Diskussion bei Facebook Gibt es zu viel Müll am Deich in der Krummhörn?
Ein Nutzer bei Facebook beschwert sich über zu viel Müll und zu wenig Entsorgungsmöglichkeiten am Deich in der Krummhörn. Was sagt der Oberdeichrichter dazu?
Krummhörn - Kunststoffschnüre, Plastikfragmente, aber auch Kanister, Sprühdosen und Styropor - an der Nordseeküste wird viel Müll angeschwemmt. Hinzu kommt der Müll, den viele Besucher hinterlassen: achtlos weggeworfene Zigarettenstummel oder Verpackungen. Viele Einheimische und Gäste sammeln bei ihren Spaziergängen den Müll auf. Einer von ihnen beschwerte sich kürzlich im sozialen Netzwerk Facebook, dass der Müll an den Deichen in der Krummhörn enorm zugenommen habe.
Der Nutzer schreibt: „Ich laufe fast jeden Tag am Trockenstrand Upleward, Campen und Hamswehrum. Dort liegt so viel Müll welcher angespült würde. Weit und breit kein Mülleimer am Deich oder Strandgutkisten. Traurig. Würden da welche stehen, könnte man immer etwas Müll aufsammeln.“
Das sagt die Deichacht zum Problem
Dass es zu viel Müll am Deich gibt, sieht auch Gerd-Udo Heikens so. Er ist der Oberdeichrichter der Deichacht Krummhörn. „Das Vermüllen der Meere ist ja ein grundsätzliches Problem an der ganzen Küste“, sagt er im Gespräch mit dieser Zeitung. Es sei entsprechend auch an den Deichen der Krummhörn immer „einiges“ zu finden - bedauerlicherweise.
An zahlreichen Stränden und Deichen an Nord- und Ostsee stehen deshalb mittlerweile Strandmüllboxen, in die Urlauber und Einheimische angeschwemmten Müll werfen können. Die Sammelbehälter haben etwa die Größe einer Europalette und einen passenden Gitteraufsatz. Ein Schild informiert über die korrekte Nutzung. „Sie sind also explizit nicht für die Entsorgung von vor Ort durch Besucher entstandenen Müll gedacht“, heißt es zum Beispiel von der Nationalparkverwaltung in Wilhelmshaven.
Keine Strandmüllboxen in der Krummhörn
Bei der Deichacht Krummhörn hat man sich bisher aktiv gegen die Aufstellung solcher Strandmüllboxen entschieden. Dazu sagt Oberdeichrichter Gerd-Udo Heikens: „Wenn wir am Deich mehr Mülleimer aufstellen, kommen Mülltouristen, um ihren Müll dort abzuladen.“ Das habe man bisher verhindern wollen. Zudem fehle auch die personelle Stärke, um überhaupt aktiver gegen das Thema vorgehen zu können.
Zu den Aufgaben der Deichacht gehört es, Teek und Treibholz zu entsorgen. Als Teek bezeichnet man laut Wikipedia Treibgut insbesondere aus Pflanzenresten, das permanent, aber besonders stark nach Sturmfluten, an die Küsten geschwemmt wird und dann einen Flutsaum am Strand beziehungsweise am Deich bildet. Zusammen mit dem sonstigen angeschwemmten Müll kann der Teek Schäden an der Grasnarbe des Deiches verursachen, die den Deichkörper schützt. Der Teek muss also regelmäßig vom Deich entfernt und abgefahren werden. „Bevor wir den Teek entsorgen, wird natürlich der Müll abgesammelt“, sagt Heikens. Und: „Wir lassen keinen Müll auf dem Deich.“ Der Teek und somit der Müll werde allerdings nur zwei bis drei Mal im Jahr von der Deichacht abgesammelt.
Müll mitnehmen statt sich drüber zu ärgern
Gerd-Udo Heikens sieht das Problem pragmatisch: „Ich bin ja auch öfter am Deich und nehme dann einfach Müll mit, wenn ich welchen sehe“, sagt er. Das empfehle er auch denen, die sich bei Facebook über den Müll ärgern.
Auch an der Emder Knock hat das Thema Müll schon für viele Diskussionen gesorgt. Umwelt-Aktivisten hatten in den vergangenen Jahren bereits mehrfach zu einem „Clean up“ dort eingeladen und säckeweise Abfall gesammelt. Schließlich waren 2019 Tonnen auf dem Parkplatz bei dem Restaurant „Strandlust“ von der Stadt Emden und dem Landeshafenbetrieb N-Ports aufgestellt worden. In Corona-Zeiten wurde dann aber beobachtet, dass die Mülltonnen, die eigentlich insbesondere für die Hundehinterlassenschaften gedacht waren, auch für „Partymüll“ missbraucht wurden. Auch wurde kritisiert, dass es zu wenige Leerungen und zu wenige Tonne gab. Seitdem stehen auf dem Parkplatz keine Abfallbehälter mehr. Es gibt nur noch welche Richtung Rysumer Nacken beim als Hundestrand bekannten Abschnitt.
Die rund 55 Kilometer Deichlinie im Bereich der Deichacht Krummhörn werden jährlich mit einem hohen finanziellen Aufwand von rund 800.000 Euro in Schuss gehalten. Dieser Betrag wird durch die 48.000 Deichachtsmitglieder in Form des jährlichen Mitgliedsbeitrags aufgebracht. Der Bereich verläuft von Borssum (Stadt Emden) bis nach Leybuchtpolder (Stadt Norden). Das Verbandsgebiet umfasst die Gemeinden Krummhörn und Hinte, sowie Großteile der Stadt Emden, der Gemeinden Brookmerland und Südbrookmerland. Außerdem gehören zum Verbandsgebiet Teile der Stadt Aurich, der Stadt Norden sowie der Gemeinde Ihlow.
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