Digitale Stadt Emder Keptn-App wird nach sechs Jahren eingestellt
Vor sechs Jahren wurde die Emder Keptn-App mit viel Tamtam eingeführt. Innerhalb kürzester Zeit wurde sie 12.700 Mal heruntergeladen. Doch jetzt wird sie gelöscht.
Emden - „Der Keptn verlässt das Schiff“ - so ist die Mitteilung der Stadtwerke-Tochter Emden Digital zum Aus der gleichnamigen App beziehungsweise Internetseite überschrieben. Sie wurde am 1. Dezember veröffentlicht. Zum 22. Dezember wird beides nicht mehr erreichbar sein. Als Begründung nennt Jannik Wilken, verantwortlich bei Emden Digital für Marketing und Vertrieb, auf Nachfrage dieser Zeitung, dass man zwar auch über das Jahr 2023 weiterhin etwa 3000 Nutzer verzeichnet habe. „Dennoch konnte die Grundidee, die KEPTN-App als eine vollumfassende Stadt-App in Emden zu integrieren, bislang nicht realisiert werden“, so Wilken.
Es sei ihnen bewusst, dass es hierfür eine Menge Arbeit von verschiedenen städtischen Akteuren bedarf. Das kann offenbar derzeit nicht geleistet werden, lässt sich zwischen den Zeilen herauslesen. Aber: Man halte sich vor, „die App zu einem späteren Zeitpunkt nochmal erneut auszurollen“, schreibt Wilken. Abgesehen von der Abschaltung der App soll es aber keine Umstrukturierungen innerhalb der Emden Digital geben, betont er. Joachim Ehmen sei weiterhin Geschäftsführer des Unternehmens und verfolge unverändert das Unternehmensziel des flächendeckenden Glasfaserausbau in Emden.
Häufiger Kritik am Angebot
Unter dem Namen „Keptn“ war von Emden Digital eben auch der Glasfaserausbau gestartet worden, wie auch ein Fernsehangebot aufgestellt worden. Das lief und läuft nicht immer reibungslos: Wiederholt hat es Kritik an dem Fernseh-Paket gegeben. Der Empfang sei „desaströs“, sagte uns ein Leser im Oktober 2022. Aus unterschiedlichen Stadtteilen kam dieselbe Rückmeldung. Auch das Internet ist laut einiger Leser trotz Glasfaser nicht immer das Beste. Bis 2025, so das selbst erklärte Ziel von Emden Digital, soll fast das gesamte Stadtgebiet durch ein Glasfasernetz erschlossen sein.
Die Entscheidung, die Keptn-App einzustellen, kommt sechs Jahre nach Einführung der Handy-Funktion, durch die Emder und Gäste alle möglichen für sie relevanten digitalen Daten abrufen konnten: etwa zum ÖPNV, zu Freizeitangeboten oder aktuelle Nachrichten. Durch eine Augmented-Reality-Funktion konnte man in der Stadt sehen, was es in der Nähe für Einkaufsmöglichkeiten, Restaurants oder Sehenswürdigkeiten gibt und was daran wissenswert ist. Das freie W-Lan wurde in der Innenstadt dafür deutlich ausgeweitet.
App wurde schnell 12.700 Mal heruntergeladen
Die App wurde schnell sehr gut angenommen: „Schon nach gut 100 Tagen konnten wir uns über 12.700 Downloads freuen – gemessen an der Einwohnerzahl wurde der KEPTN zu einer der erfolgreichsten und beliebtesten Smart-City-Apps“, teilt Emden Digital mit. Die App sei immer weiter entwickelt worden. „Die wohl größte Veränderung fand 2019 statt, als wir aus der klassischen App im App- und Playstore eine Progressive Web App (PWA) gemacht haben, die neben anderen Vorteilen von jedem Endgerät jederzeit bequem abrufbar ist und sehr wenig Speicherplatz verbraucht. Durch die Umstellung war die App eine der ersten und damit innovativsten Smart-City-PWAs in Deutschland“, heißt es weiter.
Seit Ende 2019 konnte auch der Emder Stadtgutschein über die App in teilnehmenden Geschäften eingelöst werden. Doch der Hype ebbte ab. Schon im März 2021 hieß es, dass etwa 3000 Menschen den Keptn nutzen würden. Der News-Feed werde am häufigsten von Benutzern angeschaut - gefolgt von einer Erinnerungsfunktion für den nächsten Müllabfuhr-Termin und einem Überblick der Emder Sehenswürdigkeiten. Ob das Ende des Keptn mit schwindenden Nutzerzahlen zu tun hat oder sich Emden Digital neu ausrichtet, ist noch unklar. Wir haben dazu bei Emden Digital nachgehakt und warten noch auf eine Antwort.