Osnabrück  Erschöpft, aber glücklich: So erlebten die THW-Mitarbeiter aus Osnabrück die Hochwasser-Einsätze

Claudia Sarrazin
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Von Claudia Sarrazin
| 29.12.2023 18:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Das THW Osnarbück an den Feiertagen und danach unter anderem im Emsland im Einsatz. Foto: THW Osnabrück/Daniel Schmock
Das THW Osnarbück an den Feiertagen und danach unter anderem im Emsland im Einsatz. Foto: THW Osnabrück/Daniel Schmock
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Zwar ist die Region Osnabrück, was die Hochwasserlage angeht, bisher mit einem blauen Auge davon gekommen. Dennoch war das Technische Hilfswerk (THW) Osnabrück in der vergangenen Woche rund 1.000 Stunden im Hochwassereinsatz.

Für das THW begannen die Hochwassereinsätze schon vor Weihnachten: Am Donnerstag, 21. Dezember, unterstützten die ehrenamtlichen Helfer die Freiwillige Feuerwehr in Hasbergen beim Füllen von Sandsäcken. Dies sei erst einmal eine vorbeugende Maßnahme gewesen, berichtete Daniel Schmock vom THW Osnabrück. 

Der erste offizielle Einsatz folgte an Heiligabend: Die THW-Kräfte halfen erst beim Befüllen vorn 600 bis 700 Sandsäcken und verbauten diese anschließen an der Möserstraße zum Schutz eines Gebäudes. „Die Solidarität und Hilfsbereitschaft innerhalb der Blaulichtfamilien und bis hinein in die Familien unserer Einsatzkräfte war enorm“, sagt Schmock. 

Er selbst bekam in der Nacht zum zweiten Weihnachtsfeiertag die Informationen, dass er ab 8 Uhr als Verbindungsperson zwischen dem Innenministerium und dem THW-Stab auf Landesebene im Kompetenzzentrum für Großeinsatzlagen des Landes eingeplant sei. „Dieser Stab kommt sonst meist erst zum Einsatz, wenn die Katastrophe da ist, jetzt wurde er schon vorbeugend einberufen“, berichtete Schmock.

Er arbeitete in Zwölf-Stunden-Schichten mit wenig Schlaf von Montagmorgen bis Donnerstagabend. Seine Aufgaben: Koordination der Landesmittel und Kommunikation mit den THW-Kräften vor Ort. „Wir haben zum Beispiel Pumpen aus Hessen in Hochwassergebiete in Niedersachsen vermittelt“, so Schmock. Er glaubt, dass alle Kommunen – aber auch viele Hausbesitzer – aus den Hochwassern der Vergangenheit gelernt hätten. 

Am frühen Morgen des zweiten Weihnachtstages stand der erste THW-Einsatz außerhalb von Osnabrück an: Zwei Lkw-Fahrer und ein Mitglied des Media-Teams des THW Osnabrück wurden aus Rinteln angefordert. „Die Fahrer konnten vor Ort extrem gut helfen: Sie haben Sandsäcke gefahren, den Ladekran bedient und Staplerfahrten übernommen“, berichtete Schmock: „Das war für sie ein absolut sinnvoller Einsatz, bei dem sie sicherlich noch weniger geschlafen haben als ich.“  

Zwischen den Feiertagen, am Donnerstag, 28. Dezember, stand der aktuell größte Einsatz des THW an: „Gestern sind 50 Helfer ins Emsland gefahren und haben in Lingen zwölf Stunden lang Sandsäcke gefüllt, mit denen die Deiche vor Ort unterstützt werden sollen“, berichtete Schmock: „Auch hier war die Einsatzbereitschaft wieder unfassbar groß.“ Zusätzlich zu den Osnabrückern hätten auch Helfer des THW aus Melle und Bad Essen in Lingen Sandsäcke gefüllt, und ein Mitglied des Media-Teams sei ebenfalls vor Ort gewesen. 

„Nach dem Einsatz sind unsere Leute erschöpft, aber glücklich nach Hause gefahren, weil sie helfen und ein Stück Sicherheit vermitteln konnten“, sagt Schmock. Dies sei allerdings auch nur möglich gewesen, weil die Familien der THW-Einsatzkräfte diese unterstützt und an Weihnachten beziehungsweise zwischen den Feiertagen auf sie verzichtet hätten. Insgesamt seien beim aktuellen Hochwasser 60 THW-Helfer aus Osnabrück parallel im Einsatz gewesen, und diese hätten zusammen 1000 Einsatzstunden geleistet. 

„Es war schön, wieder helfen zu können, und die Übergangslösung unserer Unterbringung hat die Bewährungsprobe bestanden“, resümiert Schmock am Freitag vor dem Jahreswechsel. Denn das THW ist seit Oktober übergangsweise in der alten Hasberger Feuerwache untergebracht. Weil der Platz dort nicht ausreicht, stehen zudem einige Fahrzeuge in einer Hasberger Halle und an der Mindener Straße in Osnabrück. 

Ob das THW am Wochenende des Jahreswechsels noch einmal zum Einsatz kommt, kann Schmock noch nicht sagen: „Das Problem ist, dass der Scheitel steht, und der Boden weiteres Wasser nicht mehr aufnehmen kann.“ Wie alle anderen Einsatzkräfte beobachtet auch das THW die Lage und behält die Regenmengen im Blick. „Wir sind auf alle Fälle einsatzbereit“, so Schmock. 

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