Silvester in Ostfriesland  Die größten Gefahren beim Feuerwerk

Petra Herterich
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Von Petra Herterich
| 27.12.2023 22:42 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Sieht schön aus, ist aber nicht ungefährlich: Silvester kommt es immer wieder zu Verletzungen durch Feuerwerk. Foto: Warmuth/DPA
Sieht schön aus, ist aber nicht ungefährlich: Silvester kommt es immer wieder zu Verletzungen durch Feuerwerk. Foto: Warmuth/DPA
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Feuerwerk ist an Silvester Tradition. Aber immer wieder kommt es dabei zu schweren Verletzungen wie Hörschäden, Augen- und Handverletzungen. Oft leiden Opfer an langwierigen Folgen.

Leer - Raketen und Böller sollen in der Silvesternacht eigentlich nur die bösen Geister vertreiben und das neue Jahr willkommen heißen. „Leider sorgt fahrlässiger Umgang mit Böllern jedes Jahr aufs Neue für schwere Verletzungen“, warnt DRK-Bundesarzt Prof. Peter Sefrin. Dazu gehören Verbrennungen, Augenverletzungen, Hörschäden oder auch abgetrennte Finger. Im Gegensatz zu den Großstädten gebe es in Ostfriesland zwar deutlich weniger Unfälle mit Böllern, dennoch könnten die Verletzungen genauso schwer sein, warnt Dr. Knut Busching, Chefarzt für Hand-, Plastische-, und Ästhetische Chirurgie am Leeraner Borromäus-Hospital.

Böller können Finger abtrennen

„Handverletzungen durch Böller sind oft so schwer, dass sie die Lebensqualität des Patienten langfristig einschränken können“, weiß Busching. Es können Einschränkungen beim Greifen, Halten oder dem Tastsinn bleiben, auch wenn man den Finger wieder annähen könne. Generell rät der Mediziner – ebenso wie auch die Feuerwehr –, Böller gar nicht erst in der Hand, sondern auf dem Boden zu zünden und immer nur einen Versuch zu starten. Raketen sollten nicht in wackeligen Flaschen gezündet werden, man sollte sie in Getränkekisten stellen. Und vor allem: Keine veralteten Böller oder Raketen aus den Vorjahren zünden und erst Recht die Finger von selbstgebastelten oder illegaler Pyrotechnik aus dem Ausland lassen. Sonst kann es sein, dass am Ende ein Finger für immer fehlt.

Wer seine Finger tatsächlich beim Böllern verliert, sollte die abgetrennten Glieder möglichst mit ins Krankenhaus bringen. „Auf keinen Fall sollte man das Amputat aber auf Eis legen oder in ein Wasserbad“, betont Busching. Sonst sei es am Ende aufgeweicht oder erfroren. Am besten man rufe sofort einen Rettungswagen, so Busching. Der Notarzt könne eine Kompresse anlegen, die Blutung stoppen, dann in aller Ruhe nach dem abgetrennten Körperteil suchen und es so verpacken, dass es bei einer Operation gut wieder angenäht werden könne.

Vorsicht mit den Blindgängern

Vorsicht ist auch besonders noch nach Silvester geboten – nicht alle Böller sind wirklich abgebrannt oder explodiert. Sogenannte Blindgänger, die noch nicht gezündet haben, können immer noch explodieren. „Man sollte die Feuerwerksreste nicht einfach lässig vom Hof kicken. Es kann passieren, dass ein Böller noch zündet und womöglich ins Hosenbein fliegt und schwere Verletzungen am Unterschenkel anrichtet“, sagt Busching.

Gefahr durch Wunderkerzen und Tischfeuerwerk

Selbst beim Tischfeuerwerk ist Vorsicht geboten, warnt der Feuerwehrverband Ostfriesland. Es wird in der Regel auch mit einer kleinen Lunte gezündet oder durch das Ziehen an Bändchen. Kleine Stichflammen können entstehen und zu Verletzungen führen. Deshalb gilt auch beim Tischfeuerwerk: Abstand halten!

Auch Wunderkerzen werden laut Feuerwehrverband oft unterschätzt. Sie können immerhin bis zu 1000 Grad Celsius heiß werden – das ist zehnmal heißer als kochendes Wasser. Die Stäbe sind nach dem Abbrennen auch noch eine kurze Zeit heiß und glühen oft. Wer sicher gehen will, dass die Wunderkerze wirklich aus ist, legt sie nach dem Abbrennen am besten in einen Behälter mit Wasser.

Auch Augen und Ohren schützen

Gefährlich können die Funken der Wunderkerzen auch für die Augen sein: Nach einer Umfrage der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) behandelten zum Jahreswechsel 2022/2023 die Kliniken in den fünf Tagen um Silvester bundesweit 838 Menschen mit Augenverletzungen.

Der Funkenflug von Raketen und Wunderkerzen ist für Augen gefährlich. Es gilt: Abstand halten! Foto: Weihrauch/DPA
Der Funkenflug von Raketen und Wunderkerzen ist für Augen gefährlich. Es gilt: Abstand halten! Foto: Weihrauch/DPA

Auch der Lärm des Feuerwerks ist nicht zu unterschätzen: Ein Knaller an Silvester, der in unmittelbarer Nähe explodiert, kann nach Angaben des Berufsverbands der Hals-Nasen-Ohrenärzte eine Lautstärke von 160 bis 190 Dezibel erreichen – ein Martinshorn in zehn Meter Entfernung ist 110 Dezibel laut. Schon ein einziger lauter Knall in der Nähe des Ohrs kann zu einem Knalltrauma führen, warnt die Bundesinnung der Hörakustiker. Durchschnittlich mehr als 8000 Menschen sind jährlich nach Silvester von Verletzungen des Innenohrs durch Böller und Raketen betroffen. Bei etwa einem Drittel von ihnen bleibt ein Hörschaden. Deshalb empfehlen die HNO-Ärzte das Tragen eines Hörschutzes, wenn das Feuerwerk gezündet wird.

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