Serie „So lebt Ostfriesland“  Fotografen-Paar aus Leer setzt auf sieben Quadratmeter

Nikola Nording
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Von Nikola Nording
| 05.12.2023 13:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Tomke und Jakob Prößdorf leben in ihrem Van. Foto: Ortgies
Tomke und Jakob Prößdorf leben in ihrem Van. Foto: Ortgies
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Wir stellen Ihnen im Advent verschiedene Wohnformen vor. Diesmal haben wir Jakob und Tomke Prößdorf in Leer besucht. Sie tauschten Haus gegen Van.

Leer - 130 Quadratmeter Wohnfläche, Garten, rundherum Nachbarn und immer an den gleichen Ort nach Hause kommen: Diese Art des Wohnens hatten Jakob und Tomke Prößdorf schon. Doch das war es einfach nicht für die beiden Leeraner. Sie kreierten, entwarfen, hämmerten und bastelten, bis sie endlich ihren Wohntraum realisiert hatten. Zweieinhalb Jahre lebten sie ausschließlich in ihrem Van und reisten damit durch die Welt. „Ich habe mich hier einfach sofort Zuhause gefühlt. Viel mehr als in dem Haus, in dem wir vorher wohnten“, sagt Tomke Prößdorf.

Die beiden Fotografen haben das Fahrzeug ganz nach ihrem Geschmack eingerichtet. Foto: Ortgies
Die beiden Fotografen haben das Fahrzeug ganz nach ihrem Geschmack eingerichtet. Foto: Ortgies
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Mit dem Van auf Achse | So lebt Ostfriesland
04.12.2023

Dort seien die beiden oft nur zum Schlafen gewesen, auch hätten die beiden gar nicht alle Räume gebraucht. „Wir hatten Räume, in denen Möbel standen, nur damit sie nicht leer stehen“, sagt Tomke Prößdorf. Das sei eigentlich verrückt gewesen. Daher habe sich das Paar für den Van entschieden. In der Corona-Zeit fassten sie den Entschluss umzuziehen. Seitdem ist der ganze Stolz der beiden Leeraner ein Peugeot Boxer L4H3, den sie vor allem auch deshalb aussuchten, weil ein Bett quer hineinpasst. Platzsparend.

„Van-Life“ statt Haus und Garten

Das Fahrzeug hätten die beiden nach ihren Wünschen gestalten können, jeder Nagel, jede Fliese sei nach ihrem Geschmack – und vor allem von ihnen selbst – angebracht worden. „Ich denke, so geht es auch Menschen, die ihr Haus selbst gebaut haben“, sagt Tomke Prößdorf. Der Van hat noch einen Vorteil: „Wir streiten darin weniger“, sagt die Fotografin. Man habe nicht die Möglichkeit, sich aus dem Weg zu gehen. Daher kommuniziere man mehr und löse Probleme schneller.

Doch für die beiden Fotografen sei der Van nicht nur Wohnraum, er ist auch Arbeitsplatz und Reisebegleiter. Im Sommer seien sie viel in Deutschland, weil dann viele Aufträge anstehen, auch in der Winterzeit gibt es viel zu tun.

Das Paar reist mit dem Van durch die Welt, wie hier am Nordkap. Foto: FeuerQuell
Das Paar reist mit dem Van durch die Welt, wie hier am Nordkap. Foto: FeuerQuell
Dazwischen zieht es sie in die Ferne, doch auch nicht ganz ohne Arbeit. „Wenn wir unterwegs sind, machen wir Produktfotos, zum Beispiel für Camping-Utensilien“, sagt Jakob Prößdorf. Die beiden teilen ihr Leben auf Reisen mit einer Online-Community. Bei Youtube und Instagram halten der 29-Jährige und die 28-Jährige unter dem Namen Feuerquell ihre Follower auf dem Laufenden und nehmen sie mit auf Reisen. „Zuletzt waren wir in Griechenland, da war es deutlich wärmer als hier“, sagt Tomke Prößdorf.
Sommer wie Winter sind die beiden mit dem Wagen unterwegs. Foto: Ortgies
Sommer wie Winter sind die beiden mit dem Wagen unterwegs. Foto: Ortgies

Während des Interviews sind die Temperaturen bei null Grad. Dabei sind die Prößdorfs kalte Temperaturen gewohnt. Ihr Van brachte sie erst zu Jahresbeginn ans Nordkap, wo sie Nordlichter beobachteten. Dorthin soll es im neuen Jahr auch wieder gehen. „Ich liebe Skandinavien einfach“, sagt die 28-Jährige. Vorher wird der Van aber noch einmal aufgerüstet: „Wir wollen noch eine Seilwinde installieren, falls wir uns festfahren. Der Van hat nämlich kein Allrad“, erklärt Jakob Prößdorf.

Ihre Erinnerungen dokumentieren sie – natürlich mit Fotos. Foto: Ortgies
Ihre Erinnerungen dokumentieren sie – natürlich mit Fotos. Foto: Ortgies

Büroräume hatten die beiden Fotografen in Leer immer, mittlerweile leben sie zeitweise sogar wieder in einem Haus. „Wir lernen – neben dem Van-Life – auch das House-Life wieder zu schätzen“, sagt Tomke Prößdorf und schmunzelt.

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