Berlin Studie zum Homeoffice: Wer profitiert davon – und wer nicht?
Die Anzahl der Mitarbeiter im Homeoffice ist seit der Pandemie deutlich gestiegen. Wirtschaftswissenschaftler wollten herausfinden, welche Vor- und Nachteile damit einhergehen und wer vom Homeoffice tatsächlich profitiert.
Die Arbeit im Homeoffice hat sich etabliert. Wie blicken Experten auf diese Entwicklung? Wie die „FAZ“ berichtete, präsentierte Nick Bloom, Professor an der US-Universität, bei einem von der Schweizer Unternehmensberatung Fehr Advice veranstalteten Webinar einen Überblick über den aktuellen Stand der Forschung zum Homeoffice und stellte aktuelle Daten vor.
Die neue Normalität besteht darin, von zu Hause zu arbeiten und laut Bloom bleibe dies erhalten, da sowohl Unternehmen als auch Arbeitnehmer davon profitierten.
Man kann Homeoffice insbesondere dann als Vorteil sehen, wenn es als Ergänzung zur Arbeit im Büro fungiert, so Boom. Er empfiehlt, dass Unternehmen ihren Mitarbeitern die Flexibilität geben sollten, zwischen beiden Arbeitsalternativen zu wählen. Diese Arbeitsweise wird von Fachleuten als „hybrides Arbeiten“ bezeichnet.
Um zu ermitteln, welcher Anteil der Arbeitnehmer im Homeoffice tätig ist und aus welchen Gründen, führte der Ökonom Bloom von April bis Mai 2023 eine Umfrage unter 39.000 Beschäftigten aus 34 Ländern durch.
Die überwiegende Mehrheit der Antworten auf die Frage nach den persönlichen Vorteilen des Arbeitens in Präsenz bezog sich auf eine verbesserte und häufigere Kommunikation. 62 Prozent der Befragten betrachten den sozialen Kontakt mit Arbeitskollegen als besonders bedeutsam, gefolgt von 54 Prozent, die die Zusammenarbeit von Angesicht zu Angesicht als wichtig erachten.
Zudem schätzen 30 Prozent den direkteren Draht zum Chef. Auch die klare Trennung zwischen Berufs- und Privatleben sowie die Möglichkeit, mehr Ruhe zu finden, wurden als Gründe genannt, warum die Arbeitnehmer ihre Arbeit im Büro besonders schätzen.
Unternehmen finden im Homeoffice-System laut Bloom eine attraktive Möglichkeit, erhebliche Einsparungen bei Bürogebäuden zu realisieren und somit ihre Kosten zu schmälern. Arbeitnehmer wiederum schätzen das Homeoffice besonders, da es als weniger anstrengend empfunden wird und mehr Zeit für die Familie ermöglicht.
Mitarbeiter hätten außerdem die Möglichkeit, von teuren und zentralen Wohngegenden in kostengünstigere Randgebiete umzuziehen, wo sie im besten Fall sogar über mehr Wohnraum verfügen könnten. Dies könnte auch dazu beitragen, Mitarbeiter mit Rückenleiden oder Behinderungen besser in das Arbeitsleben zu integrieren.
Letztlich könne die gesamte Gesellschaft davon profitieren, wenn das Homeoffice zu einer Verringerung des Verkehrsaufkommens und der Schadstoffemissionen führt sowie mehr Zeit für Familienleben und die Pflege von Angehörigen ermöglicht. Dies könnte sogar zu einem Anstieg der Geburtenraten führen, was besonders für alternde Gesellschaften von Vorteil wäre.
Bloom hebt hervor, dass Arbeiten im Homeoffice auch negative Folgen für manche Wirtschaftsbereiche hat. Darunter sind Grundstückseigentümer in Innenstadtlagen, Taxibetriebe und Geschäfte an Verkehrsknotenpunkten. Daten des internationalen Zahlungsdienstleisters Mastercard zeigen, dass mit der Verbreitung des Homeoffice die Einkäufe und Restaurantbesuche in den Stadtzentren erheblich abgenommen haben.
Vor allem bei Arbeitnehmern mittleren Alters ist Homeoffice und hybrides Arbeiten laut Bloom beliebt. Diese Gruppe schätze die Flexibilität, um Zeit für die Betreuung kleiner Kinder aufzubringen und verfüge bereits über ein ausreichendes Einkommen, um sich eine Wohnung leisten zu können, die genug Raum für ungestörtes Arbeiten bietet.
Im Gegensatz dazu erfreue sich das Homeoffice bei jungen Berufseinsteigern nicht ganz so großer Beliebtheit. Sie streben laut Bloom eine Integration in das Team an und orientieren sich gerne im Büro an erfahreneren Kollegen. Junge Berufsanfänger leben zudem oft in kleinen Apartments oder Wohngemeinschaften, in denen es an Platz für die Arbeit von zu Hause mangelt.