis zum 8. Januar bleiben wir erst einmal in Einsatzbereitschaft. Dann wird neu entschieden.“

Den Ministerinnen die Lage verdeutlicht

Schlunck arbeitet dabei in einem Stab von etwa 30 Führungskräften von Bundeswehr, Feuerwehr, Deutsches Rotes Kreuz und Verwaltungsbeamten. Stabstelle ist die Feuer- und Rettungswache der Stadt Oldenburg im Stadtteil Bürgerfelde. Dort hatten sich Bundesinnenministerin Nancy Faeser und Landesinnenministerin Daniela Behrens (SPD) die Hochwasserlage aus erster Hand erklären lassen. „Ich habe gemeinsam mit einem Kollegen die Situation an den Deichen vorgetragen“, sagte Schlunck. „Die Ministerinnen waren super interessiert. Die Situation ist aber auch spannend.“

So sieht die Lage aus: Thomas Schlunck (links) gibt den Ministerinnen Daniela Behrens und Nancy Faeser (4. und 3. von rechts) Bericht. Foto: privat
So sieht die Lage aus: Thomas Schlunck (links) gibt den Ministerinnen Daniela Behrens und Nancy Faeser (4. und 3. von rechts) Bericht. Foto: privat

Mit Schlunck sind außerdem mehrere Kräfte des THW Emden in Oldenburg bei der Deichverteidigung. Unter anderem die Fachgruppe „Räumen“. Sie unterstützt unter anderem beim Befüllen und Transportieren von Sandsäcken, beim Aufbau von Dammsperren und bei der Logistik. Zudem wird eine mobile Pegelmessanlage aus Emden genutzt, um den Wasserstand der Hunte und der Haaren zu überwachen und Veränderungen möglichst früh zu erkennen. Alle Erkenntnisse fließen letztlich wieder in der Stabstelle in Bürgerfelde zusammen, wo Schlunck mit Kollegen entsprechende Maßnahmen anschiebt.

Und immer wieder Lagebesprechung: Arbeit in der Stabstelle in Oldenburg. Foto: privat
Und immer wieder Lagebesprechung: Arbeit in der Stabstelle in Oldenburg. Foto: privat

Schon viele Hochwasser bekämpft

Für den Emder Experten Thomas Schlunck ist das Hunte-Hochwasser und die Bekämpfung solcher Notlagen nichts Neues. Der 63-Jährige war in Deutschland bereits 1997 beim Oder-Hochwasser, auch an der Elbe 2002 und 2006 im Einsatz. Geholfen hat er auch bei der Hochwasser-Katastrophe in Erftstadt 2021. Beim THW ist Schlunk Hochwasserschutz-Experte, bildet als Dozent auf diesem Fachgebiet auch in der Bundesfachschule in Hoya aus.

Weltweit war Schlunck beim Aufbau des Hochwasser-Schutzes in Goma, Kongo, Russland und Tunesien aktiv. Hauptberuflich war er bis Anfang Dezember 2023 in der Kommunikation im Volkswagenwerk Emden beschäftigt. Und eigentlich wollte er sich seit Eintritt in den Ruhestand verstärkt seinem neuesten Hobby, der Kulturgutrettung, widmen. Dann kam das Hochwasser in die Region und Heiligabend die Anfrage aus Oldenburg.

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