Stadtentwicklung in Emden  CDU nimmt Stadtbaurätin zu Lidl-Neubau in die Pflicht

Stephanie Schuurman
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Von Stephanie Schuurman
| 15.12.2023 08:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Noch weitgehend unberührt: Die grüne Wiese an der Uphuser Straße, flankiert von Autobahn und Ems-Jade-Kanal. Hier will Lidl eine neue Filiale bauen und Raum für Wohnhäuser schaffen. Foto: Schuurman
Noch weitgehend unberührt: Die grüne Wiese an der Uphuser Straße, flankiert von Autobahn und Ems-Jade-Kanal. Hier will Lidl eine neue Filiale bauen und Raum für Wohnhäuser schaffen. Foto: Schuurman
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Seit zwei Jahren wird an den Plänen für einen großen Lidl-Markt und einem Wohngebiet auf der grünen Wiese in Wolthusen gefeilt. Die Christdemokraten erneuern ihre Kritik zu diesem Vorhaben.

Emden - Der CDU-Kreisverband Emden unternimmt einen neuen Anlauf, um auf die Neubaupläne des Lebensmitteldiscounters Lidl im Emder Stadtteil Wolthusen Einfluss zu nehmen. Zwei Jahre nach Bekanntwerden des Vorhabens nimmt der Kreisverband dabei jetzt auch Stadtbaurätin Irina Krantz in die Pflicht. „Ginge es alleine nach der CDU, sollte die Stadtbaurätin gemeinsam mit dem Nahversorger am bestehenden Standort nach Vergrößerungsoptionen suchen“, sagte CDU-Kreisvorsitzender Wilke Held dieser Zeitung.

Anlass ist ein aktueller Grundsatzbeschluss des CDU-Kreisverbandes zur Unterstützung des Ziels der Stadt Emdens, 2050 klimaneutral zu sein. „Das bedeutet: Wir können nicht alles weitermachen wie bisher und müssen insbesondere im Bereich Versiegelung und Bauen umdenken“, sagte Wild. „Der Preis für das Bauen auf mesophilem Grünland ist aus guten Gründen gestiegen.“

Grünes Licht gab es im VA

Dieses Klimaziel unterstützen zwar alle irgendwie. Doch bei der strikt ablehnenden Haltung gegen das Vorhaben des Lebensmittelriesen, auf der grünen Wiese groß neu zu bauen, steht die CDU alleine da. Grundsätzlich hatten die sonstigen Ratsfraktionen schon im Februar 2022 grünes Licht für den Lidl-Umzug von der Folkmar-Allena-Straße an die Uphuser Straße gegeben. Im nichtöffentlichen Verwaltungsausschuss (VA) hatten außer der CDU alle Parteien den dazu notwendigen Änderungen im Flächennutzungsplan und Aufstellung des Bebauungsplans zugestimmt.

Neben dem Neubau einer sehr viel größeren Lidl-Filiale soll auf dem 2700 Hektar großem Areal im Grenzgebiet zwischen Wolt- und Uphusen auch Wohnbebauung entstehen. Bedenken hatten lediglich die Grünen bereits im Dezember 2021 im Stadtentwicklungsausschuss geäußert hinsichtlich einer womöglich nicht ausreichenden Biotopschutzplanung, wonach nur ein Grünstreifen am Ems-Jade-Kanal unberührt bleiben soll.

„Keine Mehrheit in der Bevölkerung“

Und auch den Entscheidungs-Vorgang im VA kritisierte Held jetzt erneut: „Sowohl FDP als auch SPD verkündeten den Neubau in den sozialen Medien bereits als beschlossene Sache, obwohl dazu bisher nie öffentlich abgestimmt wurde“, sagte Held. „So geht dieser Entscheidungsfindungsprozess an den Menschen in Wolthusen vollkommen vorbei, obwohl wir Christdemokraten keine Mehrheit in der Bevölkerung für ein neues Baugebiet in Wolthusen sehen.“

Kämpft weiter gegen die Neubaupläne in Wolthusen: Wilke Held. Foto: Archiv/Päschel
Kämpft weiter gegen die Neubaupläne in Wolthusen: Wilke Held. Foto: Archiv/Päschel

Das Argument, zusätzlichen Wohnraum zu schaffen, zählt für den CDU-Kreisverband außerdem nicht, so Held. „Unser Ziel ist, weitere Versiegelungen zu vermeiden und begonnene Projekte in der Innenstadt, auf dem Ültje-Gelände und in Conrebbersweg-West zu Ende zu bringen. Die Bebauung der Grünen Wiese in Wolthusen zahlt aus unserer Sicht zum aktuellen Zeitpunkt nicht auf die Ziele der Stadt ein.“

Mitte 2024 könnte der Bau losgehen

Die für den Neubau der Filiale vorgesehene Wiese liegt noch unberührt zwischen Autobahn und alter Wohnsiedlung. Nur die dort zuvor grasenden Kühe sind inzwischen verschwunden, was aber nicht im Zusammenhang mit den Lidl-Plänen stehen muss. Das Areal ist längst im Besitz von Lidl-Immobilien. Und Unternehmenssprecherin Julie Simone Berger hatte erst vor wenigen Wochen gegenüber dieser Zeitung bestätigt, an den Planungen für den Bau einer „neuen, modernen Einkaufsstätte mit attraktiven Einkaufsbedingungen“ festzuhalten. Sie deutete an, dass es Mitte kommenden Jahres losgehen könnte.

Auf Nachfrage hatte zudem die Stadt Emden bestätigt, dass man nach wie vor davon ausgehe, dass sich die „Planungen beim Investor in der Konkretisierung“ befänden. Außerdem seien noch verschiedene Gutachten für die Flächennutzungsplan-Änderung sowie den Bebauungsplan in Arbeit, wie beispielsweise zum Verkehr und den Schallimmissionen. „Sobald Unterlagen zur Öffentlichkeitsbeteiligung in das Verfahren eingereicht werden, wird das Vorhaben erneut im Stadtentwicklungsausschuss behandelt“, kündigte Stadtsprecher Eduard Dinkela an.

Abbruchbeton setzt CO2 frei

CDU-Kreisverbandmitglied Luise Fauerbach-Geiken hatte seinerzeit auch Alternativplanungen auf der bereits vorhandenen, versiegelten Fläche gefordert. Heißt: Umbau oder Erweiterung der vorhandenen Filiale. Stattdessen soll das noch vergleichsweise junge, aber zu klein gewordene Filialgebäude zugunsten von neuen Wohnhäusern abgerissen werden. Auch Abbruchbeton gilt längst als Klimasünder.

Die Pläne für die Grüne Wiese lehnt die Architektin und Stadtplanerin Fauerbach-Geiken grundsätzlich ab. „Wiesenweidenfläche ist ein wertvoller Natur- und Landschaftsraum“, hatte sie betont. Bei der Stadtentwicklungspolitik gehöre nach Auffassung der Kreispartei heute „mehr denn je aufeinander abgestimmte Berücksichtigung des demographischen Wandels und des Klima- und Ressourcenschutzes dazu“.

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