Wichtiges Ehrenamt  Juliane Smit will mehr Frauen zur Emder Feuerwehr holen

Mona Hanssen
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Von Mona Hanssen
| 05.12.2023 16:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Juliane Smit ist bei der Freiwilligen Feuerwehr seit sie zehn Jahre alt ist. Jetzt ist sie die neue Stadtfrauensprecherin in Emden. Foto: Hanssen
Juliane Smit ist bei der Freiwilligen Feuerwehr seit sie zehn Jahre alt ist. Jetzt ist sie die neue Stadtfrauensprecherin in Emden. Foto: Hanssen
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Juliane Smit ist 24, hat drei Kinder und einen Job als Kfz-Mechatronikerin. Das reicht der Emderin aber nicht: Sie ist Feuerwehrfrau - und jetzt hat sie einen besonderen Posten in Emden.

Emden - Juliane Smit merkt man die Begeisterung für die Feuerwehr an. Ohne würde es wohl auch nicht gehen, drei kleine Kinder, einen Job und das Ehrenamt unter einen Hut zu kriegen. Jetzt hat die 24-Jährige noch eine Schippe draufgelegt: Sie ist nicht mehr nur aktives Mitglied der Ortsfeuerwehr Borssum, sondern auch die neue Stadtfrauensprecherin. Dadurch hat sie eine wichtige Aufgabe: Sie ist Ansprechpartnerin für die etwa 40 Feuerwehrfrauen in Emden - und will noch deutlich mehr von dem Ehrenamt überzeugen.

Beim Anteil der Frauen ist nämlich noch deutlich Luft nach oben, sagt auch Stadtbrandmeister Bernd Lenz. Zum Vergleich: Mehr als 240 ehrenamtliche Feuerwehrleute gibt es insgesamt in Emden plus 40 Kräfte in der Hauptberufliche Wachbereitschaft. Auch in Emden wünscht man sich mehr Freiwillige, sagt Bernd Lenz. Eine Werbekampagne soll dafür starten. Einen Erfolg gibt es aber jetzt schon: „Die neue Kinder- und Jugendfeuerwehr in Twixlum ist ein richtiger Pluspunkt“. Sie war erst am 5. November 2023 gegründet worden. Viel Hoffnung wird auch in Juliane Smit gesetzt.

Als Stadtfrauensprecherin hat Juliane Smit eine wichtige Aufgabe in Emden. Foto: Hanssen
Als Stadtfrauensprecherin hat Juliane Smit eine wichtige Aufgabe in Emden. Foto: Hanssen

Wer ist Juliane Smit?

Die Emderin hat Feuerwehr im Blut. Ihr Vater ist bei der Ortsfeuerwehr Borssum, viele weitere Verwandte auch. Weil es damals keine Kinderfeuerwehr in Borssum gab, in die schon Sechsjährige dürfen, musste sie bis zum ihrem zehnten Geburtstag warten. „Darauf habe ich richtig hingefiebert“, sagt Juliane Smit mit einem Lachen. Mit 16 wurde sie dann zum aktiven Mitglied und wurde entsprechend mit alarmiert, wenn es einen Einsatz gab.

An ihren ersten Einsatz mit 18 erinnert sie sich gut. Der war in der Wilhelm-Leuschner-Straße in der Hochhaussiedlung. Im Keller hatte es gebrannt. Sie musste dabei helfen, alle Leute aus den Wohnungen zu evakuieren. Ihr erster Brand war 2016 in Petkum, wo in der Karkstaat ein Wohnhaus in Vollbrand geraten war. „Da stand ich dann neben meinem Vater mit dem Stahlrohr“, sagt sie. Auch bei aktuelleren Feuern - etwa dem Wohnblock-Brand am Taxusweg im Juli 2022 oder dem Feuer im Van-Ameren-Bad im Juli 2023 - war sie eingesetzt.

Auch jetzt, mit drei kleinen Kindern im Alter von fünf, vier und einem Jahr, wird sie angefunkt. „Dann schaue ich, ob es regelbar ist“, sagt sie. Ihr Lebensgefährte, der bei der Freiwilligen Feuerwehr Widdelswehr/Petkum aktiv ist, gebe ihr meist den Vortritt und bleibe mit den Kindern zuhause. Auch ihre Tante springe gerne mal ein. Ihr Ziel ist es, irgendwann Gruppenführerin zu sein. Hauptberuflich ist sie Kfz-Mechatronikerin für Nutzfahrzeuge bei einer Emder Spedition.

Was hat Juliane Smit vor?

Zum einen ist sie Seelsorgerin. Feuerwehrfrauen können offen mit ihr reden, falls sie etwas bedrückt oder sie beispielsweise Ärger mit einem Kameraden haben. Anregungen und Wünsche nimmt die 24-Jährige entgegen. Sie bietet kleine Workshops und Lehrgänge an. Bei einem Workshop beispielsweise haben die Frauen gemeinsam ein Auto zerschnitten. „Das hat Megabock gemacht“, sagt sie. Sie habe sehr gutes Feedback bekommen. Veranstaltungen wie diese müssten sich aber erst mal noch weiter herumsprechen. Zum anderen will Juliane Smit mehr Frauen von ihrer Begeisterung für die Feuerwehr anstecken. Das geht schon in ihrem Freundeskreis los.

Mit einer Bekannten, die auch bei der Feuerwehr ist, hatte sie sich natürlich nur über ein Thema unterhalten. Eine zweite Frau im Bunde fühlte sich ausgeschlossen. „Dann komm doch einfach zur Feuerwehr“, war Juliane Smits Lösung. Wer nicht gleich in den aktiven Dienst will, könne ja auch beim Versorgungszug helfen. Für den brauche man die Grundausbildung nicht. Über Mundpropaganda macht sie mehr Werbung für das Engagement. „Es ist einfach eine pflichtbewusst Aufgabe. Man hat viel Gemeinschaft - und es macht einfach wirklich viel Spaß“, betont sie. Die Stelle der Stadtfrauensprecherin war mehrere Jahre vakant, sagt Bernd Lenz. „Wir haben immer geguckt, ob es jemand machen möchte.“ Mit Juliane Smit scheint jetzt die Richtige gefunden zu sein.

Wie werde ich Feuerwehrfrau oder -mann?

Das setzt schon deutlich mehr Engagement voraus als beispielsweise die Mitgliedschaft beim Fußballverein, sagt Bernd Lenz. Etwa fünf Wochen dauert der Lehrgang für den Truppmann I, also die Grundausbildung, sagt Juliane Smit. Es sind etwa 70 Lehrstunden. Parallel besucht man die Dienste bei der jeweiligen Ortsfeuerwehr. Das ist meist viermal im Monat. So wird man schon vor Ort mit den Begebenheiten und den Leuten vertraut.

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Weiter geht es mit dem Truppmann II. Die Ausbildung dauert etwa zwei Jahre. In technischen Lehrgängen kann man sich außerdem weiter spezialisieren. Es gibt beispielsweise Lehrgänge fürs Funken, für Maschinisten oder Maschinistinnen sowie das Tragen von Atemschutzgeräten. Auch sie dauern jeweils meist 70 Stunden. Wer Führung übernehmen will, kann Lehrgänge (ebenfalls 70 Stunden) für die Trupp-, Gruppen- und schließlich Zugführung absolvieren. Es gibt aber noch viel mehr: etwa Tauchen, Drohnen-Bedienung und Höhenrettung.

Man müsse ständig am Ball bleiben, sagt Bernd Lenz. Als Beispiel nennt er E-Autos oder Hybrid-Fahrzeuge, für die die Feuerwehr spezielle Vorgehen erlernen musste, weil sie nach einem Unfall nicht wie ein Verbrenner behandelt werden können. Er betont auch: Bei der Freiwilligen Feuerwehr ist man Teil der Daseinsvorsorge. Es kann um Leben und Tod gehen. Man trägt eine besondere Verantwortung.