Osnabrück  Sie glauben nicht, dass Donald Trump wiederkommt? Ich schon!

Marion Trimborn
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Von Marion Trimborn
| 11.12.2023 11:42 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Wahlkampfauftritt des früheren US-Präsidenten Donald Trump in Iowa Foto: dpa/AP/ Matthew Putney
Wahlkampfauftritt des früheren US-Präsidenten Donald Trump in Iowa Foto: dpa/AP/ Matthew Putney
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Es ist kein Jahr mehr hin, bis die USA einen neuen Präsidenten wählen. Ein Name, der immer wieder fällt: Donald Trump. Sie meinen, das ist übertrieben? Der Ex-Präsident wurde oft unterschätzt – nun hat er eine reale Chance zur Rückkehr ins Weiße Haus.

Es war 2016, als ich auf Einladung der amerikanischen Botschaft den Wahlkampf in den USA beobachtet habe. Innerhalb von knapp zwei Wochen diskutierte ich mit Abgeordneten und Wahlkämpfern, mit Studenten und Bürgern in Washington und im Mittleren Westen.

Wen ich dort traf? Zwei Studentinnen, die sagten, dass sie Donald Trump wählen würden, weil es an ihrer Universität zu viele, angeblich politisch korrekte Denkverbote gebe. Einen schwarzen Taxifahrer, Trump-Anhänger, der endlich wieder reden wollte, wie ihm der Schnabel gewachsen war. Eine Frau Mitte 40, die über Trumps Sex-Eskapaden nur sagte: „Wenn mein Mann mit einer Flasche Bier auf dem Sofa sitzt, redet er genauso wie Trump. Natürlich wähle ich Trump.“

Mir begegneten nur wenige Anhänger der Demokraten und deren damaliger Kandidatin Hillary Clinton. Und wenn, dann waren das Offizielle, Abgeordnete, Intellektuelle aus Washington. Aber keine Leute von der Straße. Als ich von der Reise zurückkehrte, hatte ich die Überzeugung gewonnen, dass Trump der nächste Präsident der USA werden würde. Die meisten meiner Kollegen, Freunde und Familie hielten mich für verrückt. Das Ergebnis der Präsidentschaftswahlen von 2016 kennen Sie.

Jetzt bewirbt sich dieser Donald Trump zum dritten Mal auf die US-Präsidentschaft. Ja, genau, dieser Mann, der zwei Amtsenthebungsverfahren überstanden hat, der noch nicht mal als Kandidat seiner Partei nominiert ist und der die Anklagen der Justiz gegen ihn geschickt als Rufmord inszeniert. Aussichtslos, meinen Sie?

Das wurde 2016 auch geschrieben und gesagt. Trump wurde damals gnadenlos unterschätzt – dasselbe könnte erneut passieren. Seine Anhänger verehren ihn jedenfalls nach wie vor glühend.

Auch, weil der jetzige US-Präsident Joe Biden, der für die Demokraten ins Rennen gehen möchte, viele Schwächen hat. Biden hat Amerika zwar wirtschaftlich durchaus erfolgreich aufgestellt, etwa in punkto Industrieansiedlungen. Aber bei den Bürgern kommt das nicht an. Nach wie vor sind Autos und Häuser so teuer, dass viele Amerikaner sich diese nicht mehr leisten können.

Zudem erreichen die Demokraten mit vielen Themen – wie geschlechtliche Identität oder politische Korrektheit – den Durchschnittsamerikaner nicht. Laut Umfragen fühlen sich viele Menschen vergessen und verachten die Politik wie nie zuvor – und wollen weder Biden noch Trump.

Und dann noch das Alter des Präsidenten! Ein US-Präsident hat einen 12 bis 16 Stunden Tag. Ist das mit 81, die Biden bei der Wahl sein wird, wirklich noch zu schaffen? Wohl kaum. Ohnehin wirkt Biden bei seinen Auftritten oft roboterhaft und hinfällig.

Bei allem muss man sehen, dass ein erneuter Wahlsieg von Donald Trump für Europa eine echte Katastrophe wäre. Trump will sich rächen, will das beenden, was er nicht geschafft hat. Er will den militärischen Nato-Schutzschirm für Europa, den vor allem die USA garantieren, massiv reduzieren. Er behauptet, als Präsident könnte er Russlands Krieg in der Ukraine innerhalb von 24 Stunden beenden, was wohl so aussähe, dass er die umfangreichen US-Waffenlieferungen an die Ukraine schlagartig einstellen würde.

Die Ukraine müsste dann einen Kapitulationsfrieden schließen, was als De-Facto-Sieg die Aggressivität des russischen Kremlchefs Wladimir Putin steigern und ihn zu weiteren Angriffskriegen ermutigen könnte. Europa verlöre an Einfluss und wäre in Gefahr zwischen den Blöcken China, Russland und USA.

Wenn Donald Trump die US-Präsidentschaftswahlen im November 2024 tatsächlich gewinnt, drohen uns harte Zeiten mit ungewissem Ausgang. Armes Europa.

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