Kolumne „Digital total“  Der Autor und sein KI-Helfer

Fabian Scherschel
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Eine Kolumne von Fabian Scherschel
| 02.01.2024 08:18 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Fabian Scherschel
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Texte einfach von einer KI schreiben lassen? Für unseren Kolumnisten kommt das nicht infrage. Warum, erklärt er in seinem – garantiert selbst geschriebenen – Artikel.

Mir hat neulich jemand vorgeschlagen, ich solle doch mal zum Test eine Kolumne von einer KI schreiben lassen. Ob das jemand merken würde, lautete die Frage. Wenn ich diese Kolumne mit Hilfe von Machine Learning und einem Large Language Model, den meisten wohl einfach als ChatGPT bekannt, schreiben lassen würde, könnte es gut sein, dass Sie das gar nicht merken. Aber diese Frage stellt sich für mich gar nicht. Ich würde gar nicht auf so eine Idee kommen. Dafür mag ich meinen Beruf viel zu sehr. Und bin zu stolz auf mein Handwerk.

Zur Person

Fabian Scherschel, geboren in Duisburg und nun in Düsseldorf lebend, arbeitete bis 2019 als Redakteur für das Tech-Portal Heise-Online und für die Tech-Newsseite „The H“ in London. Als Freiberufler schreibt er unter anderem für das Magazin „c’t“. Mittlerweile hat der begeisterte Podcaster sein eigenes Projekt: fab.industries. Fernseh- und Radiosender schätzen ihn als Experten.

Stellen Sie sich vor: Sie besitzen einen Oldtimer; Sie lieben das Auto. Und jetzt stellen Sie sich vor, Sie erwischen Ihren Mechaniker, den Sie extra deswegen ausgesucht haben, weil er viel Erfahrung mit genau ihrem Oldtimer-Modell hat, dabei, wie er den ganzen Tag Videospiele spielt, anstatt an Ihrem Auto zu arbeiten. Weil er nämlich einen Supermarkt-Kassierer stattdessen seine Arbeit machen lässt. Der Typ hat zwar keine Ahnung von Autos, aber er sitzt einfach in der Werkstatt, versucht zu raten, was mit dem Oldtimer nicht stimmt und googelt dann einfach die Lösungen. Und dann versucht er, die Probleme anhand von irgendwelchen zufällig gefundenen Youtube-Videos zu lösen.

Ungefähr so wäre es, wenn ich meine Texte von einem Computer-Algorithmus schreiben lassen würde. Dabei interessiert mich gar nicht, ob die dann qualitativ hochwertig wären. Ich würde einfach jede Selbstachtung verlieren. Und Selbstachtung und das Vertrauen seiner Leser sind die einzigen Dinge, an die sich ein Autor klammern kann – abgesehen von einem guten Merlot. Und schließlich wäre das Vertrauen meiner Leser auch schnell weg, sobald ich erwischt würde. In meinem Fachbereich wäre das sowieso unausweichlich. Und dann hätte ich nur noch den Merlot. Von den moralisch-ethischen Problemen, vor denen ein Journalist steht, der das Vertrauen seiner Leser an den Gott der undurchschaubaren Statistik-Algorithmen verkauft, ganz zu schweigen.

Kontakt: kolumne@zgo.de

Zur Person

Fabian Scherschel, geboren in Duisburg und nun in Düsseldorf lebend, arbeitete bis 2019 als Redakteur für das Tech-Portal Heise-Online und für die Tech-Newsseite „The H“ in London. Als Freiberufler schreibt er unter anderem für das Magazin „c’t“. Mittlerweile hat der begeisterte Podcaster sein eigenes Projekt: fab.industries. Fernseh- und Radiosender schätzen ihn als Experten.

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