Verkaufsstart am Donnerstag  Feuerwehr und Naturschützer warnen vor Feuerwerk

Martin Alberts
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Von Martin Alberts
| 27.12.2023 21:37 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Das Feuerwerksunternehmen Comet stellt in Bremerhaven seine neuesten Produkte für das Silvesterfeuerwerk bei einem Musterschießen vor. Foto: Penning/DPA
Das Feuerwerksunternehmen Comet stellt in Bremerhaven seine neuesten Produkte für das Silvesterfeuerwerk bei einem Musterschießen vor. Foto: Penning/DPA
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Donnerstag beginnt der Verkauf von Silvester-Feuerwerk. Umweltschützern ist die Böllerei ein Dorn im Auge – und die ostfriesischen Feuerwehren warnen vor Leichtsinn und geben Tipps zum Umgang.

Ostfriesland/Ratingen - An diesem Donnerstag startet bundesweit der Verkauf von Feuerwerk an Verbraucher. Die Feuerwerksbranche generiert 90 Prozent ihres Jahresumsatzes an den drei Werktagen vor Silvester. Doch Feuerwerk steht immer wieder in der Kritik, nicht nur wegen des Mülls, sondern auch wegen der Umwelt-, Lärm und Gesundheitsbelastung sowie der Verletzungsgefahr.

So warnt auch der Feuerwehrverband Ostfriesland vor den oftmals unterschätzten Gefahren durch Feuerwerk – gerade auch im Zusammenhang mit Alkohol: Um Brände und Verletzungen zu vermeiden, rät der Verband Bürgern in einer Mitteilung zu einem umsichtigen Umgang: „Stellen Sie ihre Feuerwerkskörper mit ausreichend Abstand zu brennbaren Materialien auf und feuern Sie diese nur ab, wenn sie nicht beschädigt sind oder bereits gebrannt haben“, schreibt Manuel Goldenstein, der Sprecher des Arbeitskreises Öffentlichkeitsarbeit beim Feuerwehrverband. Und: „Achten Sie darauf, dass Feuerwerk nicht in oder auf Gebäude fliegt.“

Feuerwehr rät: Im Ernstfall nichts auf das Handy verlassen

Schon vor Beginn der Silvesterparty solle man sich darüber informieren, wo Erste-Hilfe-Material und das nächste Telefon zu finden sind, um im Notfall die Einsatzkräfte zu verständigen. Denn auch wenn heute beinahe jeder ein Handy in der Tasche habe, sei das Mobilfunknetz in der Silvesternacht häufig überlastet, schreibt Goldenstein, der auch davor warnt, Feuerwerk in der Nähe von Tieren zu zünden, da diese in Panik geraten könnten.

Mit Blick auf die Folgen für Tiere und Umwelt erneuerte zuletzt auch die Deutsche Umwelthilfe ihre Forderung nach einem Böllerverbot zum Jahreswechsel. Der Naturschutzbund Hamburg rief dazu auf, freiwillig auf Feuerwerk zu verzichten. Feuerwerk bringe nicht nur eine enorme Belastung durch Feinstaub und viel Müll mit sich, es schade auch den Wildtieren, so der Nabu Hamburg.

Feuerwerks-Branche rechnet auch dieses Jahr mit hohen Umsätzen

„Unkontrolliertes Abfackeln von Raketen und Böllern stresst Mensch und Tier und richtet alle Jahre wieder sinnlose Schäden an“, sagte Antje von Broock, Geschäftsführerin des Bunds für Umwelt und Naturschutz (BUND), laut Mitteilung. „Böllern im Feinstaub ist längst aus der Zeit gefallen. Zeitgemäßer sind Events, an denen alle Spaß haben können und bei denen niemand zu Schaden kommt. Das geht nur mit klaren gesetzlichen Vorgaben. Dass sich die Innenminister bei ihrer Konferenz im Dezember nicht dazu durchringen konnten, ist enttäuschend.“

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Mancherorts in der Region ist das Böllern aber bereits eingeschränkt: Für die niedersächsische Küste teilte die Tourismus-Agentur Nordsee mit, es werde nicht überall auf Feuerwerk verzichtet, „es gibt aber einige Alternativangebote“. Auf der Silvesterparty am Meer in Norddeich etwa sei Feuerwerk verboten, stattdessen werde ein Videofeuerwerk auf einer Leinwand gezeigt. „Auf den Ostfriesischen Inseln ist Feuerwerk zwar nicht komplett verboten, Spiekeroog oder Baltrum beispielsweise bitten ihre Gäste, auf Böller und Raketen zu verzichten.“ Auch in Carolinensiel wird Silvester ruhiger gefeiert – nach einer Corona-Pause inzwischen schon zum dritten Mal. Auf Böller und Raketen soll am historischen Museumshafen nicht nur aus Sicherheitsgründen weitgehend verzichtet werden, sagte Marketingleiter Marcus Harazim. „Wir sind hier am Weltnaturerbe Wattenmeer. Da ist so eine wilde, unkontrollierte Böllerei aus unserer Sicht nicht mehr zeitgemäß.“

Dennoch wird der Verkaufsstart für Feuerwerk am Donnerstag wieder viele Menschen in die Läden ziehen. Der Verband der pyrotechnischen Industrie rechnet mit einer ähnlich hohen Nachfrage wie im vergangenen Jahr. 2022 hatte die Branche einen Rekordumsatz von 180 Millionen Euro erzielt.

Mit Material von DPA