Hamburg  Studie: Ist fettarme Milch wirklich gesünder?

Henry Borgelt
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Von Henry Borgelt
| 11.12.2023 20:44 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Vollmilch gilt bei vielen Menschen als ungesünder als fettreduzierte Alternativen - aber stimmt das? Foto: dpa | Rolf Vennenbernd
Vollmilch gilt bei vielen Menschen als ungesünder als fettreduzierte Alternativen - aber stimmt das? Foto: dpa | Rolf Vennenbernd
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Bei der Wahl zwischen fettarmer Milch und Vollmilch sind viele Menschen unschlüssig. Lange galt fettreduzierte Milch als gesünder, doch jüngste Studien sorgen für Zweifel. Könnte vielleicht sogar Vollmilch die bessere Alternative für Sie sein?

Für viele heißt ein Abwägen zwischen Vollmilch und fettarmer Milch gleichzeitig: besserer Geschmack oder die vermeintlich gesündere Alternative. Gerade bei der nahezu fettfreien Milch beklagen viele Konsumenten den schlechteren Geschmack im Vergleich zur Vollmilch.

Doch oft werden fettarme Milchprodukte trotzdem aufgrund der vermeintlichen gesundheitlichen Vorteile gewählt. Nun zweifeln mehrere Untersuchungen diese gesundheitlichen Vorteile der fettarmen Milch an und nicht nur das: Es könnte sogar vorteilhaft für die Gesundheit sein, Vollmilch und vollfette Milchprodukte zu verzehren.

Eine Untersuchung, deren Erkenntnis sich hartnäckig in der Bevölkerung hält, sei die, dass fettarme Milchprodukte das Risiko für Herzkrankheiten reduzieren, erklärte der Kardiologe und Professor Dariush Mozaffarian der „New York Times“. Doch seit dem habe es wenige weitere Untersuchungen gegeben, die gesundheitliche Vorteile von fettarmen Milchprodukten belegen konnten. Gesundheitliche Vorteile gebe es in vielen Milchprodukten, egal ob fettreduziert oder nicht.

Auch die Annahme, dass Menschen, die vollfette Milchprodukte konsumieren, schneller Gewicht zunähmen, lasse sich nicht durch entsprechende Studien bestätigen, erläuterte der Experte. Stattdessen belegen gleich mehrere Studien, dass es gesundheitliche Vorteile bieten kann, vollfette Milchprodukte zu verzehren.

Eine Studie aus 2018, bei der insgesamt 136.000 Probanden in verschiedenen Ländern über neun Jahre beobachtet wurden, belegt einige gesundheitliche Vorteile vom Konsum von Milchprodukten. So sind Menschen, die in diesem Zeitraum täglich Milchprodukte verzehrten, 22 Prozent weniger anfällig für eine kardiovaskuläre Krankheit und hatten ein um 17 Prozent verringertes Sterberisiko als Menschen, die keine Milchprodukte verzehrt hatten. Hier gab es keinen Unterschied, ob fettarme oder vollfette Milchprodukte konsumiert wurden.

Anders sind die Erkenntnisse einer anderen Studie aus dem Jahr 2018. In einer Zusammenfassung bestehender Studien konnten Forscher belegen, dass Menschen mit einem höheren Milchfettgehalt im Blut eine 29 Prozent geringere Wahrscheinlichkeit haben, an Typ-2-Diabetes zu erkranken, als Menschen mit einem geringeren Milchfettgehalt im Blut.

Auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) weist darauf hin, dass „der tägliche Verzehr von einer Portion fermentierter Milchprodukte (ca. 150 g/Tag) wie Joghurt, Kefir oder Buttermilch das Risiko für Diabetes mellitus Typ 2 senken könnte.“

Trotz dieser Studien könne man Milchprodukten trotzdem keine krankheitshemmende Wirkung nachweisen, erklärte der Kardiologe Dariush Mozaffarian. Andere Studien weisen sogar auf ein erhöhtes Krebsrisiko durch pasteurisierte Milch hin.

Laut den Forschern ist entscheidend, welche Milchprodukte überhaupt konsumiert werden, egal mit welchem Fettgehalt. So enthalten fermentierte Produkte wie Joghurt und Käse wertvolle Vitamine, wie beispielsweise das Vitamin K.

Zudem seien härtere Käsesorten wie Cheddar oder Parmesan möglicherweise ebenfalls besser als weichere Käsesorten, da durch die Härte eine gleichmäßigere Abgabe der Fette ins Blut gewährleistet werden könne, meint Marie-Caroline Michalski, Forscherin am nationalen Forschungsinstitut für Landwirtschaft, Ernährung und Umwelt (INRAE) in Frankreich. Diese Käsesorten seien auch für ein länger anhaltendes Sättigungsgefühl verantwortlich.

Dennoch sollte man auf eine ausgewogene Ernährung achten, denn im Vergleich hat fettarme Milch deutlich weniger Kalorien als Vollmilch. Zudem spielt der Cholesterinspiegel eine Rolle. So kann ein erhöhter Wert eine andere Ernährung erfordern.

Generell empfiehlt das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL): „Für die tägliche Aufnahme eines Erwachsenen werden 200 – 250 g Milch und Milchprodukte und 50 – 60 g (circa zwei bis drei Scheiben) Käse als ausreichend angesehen.“

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