Bildungssystem  Pisa-Studie – Auricher Schulleiter verweist auf Corona

Oliver Bär
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Von Oliver Bär
| 05.12.2023 17:29 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Es ist zum Haare raufen: Deutsche Schüler haben bei der Pisa-Studie enttäuschend abgeschnitten. Foto: Büttner/Picture Alliance/DPA
Es ist zum Haare raufen: Deutsche Schüler haben bei der Pisa-Studie enttäuschend abgeschnitten. Foto: Büttner/Picture Alliance/DPA
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Jugendliche in Deutschland erhalten in Mathematik, im Lesen und in Naturwissenschaften die niedrigsten Werte, die für Deutschland jemals gemessen wurden.

Berlin/Ostfriesland - Die deutschen Schüler haben in der internationalen Leistungsstudie Pisa im Jahr 2022 so schlecht abgeschnitten wie noch nie zuvor. Sowohl im Lesen als auch in Mathematik und Naturwissenschaften sanken die Werte der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zufolge auf den niedrigsten Stand in der internationalen Vergleichsstudie seit der ersten Erhebung im Jahr 2000.

Den Experten zufolge ist das Ergebnis nicht nur in Deutschland besorgniserregend: In diesem Zyklus habe es einen noch nie dagewesenen Leistungsabfall gegeben, hieß es in dem Bericht. „Im Vergleich zu 2018 sank die durchschnittliche Leistung in den OECD-Ländern um zehn Punkte im Lesen und fast 15 Punkte in Mathematik.“ Eine Ursache für das schlechte Abschneiden der deutschen Schüler sehen die Autoren der Studie unter anderem in der Corona-Pandemie.

Ergebnisse beim Abitur relativ konstant

„Die Schulen haben zwar schnell versucht, das beste aus der Situation zu machen, aber Distanzunterricht kann den Unterricht von Angesicht zu Angesicht nicht annähernd ersetzen“, sieht auch Rüdiger Musolf, Schulleiter des Auricher Gymnasiums Ulricianum, in den Schulschließungen während der Corona-Zeit eine Erklärung für den Absturz. Diese verlorene Zeit müsse an den Schulen dringend aufgearbeitet werden.

Lehrer sind ein entscheidender Faktor, wenn es darum geht, Nachteile auszugleichen. Foto: Murat/DPA
Lehrer sind ein entscheidender Faktor, wenn es darum geht, Nachteile auszugleichen. Foto: Murat/DPA

Andererseits warnt Musolf vor Panik. Zumindest an seiner Schule seien die Ergebnisse der Abiturprüfungen relativ konstant. „Und das liegt nicht daran, dass alles einfacher geworden ist.“ Vielmehr müssten die Pisa-Ergebnisse auch kritisch gesehen werden. Die internationale Vergleichsstudie betrachte nur punktuell einzelne Leistungsfelder. Andere Kompetenzen, die im Berufsleben oder beim Studium ebenso wichtig seien, wie Partizipation oder Lösungskompetenz würden nicht abgefragt.

Soziale Herkunft beeinflusst Bildungserfolg

Erfasst werden bei der Pisa-Studie, deren Name für „Programme for International Student Assessment“ steht, die Kompetenzen von 15-jährigen Jugendlichen beim Lesen, in der Mathematik und den Naturwissenschaften. In Mathematik stürzten die deutschen Schüler besonders ab. Sie erreichten einen Punktwert von 475, bei der vorherigen Untersuchung, die 2019 veröffentlicht wurde, waren es noch 500. Im Lesen kamen sie auf 480 (2019: 498) und in Naturwissenschaften auf 492 (2019: 503). In der aktuellen Erhebung liegt Deutschland im internationalen Vergleich in den Bereichen Mathematik und Lesekompetenz dennoch nahe am OECD-Durchschnitt und in Naturwissenschaften über dem OECD-Durchschnitt.

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„Wir haben das in etwa erwartet, was jetzt herausgekommen ist“, sagt Stefan Störmer, Landesvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Niedersachsen. Besonders erschreckend sei für ihn, dass der Bildungserfolg nach wie vor sehr stark von der sozialen Herkunft abhängig sei. Dies sei auch während der Pandemie offen zutage getreten. Um solche Nachteile auszugleichen, seien Lehrer ein entscheidender Faktor. Und diese fehlten derzeit. Für Störmer, der lange Jahre in Leer gelebt hat, ist das auch eine Frage davon, wie Ressourcen zugewiesen werden. Schülerzahlen allein dürften nicht der entscheidende Faktor sein, vielmehr müsse über einen Sozial-Index berücksichtigt werden, ob Schulen viele Schüler hätten, die mehr Unterstützung benötigten.

Gegen mehr Lehrer hätte auch Musolf nichts einzuwenden, vor allem um die Sprachkompetenz der Schüler zu verbessern. Hier sieht der Schulleiter einen entscheidenden Faktor, der sich auf die Leistung in allen Fächern auswirkt. „Es wird in vielen Familien zu wenig gelesen, vorgelesen und auch miteinander gesprochen“, so seine Feststellung. Schule allein könne das nicht lösen. Da seien auch die Eltern gefragt.

Mit Material von DPA