Stadtentwicklung in Emden  Auch die Grünen wollen keinen Lidl auf der grünen Wiese

Stephanie Schuurman
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Von Stephanie Schuurman
| 19.12.2023 07:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
So oder so ähnlich soll der neue Lidl-Markt in Wolthusen aussehen: Dieser Filial-Typ wurde zuletzt in Leer neu errichtet. Foto: Archiv
So oder so ähnlich soll der neue Lidl-Markt in Wolthusen aussehen: Dieser Filial-Typ wurde zuletzt in Leer neu errichtet. Foto: Archiv
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Die CDU im Emder Rat hat einen neuen Anlauf gegen die Neubaupläne von Lidl in Wolthusen unternommen. Und das ganz im Sinne der Grünen.

Emden - Es verfestigt sich weiterer Widerstand gegen die Neubaupläne von Lidl in Wolthusen: Nachdem die CDU im Emder Rat mit einem neuen Vorstoß die Stadtbaurätin in der Pflicht sieht, Alternativen für die Pläne mit dem Investor zu suchen, untermauert auch die Gruppe Grünen feat. Urmel ihre ablehnende Haltung gegen das Vorhaben. Auch die Grünen wollen keinen Neubau auf der grünen Wiese, wie Parteisprecher Christian Nützel dieser Zeitung mitteilte. „Unsere Gruppe Grüne feat. Urmel hat sich von Anfang an gegen die Änderung des Bebauungs- und Flächennutzungplanes und des Neubaus des Lidls auf der mesophilen Grünlandfläche ausgesprochen“, sagte Nützel.

An der Uphuser Straße wäre eine direkte Zufahrt möglich: Auch wegen der Verkehrsanbindung favorisiert Lidl in Wolthusen die grüne Wiese. Foto: Schuurman
An der Uphuser Straße wäre eine direkte Zufahrt möglich: Auch wegen der Verkehrsanbindung favorisiert Lidl in Wolthusen die grüne Wiese. Foto: Schuurman

Tatsächlich hatten sich sowohl die CDU als auch Teile der Grünen kritisch in vorbereitenden Stadtentwicklungsausschüssen und letztlich im nicht öffentlich tagenden Verwaltungsausschuss zu dem Vorhaben geäußert.

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Während die CDU aktuell nochmals die Auswirkungen von Bodenversiegelung und CO2-Auswirkungen im Baubereich vor dem Hintergrund der Klimaziele der Stadt Emden voranstellt, argumentiert Nützel jetzt darüber hinaus noch mit einer womöglich höheren Verkehrsbelastung, die mit dem Neubau eines Lidl-Marktes erwartet werden könne. „Eine Verbesserung der verkehrlichen Situation ist für uns nicht ersichtlich, da zu vermuten ist, dass durch die neue Lage des Lidl südlich der Uphuser Straße Bürgerinnen und Bürger vermehrt mit dem Pkw zum Einkaufen fahren“, sagte Nützel. „Dies würde im Gegensatz zu einer gewünschten Verkehrswende stehen.

Keine direkte Zufahrt zum alten Lidl

Lidl Immobilien hat das 2700 Quadratmeter große Areal zwischen Autobahn und alter Wohnbebauung am Kolk für den Bau eines größeren Marktes und Wohnbebauung erworben. Die neue Filiale soll von der Uphuser Straße aus einfacher zu erreichen sein als die alte. Dort schlängelt sich der Autoverkehr zurzeit noch durch die verkehrsberuhigte Folkmar-Allena-Straße, eine direkte Zufahrt von der Uphuser Straße ist aufgrund alter Wohnbebauung nicht möglich. Außerdem sieht Lidl bessere Erweiterungs-Möglichkeiten auf dem neuen, grünen Gelände. Die Kapazitäten seien auf dem alten Grundstück erschöpft, wie es auch schon vor zwei Jahren beim Erstaufschlag zur Änderung des Bebauungs- und Flächennutzungsplans seitens der Stadt hieß.

„Die Rückmeldungen der Wolthuserinnen und Wolthuser, die unsere Gruppe erreichten, präferieren den alten Standort und auch die derzeitige Ladengröße des Lidl und wünschen keinen Neubau auf der Grünfläche“, betonte dagegen jetzt nochmals Gruppensprecher Nützel.

Biotop-Grünstreifen für die Ausnahmegenehmigung

Nützel unterstreicht natürlich wie der CDU-Ratskollege Wilke Held die Klimaschutzbelange. Seit Januar 2021 gilt für artenreiche Grünlandflächen ein besondere Naturschutz. „Grünlandflächen haben einen höheren CO2-Speicher als ein Waldstück in gleicher Flächengröße“, so Nützel. „Es fehlt uns eine Begründung, mit der die Verwaltung hier eine naturschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung erwirken möchte.“

Die Stadt hatte allerdings seinerzeit argumentiert, dass hierbei keine Probleme zu erwarten seien. Schließlich sei auch in einer einstigen Planung zu einem reinen Wohngebiet auf dieser Wiese ein Grünstreifen zugunsten eines Biotops eingezeichnet und auch in der aktuellen Planung sei keine Uferbebauung vorgesehen. Diese Planung war vor dem Grundstücks-Erwerb durch Lidl eingestellt worden. Und Nützel zeigt sich auch weiterhin nicht von den Argumenten der Stadt überzeugt, freut sich allerdings, dass seine Gruppe damit nicht alleine steht: „Wir begrüßen, dass die CDU sich auch gegen eine weitere Versiegelung ausspricht.“

Sowohl SPD als auch FDP hatten allerdings mehrheitlich den weiteren Verwaltungsweg mit ihrer Zustimmung zu den Lidl-Plänen geebnet. Und beide Parteien waren auch im November 2022 der Einladung des Lidl-Portfolio-Managers René Papke zu einer Markt-Neueröffnung nach Leer gefolgt, weil dieser Filialtyp auch in Wolthusen umgesetzt werden soll. Die Grünen hatten diese Einladung mit Hinweis auf Vergrößerungsmöglichkeiten an altem Standort ausgeschlagen. SPD und FDP hatten dagegen Selfies ihrer Fraktionsmitglieder vor dem neuen Lidl-Markt in sozialen Medien gepostet und auch damit Zustimmung signalisiert.