Gesundheit  Endgültiges Aus für das Emder Bewegungsbad

Stephanie Schuurman
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Von Stephanie Schuurman
| 06.12.2023 10:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Bewegung im Wasser in einem Bad auf Usedom: So schick gekachelt müsste es in Emden gar nicht sein. Das kleine Emder Bewegungsbad bleibt trotzdem geschlossen. Foto: dpa
Bewegung im Wasser in einem Bad auf Usedom: So schick gekachelt müsste es in Emden gar nicht sein. Das kleine Emder Bewegungsbad bleibt trotzdem geschlossen. Foto: dpa
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Auch weitere Versuche, das kleine Bad am Emder Krankenhaus zu reanimieren, scheiterten: Zu wenig Nachfrage, zu hohe Kosten sagt die Stadt. Darunter leidet vor allem eine Gruppe.

Emden - Jetzt ist es amtlich: Das ohnehin schon seit dem Jahreswechsel 22/23 geschlossene Bewegungsbad in Emden wird nicht wiedereröffnen. Auch weitere Versuche, mit den nutzenden Sportvereinen, der Volkshochschule (Vhs) und der Rheuma-Liga, Wege zum Weiterbetrieb zu finden, seien jetzt gescheitert, teilte Stadtrat Volker Grendel im jüngsten Gesundheitsausschuss mit. „Wir mussten diesen Prozess aufgrund mangelnder Nachfrage beenden.“

Auf Nachfrage dieser Zeitung erläuterte Grendel die Hintergründe für diese Entscheidung genauer. Tatsächlich habe es seit dem Frühjahr drei Treffen aller Beteiligten gegeben, mit Vertretern der Stadt, der Trägergesellschaft des Klinikums und den Vereinen. Pläne seien geschmiedet, Zahlen berechnet worden. 66.000 Euro im Jahr wären allein für den Betrieb nötig (ohne Personalkosten). Zudem wären bis zu 30.000 Euro als einmalige Investition nötig, um den Eingangsbereich fürs Bad nutzungsgerecht umzubauen.

Keine konstanten Nutzungszahlen

Keine Riesensummen, aber im Laufe der Treffen sei auch deutlich geworden, dass „nicht annähernd so viele Nutzer generiert werden können, um das Bad kostendeckend zu betreiben“, sagte Grendel. Sowohl Sportvereine wie der ISV oder der ETV als auch die Vhs würden das Bad in Ferienzeiten gar nicht nutzen.

Sie wären aber irgendwo in der Pflicht für die Betriebskosten. Entsprechende Gebühren könnten Vereine allerdings nicht von ihren Mitgliedern verlangen, zumal das Interesse nicht gleichbleibend hoch sei. Erschwerend komme beispielsweise für die Vhs hinzu, die Kleinkind-Schwimmen im Angebot hatte, ausreichend Übungsleiter fürs Schwimmangebot zu generieren. Allein die Rheuma-Liga habe konstant hohen Bedarf angemeldet. „Da hätten wir gerne geholfen“, sagte Grendel. „Doch es ist in keinster Weise zu finanzieren.“

Alternativ nur Trockengymnastik

Dass man keine weiteren großen Kosten übernehmen könne, bestätigte auch die Leiterin der AG Emden in der Rheuma-Liga Niedersachsen, Magda Wegner. „Wir sind ein kleiner Verein und stellen schon den Physiotherapeuten.“ Der macht jetzt mit den Vereinsmitgliedern Trockengymnastik. Diese sei zwar weniger effektiv als Übungen im warmen Wasser, aber immerhin. „Besser diese Bewegung, als gar nichts zu machen“, sagte Wegner. „Auch der psychosoziale Aspekt ist wichtig, besser ist es, in der Gruppe zu trainieren.“

Zwölf Gruppen à zehn Teilnehmer zählt die AG der Rheuma-Liga Niedersachsen nach der Corona-bedingten Pause. Aufgrund der hohen Nachfrage habe man sogar auf 15 Gruppen aufstocken wollen, so Wegner. Doch dann habe das Bad geschlossen, jetzt seien sogar Mitglieder ganz abgesprungen. Die wenigen Plätze, die die Emder Rheuma-AG im Hotel Novum in der Nachbargemeinde Hinte bekommt, reichten wiederum nicht annähernd für alle potenziellen Nutzer aus. „Für den Gesundheitsbereich in Emden finde ich die Situation sehr traurig“, sagte Wegner zum Aus des Bewegungsbads. „Der Stöpsel ist gezogen.“

Anderswo ist es zu kalt

Alternativen zum Bewegungsbad sieht Wegner in Emden nicht. Für Kurse der Rheuma-Liga seien andere Bäder ungeeignet, weil es zwar keine stark erhöhten Temperaturen wie in Therapie-Bädern brauche - beim Rheumaschwimmen sollen sich die Patienten bewegen und werden nicht bewegt - dennoch seien zwischen 28 und 32 Grad notwendig. Die kann beispielsweise die Friesentherme in Emden als Hallenbad nicht bieten.

Während für Nutzer des Bewegungsbad in Norden eine Lösung gefunden wurde - hier hat die Dr. Becker-Klinik ihr Bewegungsbad aufgrund der Schließung im Klinikum wieder eröffnet - scheint dies in Emden zunächst ausgeschlossen. Ein Schlupfloch lässt allerdings auch Grendel noch offen. „Wir müssen sehen, was die Nachnutzungsdiskussion ums Emder Krankenhaus bringt. Möglicherweise gibt es dafür private Betreiber, wenn das Zentralklinikum da ist.“

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