Hilfsprojekt aus Wiesmoor  Wie ein blinder Bettler neues Glück fand

Marion Luppen
|
Von Marion Luppen
| 14.12.2023 18:27 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Klaus Renken – hier auf einem Foto von 2019 – reist regelmäßig nach Ruanda. Foto: Archiv/Nording
Klaus Renken – hier auf einem Foto von 2019 – reist regelmäßig nach Ruanda. Foto: Archiv/Nording
Artikel teilen:

Der Verein Cornea Help aus Wiesmoor gibt Menschen in Afrika das Augenlicht zurück. Allein in diesem Jahr waren es 58 – ein sprunghafter Anstieg im Vergleich zu den Vorjahren.

Wiesmoor - Auch mit 80 Jahren macht Klaus Renken unermüdlich weiter. Der Wiesmoorer ist Gründer und Vorsitzender des Vereins Cornea Help, der seit 2009 Menschen in Ruanda und Kenia das Augenlicht rettet oder zurückgibt. Der Verein sammelt Spenden und finanziert damit Hornhaut-Transplantationen – eine Operation, die in Afrika mangels Spenderhornhäuten und Fachärzten für viele Patienten ein Wunschtraum bleibt. Renken hat viele Jahre lang mit seiner Familie in Afrika gelebt und reist immer noch regelmäßig dorthin. Zuletzt war er im April 2023 in Ruanda.

In dem ostafrikanischen Land leiden viele Menschen schon in jungen Jahren an Keratokonus, einer Hornhautverkrümmung. Das hat zum einen genetische Ursachen und hängt zum anderen mit einer allergischen Bindehautentzündung zusammen, der vernalen Keratokonjunktivitis. Außerdem führe die Lebensweise in ländlichen Regionen zu einer erhöhten Zahl von Augeninfektionen, erklärt Cornea Help. Der Einsatz traditioneller Heilmethoden mache es dann häufig noch schlimmer. Es komme oft zu Pilzinfektionen mit schwerwiegenden Komplikationen und schließlich zum Verlust des Augenlichts. Cornea Help setzt sich mit dem Rwanda Charity Eye Hospital für Aufklärung, Prävention und eine bessere medizinische Versorgung ein.

Sein Sohn begleitete ihn beim Betteln

In einem Weihnachtsprojekt von Cornea Help haben sechs Patientinnen und Patienten eine neue Augenhornhaut erhalten. Einer von ihnen ist Mangano Singiranumwe, ein 34-jähriger Familienvater aus Ruanda. 2020 verletzte er sich bei der Feldarbeit an der Augenhornhaut. In Gesundheitszentren bekam er keine medizinische Hilfe und erblindete schließlich. Sein ältester Sohn begleitete ihn beim Betteln, während seine Frau die Felder der Nachbarn bewirtschaftete, um die Familie zu ernähren.

Diese Menschen bekamen durch das Weihnachtsprojekt von Cornea Help die Chance auf ein neues Leben. Foto: Cornea Help
Diese Menschen bekamen durch das Weihnachtsprojekt von Cornea Help die Chance auf ein neues Leben. Foto: Cornea Help

Durch einen Bekannten kam die Familie schließlich in Kontakt mit dem Rwanda Charity Eye Hospital und dem Verein Cornea Help. Mangano Singiranumwe wurde auf die Warteliste für eine neue Augenhornhaut gesetzt. Im Dezember 2023 wurde er von Klinik-Chef Dr. Piet Noe operiert. Dadurch erhielt er sein Augenlicht zurück und wird nun bald wieder ein normales Leben führen können. „Diese Geschichte ist ein Zeugnis für die Kraft der Gemeinschaft, der Hilfe und der Hoffnung“, schreibt Cornea Help. „Zusammen können wir Veränderungen bewirken und Leben transformieren.“

Von Mitschülern gehänselt

Auch die achtjährige Sadrina aus Ruanda ist Teil der Weihnachtsaktion. Das Kind hat Schwierigkeiten beim Sprechen und Laufen. Es wird von seinen Mitschülern gehänselt und auch körperlich angegriffen. Dadurch erlitt Sadrina im März 2023 eine Augenverletzung. Die Mutter versuchte, das Kind mit Heilpflanzen zu behandeln, und kam nicht weiter. Deshalb suchte sie im Juni 2023 ärztliche Hilfe.

Dieses Foto zeigt Sadrina mit ihrer Mutter nach der Augenuntersuchung. Foto: Cornea Help
Dieses Foto zeigt Sadrina mit ihrer Mutter nach der Augenuntersuchung. Foto: Cornea Help

Von einem Gesundheitszentrum in Byumba wurde Sadrina an das Rwanda Charity Eye Hospital überwiesen. Die Untersuchung zeigte, dass die Hornhaut zwar unverletzt ist, das Kind jedoch dringend medizinisch behandelt werden muss. Eine Vertraute des Vereins vor Ort übernimmt nun die Betreuung von Sadrina und stellt sicher, dass sie ärztliche Hilfe bekommt. Außerdem suche sie eine neue Schule für das Kind, teilt der Verein mit.

Seit seiner Gründung im Jahr 2009 hat Cornea Help nach Angaben Renkens 173 Hornhauttransplantationen ermöglicht, davon allein 58 in diesem Jahr. Wie kommt es zu diesem sprunghaften Anstieg? Renken erklärt es: Seit diesem Jahr seien in Ruanda alle Menschen krankenversichert. Dadurch müsse Cornea Help nicht mehr die kompletten Kosten der Behandlung tragen, beispielsweise für die Narkose, sondern nur noch die Hornhäute selbst bezahlen. Sie kommen von einer Augenbank in den USA. „Wir können also nun noch mehr Menschen helfen“, sagt Renken. Das ist für den 80-Jährigen das schönste Weihnachtsgeschenk. Wenn seine Gesundheit es zulässt, will er bald wieder nach Afrika reisen.

Ähnliche Artikel