Verbrechen im Internet Wie Cyberkriminelle Unternehmen aus Ostfriesland erpressen
Cyberkriminalität ist tückisch: Einmal auf den falschen Link geklickt und Kriminelle könnten eine ganze Firma lahmlegen. Ein Leeraner Unternehmen will gemeinsam mit dem LKA bei der Aufklärung helfen.
Leer - Es fängt oft mit einer harmlos wirkenden E-Mail an. Doch manchmal reicht ein falscher Klick auf einen Link und schon haben die Kriminellen freie Bahn, wie Stefan Höfkes berichtet. Er ist IT-Abteilungsleiter beim Leeraner Unternehmen Sandersfeld Sicherheitstechnik. Zum Einsatz komme dabei Ransomware, also Erpressungstrojaner. „Damit erhalten die kriminellen Zugriff auf die Daten der Unternehmen, legen das System lahm und können die Firmen aus dem Darknet heraus um Geld erpressen“, sagt er.
Laut einer Studie des Digital-Branchenverbandes Bitkom entstanden der deutschen Wirtschaft durch Cyberkriminalität zuletzt jährlich mehr als 200 Milliarden Euro Schaden, wie die Deutsche Presseagentur kürzlich berichtete. Auch Unternehmen in Ostfriesland sind von diesem Risiko betroffen. „Viele Firmen haben bisher noch keinen ausreichenden Schutz vor Kriminellen aus dem Internet oder sind schlicht nicht aufgeklärt“, ist Höfkes Erfahrung. Wozu müssen Daten abgesichert werden? Was ist überhaupt eine Firewall? „Das haben die meisten zwar schon gehört, aber sich kaum damit auseinandergesetzt“, so Höfkes.
Viele Unternehmen kaum aufgeklärt
Die Firma Sandersfeld berät Unternehmen dabei, sich vor solchen Angriffen zu schützen. „Es geht um die Frage, wie Passwörter möglichst sicher und Datenlecks vermieden werden. Wir ergänzen uns da mit anderen Firmen und bieten unter anderem Antivirus-Programme und Firewalls an“, so Höfkes. Zudem hatte die Firma vor Kurzem Unternehmen aus der Region zu einer Veranstaltung rund um das Thema Cyberkriminalität eingeladen. „Wir wollen mit solchen Aktionen in erster Linie aufklären“, sagt Höfkes.
Nicht unerheblich sei auch die Unterstützung der Polizei, wenn die Kriminellen es erst einmal in die Systeme der Firmen geschafft haben, betont Höfkes. „Einige Unternehmen denken, die Polizei kommt mit einer Hundertschaft an, nimmt alles mit und dann kann erst recht nicht mehr gearbeitet werden. Dem ist aber nicht so“, sagt er. Das bestätigt auch Frank Puschin, Leiter der Zentralen Ansprechstelle Cybercrime (ZAC) beim Landeskriminalamt (LKA) Niedersachsen. „Wir kommen da nicht mit Blaulicht und einem Großaufgebot“, sagt er. Auch liege es dem Landeskriminalamt fern, Firmen dabei zu behindern, den Betrieb möglichst schnell wiederaufzunehmen. „Ich kann Sie beruhigen: Wir nehmen nicht die Computer mit“, betont Puschin.
So unterstützt die Polizei
Nach Erfahrung des Polizeibeamten meldeten sich einige Firmen zudem nur ungern beim LKA – aus Angst, dass dort nach Straftaten des Unternehmens gesucht werde. „Wir wollen nur helfen und schnüffeln nicht herum“, so Puschin. Der Erfolg spreche für sich: Einer ganzen Reihe von Cyberkriminellen habe die Polizei schon in Zusammenarbeit mit Unternehmen und Sicherheitsfirmen das Handwerk legen können, verrät er. „Unser Vorteil ist, dass wir unheimlich gut vernetzt sind“, sagt Puschin.
Wichtig sei, sich möglichst schnell an das ZAC zu wenden. „Ich versichere, dass das nur Vorteile hat, mit uns Kontakt aufzunehmen“, so der Polizeibeamte. Möglich sei das telefonisch unter der Hotline 0511/98736230 oder per Mail an zac@lka.polizei.niedersachsen.de. Hotline und Mail-Adresse wurden als Anlaufstelle für alle Firmen, egal welcher Größe, eingerichtet. Die Unternehmen können auf diesem Wege nicht nur eine Strafanzeige erstatten, sondern auch entsprechend beraten werden.
Mit Material der dpa.