Arteon Shooting Brake kommt zurück  Leiharbeiter bei VW Emden dürfen länger bleiben

Martin Teschke
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Von Martin Teschke
| 06.12.2023 17:37 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Der Arteon verschafft Volkswagen in Emden wieder eine bessere Auslastung. Foto: Ortgies/Archiv
Der Arteon verschafft Volkswagen in Emden wieder eine bessere Auslastung. Foto: Ortgies/Archiv
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Gute Nachricht in schwierigen Zeiten: Das Volkswagen-Werk in Emden bekommt die Montage des Arteon Shooting Brake komplett zurück. Hunderte Zeitarbeiter bei VW haben dadurch länger Beschäftigung.

Emden - Nach den zuletzt schwachen Absatzzahlen bei den E-Autos von Volkswagen wird die Verbrennerwelt im VW-Werk Emden wieder verstärkt. „Um den Standort Emden in der aktuellen Situation strategisch zu stärken und weiter auszulasten, wird die zwischenzeitlich ins Werk Osnabrück ausgelagerte Endmontage des Arteon Shooting Brake wieder in Emden stattfinden.“ Das teilte eine Werkssprecherin am Mittwoch mit. „Durch das zusätzliche Volumen kann ein Teil der Zeitarbeitsverträge am Standort Emden gestaffelt verlängert werden.“

Wie viele Leiharbeiter genau weiterbeschäftigt werden, wollte die Unternehmenssprecherin auf Nachfrage unserer Redaktion nicht sagen. Der Arteon Shooting Brake war zuvor in Osnabrück in Teilen endmontiert worden. Nun kehrt die komplette Montage des Fahrzeugs nach Emden zurück – und zwar bis Ende nächsten Jahres. Ursprünglich war geplant, dass das Werk Emden bis zum Frühjahr nächsten Jahres komplett aus der Produktion von Benzinern und Diesel-Autos aussteigt – also ein reines E-Auto-Werk wird. Davon hat man in Wolfsburg und Emden nun ganz offenbar Abstand genommen.

ID.7 Tourer kommt im April

Wie die Werkssprecherin weiter sagte, startet die Produktion der Verbrenner-Fahrzeuge Passat und Arteon nach den Werksferien über Weihnachten am 8. Januar. Die Produktion findet dann in einer Schicht statt, zuvor waren es anderthalb Schichten. Die Produktion der E-Autos ID.4 und ID.7 geht eine Woche später, also am 15. Januar an den Start – ebenfalls in einer Schicht. Im Frühjahr kommt dann der ID.7 Tourer hinzu.

Auch der Emder Betriebsratschef Manfred Wulff wollte auf Nachfrage unserer Zeitung keine genauen Zahlen zu den Leiharbeitern nennen. Nur so viel: „Wir haben heute noch knapp 1000 Zeit- und Leiharbeiter in Emden. Ein Teil davon, etwa im dreistelligen Bereich, muss Ende des Jahres gehen.“ Ein weiterer Teil werde bis Ende März den Passat und den Arteon montieren, so Wulff. Und ein weiterer Teil der Leiharbeiter, ebenfalls im dreistelligen Bereich, könne bis zum Herbst an der Arteon-Montage arbeiten.

Beschäftigung für 2024 gesichert

„Die Entscheidung ist erst am Dienstag im Konzernvorstand gefallen“, sagte Wulff. Er habe bereits seit dem Sommer mit Werksleiter Uwe Schwartz an einer Lösung für den Standort Emden gesucht. Nun habe man den Konzernvorstand überzeugen können. Der Standort Osnabrück, der nun den Arteon Shooting Brake verliere, bekomme dafür mehr Porsches. Wulff: „Wir sichern damit in Emden die Stammbeschäftigung ab und können zusätzlich noch einige Zeitarbeiter weiter beschäftigen.“

Wulff ging auch auf die weiteren Pläne des Emder Standortes ein. Mit dem Auslaufen der Passat-Montage im Frühjahr 2024 soll zugleich im April der ID.7 Tourer starten. Geplant sei, die E-Autos dann in zwei Schichten zu produzieren. Eine weitere Schicht kümmere sich dann um den übriggebliebenen Verbrenner Arteon Shooting Brake, von dem laut Wulff dann täglich 30 bis 50 Autos vom Band laufen sollen. „Die Produktion in Emden ist für das nächste Jahr gesichert“, sagte Wulff unserer Zeitung. Für 2025 hoffe man dann, die E-Autos in drei Schichten produzieren zu können. Wie es mit dem Arteon Shooting Brake im übernächsten Jahr weitergehe, sei noch offen.

Verhandlungen auf der Zielgeraden

Auf Konzernebene wird hingegen weiter um die Zukunft der Marke Volkswagen gerungen. Volkswagen will die Verhandlungen über das Milliarden-Sparprogramm nach Darstellung des Betriebsrates noch in diesem Jahr abschließen. „Unsere Verhandlungen mit dem Unternehmen sind auf der Zielgeraden“, sagte Betriebsratschefin Daniela Cavallo am Mittwoch laut Mitteilung bei einer Betriebsversammlung in Wolfsburg. „Wir wollen die Eckpunkte bis Jahresende festgelegt haben.“ Sie sei zuversichtlich, dass dies bis Weihnachten gelinge, sagte Cavallo.

Markenchef Thomas Schäfer kündigte auf der Versammlung eine erste konkrete Sparmaßnahme an: Der geplante Neubau des Entwicklungszentrums „Campus Sandkamp“ werde gestrichen. Statt 800 Millionen Euro in den Neubau zu investieren, wolle man nun für 450 Millionen Euro bestehende Gebäude aufrüsten.

„Wir müssen mit weniger Leuten auskommen“

Das im Sommer angekündigte „Performance Programm“ soll die Kosten von Europas größtem Autobauer bis 2026 um zehn Milliarden Euro senken und die Umsatzrendite von zuletzt 3,4 auf 6,5 Prozent erhöhen. Seit Oktober wird mit dem Betriebsrat darüber verhandelt. Mit den Gesprächen zeigte sich Schäfer zufrieden: „Wir kommen gut voran.“ Wesentliche Teile seien bereits entschieden und würden umgesetzt.

Dabei werde es nicht ohne Stellenabbau gehen, sagte Schäfer. „Wir müssen bei Volkswagen künftig an vielen Ecken mit weniger Leuten auskommen.“ Als Sofortmaßnahme hatte er bereits ein Einstellungsstopp verhängt. Cavallo bekräftigte die „roten Linien“ für die Verhandlungen: Es dürfe keine Einschnitte beim Tarif und bei der vereinbarten Beschäftigungssicherung bis 2029 geben. Als Möglichkeit zum Personalabbau nannte sie eine Ausweitung der Altersteilzeit.

Mit Material von DPA

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