Hamburg Europäischer Haftbefehl gegen Christina Block nach Entführung aus Dänemark
Nach der Kinder-Verschleppung aus Dänemark soll gegen Christina Block laut Medienberichten ein europäischer Haftbefehl erlassen worden sein. Die Tochter von Steakhaus-Gründer Eugen Block hatte bekannt gegeben, dass sich ihr zehnjährige Junge und ihr 13-jähriges Mädchen bei ihr befinden.
Der langjährige Sorgerechtsstreit zwischen der Hamburger Steak-Haus-Unternehmerin und ihrem Ex-Mann Stephan Hensel war in der Silvesternacht eskaliert. Nach Informationen unserer Redaktion verlief der Überfall bei einem Restaurant im dänischen Ort Gravenstein unweit der Grenze zu Deutschland brutal.
Bis zu acht in schwarz gekleidete und mit Sturmhauben maskierte Männer sollen kurz vor Mitternacht Hensel überfallen und dem 49-Jährigen die Kinder gewaltsam entrissen haben. Anschließend sollen die Männer laut Ermittlungsbehörden mit dem Jungen und dem Mädchen in zwei Mietwagen geflohen sein. Es werde wegen Körperverletzung und Freiheitsberaubung ermittelt, hieß es in der Mitteilung der dänischen Polizei an Neujahr.
Nach neuen Ermittlungserkenntnissen sollen die Täter die Tatfahrzeuge bei einer Autovermietung am Helmut-Schmidt-Flughafen angemietet haben. Wie das „Hamburger Abendblatt“ berichtet, sollen israelische Pässe vorgelegt worden sein. Nach der mutmaßlichen Kindesentführung sollen die Fahrzeuge wieder am Hamburger Flughafen abgegeben worden sein. Die Polizei soll die Fahrzeuge mittlerweile sichergestellt haben, um Spuren zu sichern. Von den Tätern scheint nach wie vor jede Spur zu fehlen.
Am 2. Januar gab Christina Block bekannt, dass sich die beiden Kinder in ihrer Obhut befinden. Nach Medienangaben sollen sie sich wieder in Blocks Haus in Hamburg befinden. In der fraglichen Silvesternacht soll sie übrigens gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Gerhard Delling, ehemaliger ARD-Sportmoderator, beim Silvesterball im Grand Elysée Hamburg gewesen ein, wie aus einer Pressemitteilung der Block-Gruppe hervorgeht. Das Fünf-Sterne-Hotel gehört zum Block-Imperium.
Die Staatsanwaltschaft Hamburg wollte sich vorerst nicht weitergehend zu dem Fall äußern. „Die Prüfung des Gesamtsachverhalts durch die Hamburger Strafverfolgungsbehörden dauert weiter an. Vor diesem Hintergrund können derzeit keine weitergehenden Auskünfte erteilt werden“, teilte die Behörde auf Anfrage mit. Laut „Bild“-Zeitung soll der europaweite Haftbefehl an das Hamburger Landeskriminalamt geschickt worden sein. „Die Staatsanwaltschaft soll ihn in einen sogenannten „Aufenthaltsbeschluss“ umgewandelt haben. Das bedeute, dass sie den Behörden immer ihren Aufenthaltsort mitteilen muss, so „Bild“.
Offen bleibt, ob und welche strafrechtlichen Konsequenzen Block drohen und wie es mit den beiden Kindern weitergehen soll. Werden sie wieder nach Dänemark zurückgeführt? Die Hamburger Polizei soll am Mittwochabend die Familie aufgesucht haben. „Wir konnten uns davon überzeugen, dass die Kinder bei Frau Block sind und es ihnen augenscheinlich körperlich gut geht“, teilte eine Polizeisprecherin der dpa mit. An dem Besuch sei auch das Jugendamt beteiligt gewesen.
Aus der gescheiterten Ehe zwischen Block und Hensel waren vier gemeinsame Kinder hervorgegangen. Der Sorgerechtsstreit beschäftigt seit langem die Familiengerichte auf deutscher und dänischer Seite. Block und Hensel machten sich gegenseitig schwere Vorwürfe. Bis Silvester lebte eine Tochter (15) bei der Mutter in Hamburg und drei beim Vater (10, 13, 17) in Dänemark. Zuletzt hatte Anfang 2023 ein dänisches Gericht beschlossen, dass der zehnjährige Junge und das 13-jährige Mädchen bei Hensel bleiben dürfen. Nach Anhörung der Kindersachverständigen kam das Gericht damals zu der Auffassung, dass eine Rückführung zur Mutter ein Risiko für die Kinder darstellen würde.