Raketen und Böller Rheiderländer Bürgermeister appellieren an Pyro-Fans
In knapp zwei Wochen ist das Jahr 2023 zu Ende. Feuerwerk gehört für viele Silvester dazu. Die Bürgermeister der Rheiderland-Kommunen richten erstmals einen mahnenden Appell an die Bevölkerung.
Rheiderland - Silvester ohne Feuerwerk? Für viele undenkbar. Rheiderländer Pyro-Fans fiebern dem 28. Dezember 2023 schon entgegen. Dann beginnt aber nicht nur der Verkauf von Feuerwerkskörpern. Von denen, die nicht bis Silvester abwarten können, werden dann schon die ersten Böller und Raketen gezündet – zum Ärger derer, die von minutenlangen Kanonenschlägen genervt sind. Wie die Mitglieder und Unterstützer der Anti-Böllerinitiative, die sich im Rheiderland gegründet hat. Gemeinsam mit den Vertretern der Rheiderland-Kommunen Bürgermeister Uwe Sap aus Bunde, Bürgermeister Heiko Abbas aus Weener und Rainer Smidt, allgemeiner Vertreter aus Jemgum, appellieren sie an die Bevölkerung, sich beim Abbrennen von Feuerwerk und Knallern an die gesetzlichen Vorgaben zu halten. Insbesondere, was die Dauer des Abbrennens angeht.
Gesetzlich erlaubt ist das Böllern am Silvestertag und dem Neujahrstag. Damit könne man leben und sich mit verängstigten Tieren darauf einstellen. „Bei uns in der Siedlung werden schon Tage vor Silvester und bis weit ins neue Jahr Böller gezündet“, bringt eine Weeneranerin, die sich bei der Initiative engagiert, das Problem auf den Punkt. Ihren Namen möchte die Frau nicht mehr in der Zeitung lesen. Nachdem bekannt geworden sei, dass sie bei der Initiative aktiv sei, habe man auf ihr Auto gespuckt. Und ihr sei auch schon gedroht worden. „,Ich weiß, wo du wohnst und dass du einen Hund hast. Pass auf, dass da nichts im Garten landet‘ hat jemand zu mir gesagt.“
Petition folgt Unterschriftensammlung
Die neun aktiven Mitglieder der Anti-Böllerinitiative, die nach eigenen Angaben im Hintergrund von vielen Helferlein unterstützt werden, wollen sich nicht einschüchtern lassen und weiter für ihre Sache kämpfen. Sie wissen, dass sie mit ihrer Meinung nicht alleine stehen. Da zeige der Erfolg der Unterschriftensammlung, bei der inzwischen weit mehr als 1000 zusammengekommen sein dürften. „Allein auf die Vernunft der Menschen zu setzen und um Rücksichtnahme zu bitten, wird aber nicht zum Erfolg führen.“ Die Initiative will daher „am Ball bleiben“ und im Jahr 2024 neben der Unterschriftensammlung noch eine Petition starten.
Kein Verständnis haben die Aktiven dafür, dass einige Sonderpostenmärkte auch noch mit Feuerwerksvorführungen Werbung für die neuesten Pyro-Trends machen oder wie Hawo in Möhlenwarf am 28. Dezember 2023 um 0.05 Uhr einen Feuerwerk-Nachtverkauf anbieten.
„Wir sind keine Spaßbremsen“, stellt ein anderes Mitglied der Initiative klar. Es sei nicht ihr Anliegen, Silvesterfeuerwerk von heut‘ auf morgen komplett zu verbieten. „Wenn man mitbekommt, wie in Ballungsräumen Polizisten, Rettungskräfte und Feuerwehrleute mit Feuerwerkskörpern beschossen werden, fragt man sich, wie lange das noch toleriert wird“, sagt ein anderes Gruppenmitglied aus Bunde. Die Anti-Böllerinitiative ist daher fest der Überzeugung, dass auf lange Sicht ein Feuerwerksverbot für Privatpersonen durchsetzen wird. Die Reaktionen der Abstimmungen auf der Facebook-Seite „Bölleralternative“ bestärken die Gruppe.
Alternative als Werbung fürs Rheiderland
Es gibt viele Stimmen, die sich eine Alternative wünschen. Ein Feuerwerk für alle an zentraler Stelle zum Beispiel. Eine Idee für die sich die Bürgermeister der drei Rheiderland-Kommunen durchaus erwärmen könnten. „Wenn man Verzehrstände und Getränkebuden aufstellt, könnte das ein Event mit Alleinstellungsmerkmal werden“, ist die Frau aus Weener überzeugt. Solch ein Angebot im Rheiderland könnte sogar touristisch vermarktet werden und ruhesuchende Menschen anlocken, die der Böllerei im den Ballungszentren entfliehen wollen.“ Doch bis dahin wird es vermutlich noch etwas dauern.
„Wir bitten alle, sich beim Abbrennen von Feuerwerk und Knallern auf diese Tage zu beschränken“, machen die drei Vertreter der Rheiderland-Kommunen in einer gemeinsamen Mitteilung auf ihren Internetseiten im Hinblick auf Silvester und Neujahr deutlich. „Gerade die Explosion von großen und lauten Böllern ist mit einer erheblichen Belastung für die Umwelt, Tiere und auch Menschen verbunden. Damit alle den Jahreswechsel unbeschadet überstehen und gut ins neue Jahr starten, machen wir hiermit noch einmal darauf aufmerksam und wünschen allen Rheiderländerinnen und Rheiderländern einen guten Start ins Jahr 2024.“
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