Weihnachtsgeschäft  Wie ostfriesische Einzelhändler der Konsumflaute trotzen

Martin Alberts
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Von Martin Alberts
| 11.12.2023 17:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Passanten gehen an einem geschmückten Verkaufsstand vorbei. Foto: Ross/DPA
Passanten gehen an einem geschmückten Verkaufsstand vorbei. Foto: Ross/DPA
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Bundesweit beklagen Händler schlechte Umsätze im Weihnachtsgeschäft. In Ostfriesland ist die Lage deutlich entspannter. Einen Trend beim Kauf der Geschenke spüren aber auch sie.

Ostfriesland/Hannover/Berlin - Der Einzelhandel in Niedersachsen blickt auf ein umsatzschwaches Jahr zurück. Das Weihnachtsgeschäft werde das insgesamt schwache Jahr nicht mehr herausreißen können, befürchtet der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Niedersachsen-Bremen, Mark Alexander Krack. „Es ist zu erwarten, dass nicht mehr die Plusraten wie in der Vergangenheit erreicht werden“, sagte er. Und auch in einer Trendumfrage des Handelsverbands Deutschland (HDE) äußerten sich fast 60 Prozent der befragten mehr als 350 Handelsunternehmen unzufrieden mit der jüngsten Umsatzentwicklung.

In Ostfriesland sieht die Lage hingegen deutlich positiver aus: Von schlechter Stimmung könne keine Rede sein, sagte Johann Doden, Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbands Ostfriesland, unserer Redaktion. Die Händler würden von vielen Leuten berichten, die in die Geschäfte kommen – trotz gestiegener Preise durch die Inflation und Verunsicherung hinsichtlich der Energiekosten. Doden machte allerdings eine Einschränkung: Profitieren würden Läden dort, wo den Kunden auch über den Einkauf hinaus etwas geboten werde – etwa ein Weihnachtsmarkt oder Aktionen im Laden selbst. „Nur die Tür aufzumachen, könnte vielleicht ein bisschen wenig sein“, sagte Doden.

Feiertage liegen dieses Jahr für die Einzelhändler günstig

Das ist auch beim Kaufhaus Behrends in Wiesmoor angekommen, vor dem es einen „kleinen Weihnachtsmarkt“ mit Buden gebe, in denen Vereine etwa Würstchen und Punsch verkaufen. Die Resonanz sei durchweg positiv, schreibt Marlen Ackermann vom Marketing des Kaufhauses auf Anfrage. Und auch der Umsatz stimme: „Trotz der steigenden Preise können wir bisher ein gutes Weihnachtsgeschäft verzeichnen.“

Optimistisch mit Blick auf die kommenden zwei Wochen sowie die Tage zwischen Weihnachten und Silvester ist auch Andreas Fricke, Geschäftsführer des Modehauses Leffers und Vorsitzender der Werbegemeinschaft Leer. „Mit den Umsätzen sind wir zufrieden“, sagte er unserer Redaktion. Der Weihnachtsmarkt locke viele Menschen in die Leeraner Innenstadt. „Man muss feststellen, dass die Frequenzen sehr gut sind.“ Zudem profitiere der Einzelhandel im diesjährigen Weihnachtsgeschäft davon, dass die Feiertage günstig liegen. Da Heiligabend und Silvester jeweils an einem Sonntag seien, habe man im Dezember fünf Sonnabende, um die Geschäfte zu öffnen. Das sei „sehr vielversprechend“, sagte Fricke.

Kunden kaufen weniger, dafür aber teurere Geschenke

Klar ist aber auch: Ein Besuch auf dem Weihnachtsmarkt sorgt nicht automatisch dafür, dass Menschen auch in den Geschäften in der Nähe ihr Geld ausgeben. „Sicherlich ist nicht jeder, der in die Innenstadt kommt, ein potenzieller Käufer“, sagte Doden. Laut Krack ist die Zahl der Menschen, welche die Innenstädte in Niedersachsen aufsuchen, „gar nicht so furchtbar weit weg“ vom Vor-Corona-Niveau. „Die Menschen wollen weiter in die Innenstadt gehen.“ Aber: „Das hat natürlich noch keine Aussagekraft in Hinblick auf Umsatzgrößen.“

Zudem seien die Kunden wählerischer, was den Kauf der Weihnachtsgeschenke angeht. „Der Kunde kauft wertiger“, sagte Doden. Gekauft würde qualitativ hochwertige und damit auch teurere Präsente „anstatt der Masse an Geschenken, die sonst auf den Tisch kamen“. Diesen Trend spürt auch der Handelsverband Niedersachsen-Bremen: „In diesem Jahr ist das Leiden von Einzelhandelsangeboten im mittleren Bereich deutlich stärker als im hochpreisigen Segment“, sagte Krack.

„Es wird schon wertig gekauft“, sagte auch Fricke. Bei Leffers in Leer sehe man sich diesbezüglich gut aufgestellt: „Wir haben uns in den letzten Jahren von den unteren Preislagen entfernt“, so Fricke. Dadurch „können wir uns auch ein bisschen von dem Preiskampf absetzen“.

Mit Material von DPA

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