Nicht genug Vorstandsmitglieder Muss das Tierheim in Stapelmoor aufgelöst werden?
Der Tierschutz Rheiderland steht vor einer ungewissen Zukunft. Wenn sich der Verein auflöst, könnte auch die Existenz des Tierheims in Stapelmoor in Gefahr sein. Was passiert dann mit den Tieren?
Weener - Bei den Querelen um den Tierschutz Rheiderland ist kein Ende in Sicht. Bei der Jahreshauptversammlung am 28. November 2023 waren nicht genug Personen bereit, sich in den Vorstand wählen zu lassen. Die Versammlung muss wiederholt und der gesamte Vorstand neu gewählt werden. Gelingt das nicht, müsste der Verein aufgelöst werde und das hätte weitreichende Folgen fürs Tierheim.
Das Tierheim hinterm Deich in Stapelmoor gehört offiziell dem Verein. Der Tierschutz Rheiderland e.V. übernimmt im Auftrag der Stadt Papenburg und der drei Rheiderland-Kommunen Bunde, Jemgum und Weener die Versorgung von Fundtieren. Das ist vertraglich geregelt. „Bei einer Auflösung des Vereins würde das Gebäude zurück an die Kommunen gehen“, so Iris Holzapfel, die bislang nicht nur die 1. Vorsitzende des Vereins war, sondern auch Leiterin des Tierheims. Die Kommunen, die eigentlich für die Aufnahme und Versorgung zuständig sind, müssten dann selbst eine Lösung finden. Allerdings stünde der Tierschutzverein in der Verantwortung, die Tiere an neue Besitzer oder andere Tierheime zu vermitteln.
Versammlung muss wiederholt werden
„Sollte sich ein Verein oder Tierheim auflösen, dann ist meistens genug Zeit, den Verbleib der Tiere zu organisieren“, erklärt Nadia Wattad, Sprecherin des Deutschen Tierschutzbundes. Die Tiere würden dann an Privatleute oder Pflegestellen oder andere Einrichtungen vermittelt. „Die Vereinsbetreuung des Deutschen Tierschutzbundes kann hier ebenfalls unterstützen und zum Beispiel Kontakte zu anderen Tierschutzvereinen oder Landesverbänden herstellen.“
Nach der Satzung des etwa 160 Mitglieder starken Vereins müssen nach der Jahreshauptversammlung alle Posten besetzt sein. Weil das am 28. November 2023 nicht gelungen ist, muss die Versammlung wiederholt werden. „Ich habe mich beim Amtsgericht erkundigt, wie wir weiter verfahren müssen“, sagte Iris Holzapfel auf Nachfrage. Anfang kommenden Jahres soll eine außergewöhnliche Mitgliederversammlung stattfinden. Einziger Tagesordnungspunkt: Neuwahl des Vorstands. „Der Termin steht noch nicht fest“, so Holzapfel. Gewählt werden müssen nicht nur Schriftführer und Kassenwart, der oder die 2. Vorsitzende, sondern auch der oder die 1. Vorsitzende. Normalerweise hätte die Amtszeit von Iris Holzapfel erst Mitte kommenden Jahres geendet. Nach eigenen Angaben wird sie bei der anstehenden Wahl nicht erneut antreten und somit den Weg für einen Neustart freimachen.
Tierheimleitung in der Kritik
Iris Holzapfel steht seit Jahren immer wieder im Kreuzfeuer der Kritik – auch in den sozialen Medien wie Facebook. Ihr wird immer wieder ihre strenge Vergabepolitik vorgeworfen. So manch einen Interessent für Hunde oder Katzen hat sie schon wieder nach Hause geschickt – ohne Tier. „Wenn die Lebensumstände der Interessenten nicht zum Tier passen, kann ich den Leuten das Tier doch nicht einfach mitgeben“, macht sie ihre Philosophie deutlich, die viele Kritiker nicht nachvollziehen können. „Neues Tierleid produzieren, nur damit sich das Tierheim leert? Nein“, sagt sie entschlossen.
Was sie besonders ärgert: „Die Leute, die am lautesten motzen, sind nicht bereit, sich selbst einzubringen.“ Das gelte nicht nur für die Arbeit im Verein, sondern auch für das Engagement im Tierheim. Eigentlich wollte Iris Holzapfel längst im Ruhestand sein. Doch bislang lief die Suche für eine Nachfolge erfolglos. Es gab zwei Bewerberinnen, die dann doch abgesprungen sind. „Auch viele ehrenamtliche Helfer springen nach kurzer Zeit wieder ab, wenn sie merken, wie viel Arbeit das ist“, macht die Tierheimleiterin deutlich, „nach drei Tagen Katzenklos putzen haben die meisten die Nase voll und kommen nicht wieder.“ Neben der Probleme, Personal zu finden, hat der Verein auch finanzielle Sorgen. Aufgrund von Kostensteigerungen für Energie, Futter und die tierärztliche Versorgung kommt der Tierschutz Rheiderland mit den Zuwendungen der Kommunen nicht mehr hin.