Tierheime in Not Händeringend gesucht – private Pflegestellen für Miez und Mops
Viele Tierheime sind so überfüllt, dass sie zwischenzeitlich einen Aufnahmestopp verhängt haben. Könnten private Pflegestellen eine Alternative sein, die die Tiere bis zur Vermittlung betreuen?
Landkreis Leer - Der Kaminofen im Wohnzimmer verströmt eine wohlige Wärme. Im Körbchen schnurren dicht aneinandergeschmiegt zwei Katzenbabys. Das Paar Inka und Stefan Peters aus Leer geben den Kätzchen ein gemütliches Zuhause mit Familienanschluss – allerdings nur auf Zeit. Sie dürfen bleiben, bis der Verein Streunerkatzen Rheiderland ein dauerhaftes Zuhause für die Kleinen gefunden hat. Solche privaten Pflegestellen könnten in Zeiten überfüllter Tierheime eine Hilfe sein.
Inka Peters hat langjährige Erfahrung mit Katzen. „Neben unseren zehn Hühnern und zwei Hunden haben wir selber acht Katzen“, erzählt die Leeranerin, die seit sieben Jahren Mitglied bei den Streunerkatzen Rheiderland ist. Bereits im dritten Jahr betreut sie kleine Katzen. Allerdings solche, die schon aus dem Gröbsten raus sind und nicht alle paar Stunden ein Fläschchen brauchen. „Weil ich in einer Zahnarztpraxis arbeite, würde ich das zeitlich sonst nicht schaffen“, erklärt sie. Aber auch so ist die Betreuung der Tiere mit einiger Arbeit verbunden. Kätzchen streicheln und ihnen beim Spielen zugucken? Von wegen. Pflegestellen müssen schon etwas mehr leisten.
Viel Arbeit für Tierfreunde
„Da steckt viel Arbeit hinter: Füttern, Katzenklos saubermachen und mit dem Kätzchen im Notfall auch zu Unzeiten zum Tierarzt fahren“, zählt Inka Peters auf. „Alleine könnte ich das gar nicht leisten. Zum Glück unterstützt Stefan mich.“ Insgesamt 27 Katzen aus ihrer Pflegestelle seien 2022 und 2023 in ein neues Zuhause gezogen. Der Abschied von den Tieren sei jedes Mal schwer. „Es ist zwar schön, wenn die Tiere neue Besitzer finden, aber für mich muss es der Abschied schnell gehen: Ab in die Transportbox und tschüss.“ Immerhin hätten die meisten Katzenkinder ein Vierteljahr bei ihr gelebt. Der eine oder andere Schützling sei auch schon in der Familie „hängengeblieben“. „Pflegestellenversagen“ nennen die Tierfreunde dieses Phänomen augenzwinkernd. „Zu manchen Tieren entwickelt man eben eine besondere Bindung“, beschreibt Inka Peters ihre Erfahrungen.
Andrea Pastoor, Vorsitzende der Streunerkatzen Rheiderland, hält private Pflegestellen – auch für den Verein selbst, der sich die Kastration wildlebender Streuner zur Aufgabe gemacht hat – für wichtig. Bei den Kastrastionsaktionen werden immer wieder kranke oder verletzte Tiere gefunden, die medizinisch betreut und in gesicherter Umgebung gesundgepflegt werden müssen – oder es werden Babykatzen ohne Muttertier entdeckt.
Vereine tragen Futterkosten
„Wir haben seit vielen Jahren sechs Pflegestellen, auf die wir uns hundertprozentig verlassen können“, so Pastoor. Bezahlen können die Streunerkatzen den Pflegestellen für die Betreuung nichts. „Wir übernehmen die Kosten für Futter und Tierarzt und unterstützen die Pflegestellen mit Ausstattung wie Körbchen oder einem Kratzbaum.“ Man habe aber auch schon schlechte Erfahrungen mit neuen Pflegestellen gemacht. „Von einer Pflegestelle haben wir uns getrennt, weil die Mitarbeit nicht klappte“, erzählt die Tierfreundin.
Agnes Wiesenhüter vom Pfötchennotdienst Westoverledingen hat ähnliche Erfahrungen gemacht. Es würden sich zwar regelmäßig Interessierte melden. „Aber man muss schon ein bisschen Erfahrung haben und einschätzen können, wann es einem Tier so schlecht geht, dass man damit zum Tierarzt muss.“ Was die räumlichen Voraussetzungen angeht, ist der Verein offen. Pflegestellen, die Freigang bieten können, seien ebenso willkommen wie Tierfreunde, die Zeit und Platz haben, sich um junge Kätzchen zu kümmern. „Das geht auch in einer Wohnung.“ Aber auch Bauernhöfe oder Pferdeställe, wo menschenscheue kastrierte Streuner unterkommen können, würden gesucht. Kätzchen oder kranke Tiere würden häufig bei den Vereinsmitgliedern zu Hause betreut. Ähnlich wie beim Tierschutz Rheiderland. Wenn im Tierheim in Stapelmoor kein Platz mehr ist, nehmen Mitarbeiter häufig Tiere mit nach Hause. Häufig seien das Flaschenkinder, deren Betreuung besonders zeitintensiv sei. „Es wird immer schwieriger, Tierfreunde zu finden, die sich richtig in die Aufgabe hineinknieen“, so die Tierheimleiterin Iris Holzapfel.
Das Tierheim Jübberde kann ebenfalls auf private Pflegestellen zurückgreifen. „Wir haben aktuell zwei Hunde und zwei Katzen mit gesundheitlichen Problemen bei Pflegestellen“, berichtet die 3. Vorsitzende Christina Busch. Eine feste Pflegestelle kann das Heim nutzen, wenn ein bis zwei Mutterkatzen mit Nachwuchs oder mutterlose Kätzchen versorgt werden müssen. „Davon könnten wir noch mehr gebrauchen“, sagt sie, „ansonsten nehmen unsere Ehrenamtlichen und Mitarbeiter auch mal ein Tier mit nach Hause oder übernehmen eine Handaufzucht“, so Busch. Manchmal dürften Katzen auch übergangsweise bei den Findern bleiben, wenn im Tierheim gerade kein Platz sei.