Die Niederländer kommen Bald startet der Böller-Verkauf – was zieht die Niederländer an?
Traditionell kommen viele Niederländer über die Grenze, um Böller und Feuerwerkskörper zu kaufen. Wieso eigentlich und dürfen sie die Sachen überhaupt mitnehmen?
Niederlande/Rheiderland - Ob Baumarkt, Supermarkt oder extra Böllerverkaufshalle: Im Rheiderland sind nach Weihnachten alle auf die Ankunft der Niederländer vorbereitet. Und die Anlaufstellen in Weener und Bunde sind in jedem Jahr bei ihnen unheimlich beliebt. „Wir rechnen mit dem gleichen Ansturm wie im Vorjahr. Die Online-Bestellungen laufen bereits schon sehr sehr gut“, sagt beispielsweise Jan Börgener vom Lagerverkauf Feuerwerk Bunde.
In Nortmoor steht ein neuer Verkauf in den Startlöchern: In niederländischer Sprache schreiben die Verantwortlichen bei Facebook, dass man aus dem Getümmel in Weener und Bunde in einigen Minuten beim „Vuurwerk in Nortmoor“ sein könne. Banner an den Straßen im Rheiderland, ebenfalls teils auf Niederländisch kündigen die Verkäufe an. Zielgruppe eindeutig. In der Regel dürfen Böller und Raketen vom 29. bis 31. Dezember verkauft werden, da Silvester in diesem Jahr aber auf einen Sonntag fällt, darf das Feuerwerk auch schon am 28. Dezember 2023 verkauft werden. Teils warten die Kundinnen und Kunden im Rheiderland beim Discounter, Sonderpostenmarkt oder beim Lagerverkauf Stunden, trotzdem bleibt die Stimmung meist gut und die Kofferräume der Autos – oft mit gelbem Kennzeichen – füllen sich.
Dürfen die Böller denn über die Grenze?
Wenn sich also die Händler unübersehbar auf niederländische Kundinnen und Kunden eingestellt haben, sollte doch nichts gegen einen Einkauf sprechen – oder? Wir haben bei der Politie Eenheid Noord-Nederland nachgefragt. Diese ist zuständig für die Provinzen Drenthe, Friesland und Groningen. Wenn man Feuerwerkskörper in Deutschland kaufen und mit in die Niederlande nehmen wolle, müsse man sicherstellen, dass sie den niederländischen Regeln entsprechen, schreibt Hessel Koster, Sprecher der Polizei. Das betreffe einige Böller und Fackeln, die im Ausland erlaubt sein könnten. Man müsse als Niederländer „im Kopf haben“, dass man diese Feuerwerkskörper nicht mit zurück in die Niederlande nehmen darf. Werde man erwischt, würden die Feuerwerkskörper konfisziert und es drohe eine Geldstrafe.
Wenn man wissentlich oder versehentlich solche Knaller im Auto habe, wenn man zurückfährt, könne man zufällig für eine Fahrzeugkontrolle ausgewählt werden, manchmal gebe es aber auch einen Verdacht und dann werde kontrolliert, so Koster.
Welche Böller darf man nicht mitnehmen?
So schreibt die Niederländische Regierung, die Rijksoverheid: „Eine Reihe von Feuerwerksprodukten sind in den Niederlanden verboten.“ Seit dem 1. Dezember 2020 dürften Feuerwerkshändler und Verbraucher nicht mehr im Besitz einiger Feuerwerksprodukte sein. Sie fallen nach Angaben der niederländischen Regierung unter die Kategorie F3. Diese darf, wie auch F4, weder in den Niederlanden noch in Deutschland ohne behördliche Erlaubnis gekauft oder gezündet werden. Allerdings finden sich bei so manchem Händler Dinge, die die niederländische Regierung als Beispiele für verbotene Feuerwerkskörper nennt, unter F2 im Sortiment: Sogenannte Single Shots (auch Bombenrohre genannt), Matten und Römische Feuer.
Auch bei legalen Böllern gilt: Man darf maximal 25 Kilo pro Haushalt haben und in einem Auto transportieren, schreibt die Regierung. Trotz der Regeln gibt es in den Niederlanden immer wieder Probleme mit dem Feuerwerk. Polizeichef Martin Sitalsing wird auf der Facebookseite der Polizeieinheit zitiert: „Feuerwerk ist ein Thema, mit dem wir uns jedes Jahr beschäftigen.“ Es seien viele professionelle Feuerwerke im Umlauf und Verbraucher dürften sie nicht lagern oder zünden. Diese gefährlichen Feuerwerke dienten auch dazu, „die öffentliche Ordnung zu stören“ und würden auch „manchmal sogar gegen unsere Kollegen und andere Ersthelfer“ eingesetzt. Früher sei ein Dienst zum Jahreswechsel nett gewesen. Jetzt sei es ein Dienst, bei dem Kollegen unterschiedliche „Schutzausrüstung“ tragen müssten und bei dem sie angegriffen werden könnten. Kollegen freuten sich nicht mehr darauf, wird Sitalsing weiter zitiert.
Was ist mit anderen Traditionen?
Das Karbidschießen ist bei den niederländischen Nachbarn mindestens so beliebt wie in manchen Regionen Ostfrieslands. Es ist aber laut Niederländischer Regierung nicht einheitlich geregelt, ob das Schießen erlaubt sei: Die Kommune bestimme das, heißt es dort. Das variiere, es könne zum Beispiel eine Genehmigung erforderlich sein.
Genauso ist es mit Wunschballons, auch Himmelslaternen genannt. Die Feuerwehr in den Niederlanden rät nach Angaben der Regierung entschieden davon ab, die Papierballons mit Flamme steigen zu lassen. Allerdings hänge es von den Kommunen ab, ob sie die Laternen zulassen und welche Regeln da gelten.
Diesseits der Grenze war der Verkauf legal, das Steigenlassen allerdings verboten. Dieser kruden Regelung wurde ein Ende gesetzt: Der Bundesrat stimmte Mitte Dezember dem Verkaufsverbot von Himmelslaternen zu, schrieb die Deutsche Presseagentur. Die Laternen stiegen bis auf eine Höhe von 500 Metern und könnten mehrere Kilometer weit fliegen. Sie könnten aber nicht gesteuert werden und brennen beim Herabsinken mitunter noch, daher gingen von ihnen erhebliche Gefahren aus, hieß es in einer Erläuterung. Das Verkaufsverbot geht zurück auf den Brand des Affenhauses im Krefelder Zoo in der Silvesternacht 2019/20.